Curatis: "Investitionsfähigkeit von kommunalen Kliniken sinkt dramatisch"
ID: 1424586
Pleite. Das betrifft vor allem kommunale Häuser in strukturschwachen
Regionen wie dem Saarland und im benachbarten Rheinland-Pfalz. Vor
wenigen Wochen hat das Evangelische Krankenhaus Zweibrücken
geschlossen. Grund: Finanzielle Probleme.
Die Investitionsfähigkeit der rund 2000 Kliniken in Deutschland
sinkt dramatisch", sagt Kai Hafermann, Geschäftsführer der
Ingenieurs- und Projektmanagementgesellschaft Curatis GmbH aus
Eschborn bei Frankfurt, die bundesweit seit mehr als 15 Jahren die
Kostenstrukturen von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen unter die
Lupe nimmt. "Es sind zu wenig Eigenmittel vorhanden, um dringend
anstehende Sanierungsmaßnahmen in den Häusern voranzutreiben. Drei
von vier Kliniken in Deutschland sind nicht ausreichend
investitionsfähig."
Die Ursachen liegen laut Hafermann nicht nur in der stetig
rückläufigen öffentlichen Förderquote, mit der die Bundesländer den
Häusern unter die Arme greifen sollen, Stichwort: duale Finanzierung.
Auch die häufig vorgeschobene "mangelnde Auslastung" sei kein Grund,
Kliniken schließen zu müssen. Die Ursachen für den dramatisch
wachsenden Investitionsstau seien vielmehr in der
betriebswirtschaftlichen Betrachtung der "Spezialimmobilie
Krankenhaus" zu suchen.
Alle haben die Behandlungskosten auf dem Schirm, aber nur wenige
denken auch an die Betriebskosten", so Hafermann. "Dabei gehört die
Bewirtschaftung des Gebäudes und der damit verbundenen
Unterhaltskosten zu den größten Kostenfressern im Klinikbudget."
Energie, Küche, textile Versorgung, Reinigung, Medizintechnik:
Rund ein Viertel der laufenden Kosten, die Kliniken zu tragen haben,
müssen für die Bewirtschaftung der Immobilie aufgewendet werden.
Der Ruf nach Investitionshilfen macht deutlich, wie dramatisch die
Situation an vielen Standorten bereits ist. Marktexperten beziffern
den Investitionsstau der Krankenhäuser in Deutschland auf aktuell
27,8 Milliarden Euro (Quelle: Krankenhaus-Rating-Report 2016). Da nur
jeder zweite Euro für Investitionen aus Fördermitteln stammt - die
öffentliche Förderquote der Bundesländer liegt derzeit bei 2,7
Milliarden Euro pro Jahr -, müssen die Kliniken selbst aktiv werden,
um ihre finanziellen Möglichkeiten zu stärken und ihre Defizite
abzubauen.
Curatis hat in mehr als 500 Projekten die häufigsten Ursachen für
Defizite im Krankenhausbetrieb analysiert:
Verschwendung in der Küche
In jeder zweiten Krankenhausküche agiert der Einkauf unabhängig
von der Bettenbelegung. Benötigte Mengen für einen Beköstigungstag
(BKT) werden falsch kalkuliert, Speisepläne schlecht geplant;
Lebensmittel wandern in den Müll.
Teure Wartungs- und Versorgungsverträge
In fünf von zehn Fällen arbeiten Kliniken in Deutschland nach
CURATIS-Analyse mit überteuerten Wartungsverträgen für
medizintechnische Geräte. Auch die Verträge mit Energieversorgen sind
oft überteuert.
Fehlplanungen bei Um- und Neubauten
Zu wenig Betten auf der Station, zu lange Wege im Haus: Jede
fünfte Klinik macht Fehler bei der Planung von Neu- und Umbauten.
Lange Wege kosten Zeit (und Personal), Stationen mit weniger als 30
Betten lassen sich kaum wirtschaftlich betreiben.
Weitere Infos unter www.Curatis.de
Pressekontakt:
Reinhard Pfeiffer (Pressesprecher)
Telefon: 0171 - 991 82 87
E-Mail: reinhard.pfeiffer@3fkommunikation.de
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Datum: 15.11.2016 - 10:40 Uhr
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