Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar:
Hacker greifen Telekom-Router an
Höchste Aufmerksamkeit nötig
Dirk-Ulrich Brüggemann
ID: 1429926
deutlich vor Augen geführt, wie angreifbar das Internet in Wahrheit
ist. Hat sich ein Hacker erst einmal eine Schwachstelle im System
ausgesucht, kann er mit selbstgebastelter Schadsoftware schnell
großen Schaden anrichten. Sicherheitsexperten der Netzanbieter
behaupten zwar gern, ihre Systeme seien sicher und gegen alle
Angriffe der "bösen Buben" gefeit - die zahlreichen Gegenbeispiele
aber belehren sie eines Besseren. Die jüngste Störung zog sich mehr
als zwölf Stunden lang hin, betroffen waren überwiegend Kunden, die
mit einem Router der Telekom ins Netz gehen. Und das waren immerhin
900.000 Nutzer. Nur, wer technisch wirklich bewandert war und die
Fehlerquelle austricksen konnte, konnte noch telefonieren, surfen
oder fernsehen. Anders der technische Laie. Der sehnte sich nach
früherer Technik zurück. Denn die funktionierte. Der Fernseher
empfing seine Bilder über die Antenne. Das Telefon hatte ein eigenes,
unabhängiges Netz, das auch dann seinen Dienst nicht versagte, wenn
daheim der Strom ausfiel. Doch diese Technik ist Schnee von gestern.
Heute werden die Bits und Bytes über das Internet übertragen. Für
Telefon und Fernsehen, aber auch für immer mehr andere Dienste. Es
ist also längst Zeit, dass sich die Bundesregierung stark macht für
den Schutz der Datennetze. Wer daran spart, hat verloren. Der
Cybersicherheit gehört höchste Aufmerksamkeit. Sollte der massive
Netzausfall vom Sonntag wirklich das Werk von Hackern gewesen sein,
dann haben die Täter einer breiten Allgemeinheit deutlich gemacht,
wie empfindlich die Datennetze wirklich sind. Wenn in naher Zukunft
auch selbstfahrende Autos ihre Informationen aus dem Internet
beziehen, muss rund um die Uhr gewährleistet sein, dass das Netz zu
100 Prozent sicher ist. Nicht auszudenken, was schon durch banale
technische Pannen passieren könnte. Von cyber-terroristischen
Angriffen ganz zu schweigen. Hier müssen die Bundesregierung und die
Wirtschaft Geld in die Hand nehmen und in Sicherheit investieren. Wer
sich in den Chefetagen diesen Investitionen verweigert, setzt
Menschenleben aufs Spiel.
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Datum: 28.11.2016 - 21:45 Uhr
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