HIV-Prophylaxe: Gemeinsamer Bundesausschuss erklärt sich für unzuständig
ID: 1431929
Prophylaxen sind nirgendwo eindeutig vorgesehen / Änderung von
Infektionsschutzgesetz oder Schutzimpfungsrichtlinie könnte den Weg
für die PrEP ebnen
Der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) hat sich
erstmals zur Finanzierung der HIV-Prophylaxe mit dem Medikament
Truvada geäußert. Der G-BA sei für diese Frage nicht zuständig,
erklärte Josef Hecken auf Anfrage.
Bei der Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) werde Truvada weder zur
Behandlung einer Krankheit eingesetzt, noch handele es sich um eine
Impfung. Truvada sei außerdem keine Alternative zu Kondomen. Insofern
entspreche die PrEP nicht den gesetzlichen Vorgaben, nach denen der
G-BA über eine Verordnungsfähigkeit von Medikamenten befindet.
Dazu erklärt Sylvia Urban vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe:
"Wir bedauern sehr, dass der Gemeinsame Bundesausschuss, der sonst
für die Erstattungsfähigkeit aller Medikamente zuständig ist, sich
nicht mit der PrEP befassen möchte. Die Absage offenbart eine
Systemlücke: Medikamentöse Prophylaxen sind nicht eindeutig
vorgesehen. Da sie aber wirksam sind, brauchen wir so schnell wie
möglich eine Lösung. Die Bundesregierung muss jetzt ein klares Signal
setzen, dass die PrEP ein Teil unserer erfolgreichen deutschen
Präventionsstrategie werden soll."
Gemeinsamer Appell der zuständigen HIV-Organisationen
Nötig ist nun eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes oder eine
Erweiterung der Schutzimpfungsrichtlinie des G-BA. Danach sollte das
oberste Gremium der Selbstverwaltung von Ärzteschaft und
Krankenkassen auch über die Erstattungsfähigkeit von medikamentösen
Prophylaxen befinden können.
Die Deutsche AIDS-Hilfe hat am Dienstag gemeinsam mit der
Deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG) und dem HIV-Ärzteverbund dagnä in
einem Appell die Einführung der PrEP in Deutschland gefordert. Denn
diese kann dazu beitragen, die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland
zu senken, indem sie Menschen mit häufigen Risikokontakten zur
Verfügung gestellt wird.
Verweis auf Kondome ist zynisch
"Die PrEP mit Verweis auf die Möglichkeit des Kondomgebrauchs
zurückzuweisen, wird der Sache nicht gerecht", kritisiert Sylvia
Urban die Mitteilung des G-BA-Vorsitzenden. "Es geht ja gerade darum,
Menschen eine Schutzmöglichkeit anzubieten, denen der Schutz mit
Kondomen aus verschiedenen Gründen nicht gelingt. Diesen Menschen in
ihrer Situation Kondome zu empfehlen, ist zynisch."
Die Fachwelt von der WHO über UNAIDS bis zu den deutschen
Fachorganisationen ist sich einig: Die PrEP wirkt. Studien belegen
dies eindeutig.
"Das deutsche Medizinsystem muss nun lernen, auf diese neue Chance
zu reagieren. Auf ein wirksames Mittel der Prävention zu verzichten,
bedeutet, vermeidbare HIV-Infektionen in Kauf zu nehmen", so Sylvia
Urban.
Die Deutsche AIDS-Hilfe dokumentiert den Wortlaut der
G-BA-Stellungnahme auf www.aidshilfe.de: http://ots.de/a9QFN
Weitere Informationen:
Gemeinsamer Appell von DAIG, dagnä und DAH für die Einführung der
PrEP in Deutschland: http://ots.de/HHMPB
Pressemitteilung zum gemeinsamen Appell "HIV/Aids-Organisationen:
Es ist Zeit für die HIV-Prophylaxe": http://ots.de/ArmID
Pressekontakt:
Deutsche AIDS-Hilfe
Holger Wicht
Pressesprecher
zurzeit nur mobil erreichbar: 0171 274 95 11
holger.wicht@dah.aidshilfe.de
www.aidshilfe.de
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Datum: 02.12.2016 - 10:47 Uhr
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