NOZ: Deutscher Reiseverband warnt vor Verschlechterungen für Kunden und Reisebüros
ID: 1432853
Verschlechterungen für Kunden und Reisebüros
Vizepräsident Hieke: Neues Reiserecht könnte für Reisebüros
existenzbedrohend sein
Osnabrück. Der Vizepräsident des Deutschen Reiseverbands, Ralf
Hieke, hat vor Verschlechterungen für Kunden und Reisebüros durch das
geplante neue Reiserecht gewarnt. In einem Interview mit der "Neuen
Osnabrücker Zeitung" (Dienstag) nannte Hieke die zugrunde liegende
EU-Pauschalreiserichtlinie "ein Bürokratiemonster, das klassisch
europäisch überreguliert". Für Reisebüros könnte die Neuregelung
sogar existenzbedrohend sein.
Die Umsetzung der Richtlinie in deutsches Recht hat das
Bundeskabinett Anfang November beschlossen. Die Neuregelung muss ab
dem 1. Juli 2018 angewendet werden. Diese sieht vor, dass die
Reiseveranstalter bis zu 20 Tage vor Reiseantritt für gestiegene
Kerosinkosten oder geänderte Wechselkurse einen Mehrpreis von bis zu
acht Prozent auf den ursprünglich vereinbarten Preis aufschlagen
können, ohne dass sie nachweisen müssen, dass ihre Kosten wirklich
gestiegen sind. "Die Beweislast liegt damit bei den Kunden",
kritisiert Hieke. "Das ist der falsche Ansatz und müsste genau
umgekehrt geregelt sein."
Verbesserungsbedarf sieht Hieke auch bei den sogenannten
verbundenen Reiseleistungen, die sich aus Bausteinen
unterschiedlicher Anbieter zusammensetzen. Man habe zwar
durchgesetzt, dass ein Reisebüro beim Vertrieb von mehreren
Reiseleistungen nicht mehr wie ursprünglich geplant automatisch in
die Veranstalterhaftung gerate. Doch könne das Reisebüro das nur
verhindern, wenn es jede einzelne Leistung separat buchen, separat
abrechnen und separat bezahlen lasse. "Weist das Reisebüro alle
Einzelleistungen in einer Gesamt-Zahlungsaufstellung aus, wird es
doch wieder zum Reiseveranstalter mit den entsprechenden
Haftungspflichten", erläutert der DRV-Vize aus Ibbenbüren.
Bleibe es bei dieser Regelung, bestehe die Gefahr, dass
Reisebüros, um auf der sicheren Seite zu sein, nicht mehr die volle
Produktpalette anböten, sondern bevorzugt Pauschalreisen, bei denen
die Haftung bei den Veranstaltern liege. "Den Kunden ginge dann
Vielfalt und Neutralität der Beratung verloren", so Hieke.
Reisebüros, die sich nicht rechtzeitig mit der Problematik
auseinandersetzten und sich der Risiken nicht bewusst seien, könnten
auch wegen der ungewissen Versicherungsfragen in ihrer Existenz
bedroht sein.
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Datum: 06.12.2016 - 05:00 Uhr
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