Neue Westfälische (Bielefeld): Verkaufsoffene Sonntage Handel braucht andere Konzepte Stefan Boes

Neue Westfälische (Bielefeld): Verkaufsoffene Sonntage
Handel braucht andere Konzepte
Stefan Boes

ID: 1426538
(ots) - Der Sonntag ist Ruhetag, Familientag, Tag der
seelischen Erhebung. So sieht es die Kirche und - das ist die
Realität - von der Kirche haben sich große Teile der Gesellschaft
entfremdet. Die Leute gehen am Sonntag nicht mehr zum Beten in die
Kirche, sondern lieber zum Bummeln in den Shoppingtempel. Niemand
zwingt sie dazu, auf Ruhe und seelische Erhebung zu verzichten. Sie
schätzen es, einen zusätzlichen Tag zu haben, an dem sie ohne
Zeitdruck in den Geschäften stöbern können. Die Argumente, die den
Sonntag als Ruhetag verteidigen sollen, sind daher schwach und
hilflos. Wer am Sonntag lieber Familie oder Freunde trifft, spazieren
geht, liest, backt oder kocht, der kann das schließlich tun. Auf den
ersten Blick bedeutet die Sonntagsöffnung also nur Gutes: Es
profitieren die Konsumenten, der Handel und die Innenstädte. Die Zahl
der verkaufsoffenen Sonntage weiter auszuweiten, wäre trotzdem
falsch. Denn eine Gruppe hat eben doch garantiert keinen ruhigen
Sonntag, ob nun auf dem Sofa oder in der Stadt. Das sind diejenigen,
die arbeiten müssen. Wir erleben eine fortschreitende Entgrenzung der
Arbeit, sie ist ein Kennzeichen der modernen Arbeitswelt, die auf
Flexibilisierung angewiesen ist. In allen Branchen. Dabei geht es
nicht nur um Wochenend- und Nachtarbeit. Generell sind Arbeit und
Freizeit immer weniger voneinander zu trennen, häufig zu Lasten der
Arbeitnehmer, die sich auf feste Strukturen nicht mehr verlassen
können. Diese Entwicklung ohne erkennbare Notwendigkeit noch zu
verstärken, zumal ohne Gesetzesgrundlage, wäre falsch. Voraussetzung
für jede Arbeit an Sonn- und Feiertagen ist, dass die Arbeit nicht an
Werktagen erledigt werden kann und besondere Bedürfnisse der
Bevölkerung deckt. Das Arbeitszeitgesetz erlaubt nur in engen Grenzen
Ausnahmen von dem Arbeitsverbot. Der stationäre Einzelhandel verlangt


mehr Wettbewerbsgleichheit mit dem Online-Handel. Wettbewerb bedeutet
aber, dass man in derselben Liga spielt oder zumindest im gleichen
Stadion - und das ist nicht der Fall. Zalando und der Schuhhändler
vor Ort lassen sich nicht vergleichen. Der Handel sollte sich etwas
anderes einfallen lassen, um im Internetzeitalter zu bestehen: ein
gutes Sortiment, erstklassige Beratung und insbesondere neue
Konzepte, die den stationären Handel mit eigenen Online-Angeboten
verknüpfen. Ein paar zusätzliche Verkaufssonntage retten die
Geschäfte nicht.



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