Bittere Nachricht zu Nikolaus: Schokolade bleibt unfair
ID: 1433014
immer weit entfernt. Das ist das bittere Zwischenergebnis einer
Verbraucher-Aktion der INKOTA-Kampagne Make Chocolate Fair!. Führende
Schokoladenhersteller können demnach weiterhin nicht nachweisen, dass
die an der Produktion beteiligten Kakaobauernfamilien über ein
existenzsicherndes Einkommen verfügen. Unter dem Motto "#nachgehakt:
Ist meine Lieblings-Schoki fair?" haben seit September Kundinnen und
Kunden bei 65 Schokoladenunternehmen nachgefragt, was diese gegen
Armut, Hunger und missbräuchliche Kinderarbeit in Kakaoanbauländern
tun. Nestlé, Ferrero, Ritter Sport und 14 weitere Unternehmen haben
geantwortet.
"Schokolade ist erst dann fair, wenn Kakaobauern über ein
existenzsicherndes Einkommen verfügen", stellt INKOTA-Referentin
Evelyn Bahn klar. "Die meisten Kakaobauernfamilien haben aber pro
Familienmitglied am Tag weniger zur Verfügung, als ein
Schokoladen-Nikolaus bei uns kostet. Auch wer Kinderarbeit bekämpfen
möchte, muss vor allem die extreme Armut reduzieren." Nach
Berechnungen der Kampagne Make Chocolate Fair! müsste das Einkommen
der Bauern viermal höher sein als heute, damit sie aus der extremen
Armut entkommen könnten.
Der Dachverband der Europäischen Süßwarenindustrie (CAOBISCO)
hatte bereits 2015 versprochen, dass Schokoladenunternehmen ihre
Bemühungen zur Bekämpfung von Armut und Kinderarbeit beschleunigen.
Immer mehr Unternehmen unterstützen Kakaobauernfamilien auch durch
Trainings und Schulungen oder lassen ihren Kakao durch UTZ, Fairtrade
oder Rainforest Alliance zertifizieren - wie auch die Antworten auf
#nachgehakt zeigen. Sie geben allerdings keine Auskunft darüber, ob
sich dadurch tatsächlich etwas für die Kakaobauernfamilien verbessert
hat. Die Kampagne Make Chocolate Fair! fordert deshalb eine
transparente Berichterstattung von den Unternehmen, die darüber
informiert, ob ihre Nachhaltigkeitsprojekte tatsächlich zur
Bekämpfung von Kinderarbeit und Armut führen.
Notwendig ist außerdem eine Anhebung der Prämien für
zertifizierten Kakao von Zertifizierungsorganisationen wie Fairtrade.
Durch Zertifizierung und Prämien werden bisher Einkommenssteigerungen
von nur etwa zehn Prozent erreicht. Die garantierte Prämie von
Fairtrade beträgt derzeit 200 US-Dollar pro Tonne. Bei anderen
Zertifizierungsorganisationen müssen die Bauern die Prämien sogar
selbst verhandeln. "Als Vorreiter des Fairen Handels sollte Fairtrade
dringend die garantierten Prämien für zertifizierten Kakao erhöhen",
so Bahn. "Sie sind ein sinnvolles Instrument, um den unfairen
Weltmarktpreis zu umgehen und die Einkommen der Kakaobauernfamilien
anzuheben."
Die Antworten der Schokoladenunternehmen zu #nachgehakt zeigen,
dass viele Projekte auf Produktivitätssteigerung zielen. Allein
dadurch werden die Bauern der Armut aber nicht entkommen. Es besteht
sogar die Gefahr, dass ein Überangebot von Kakao zu sinkenden Preisen
führt. Einen Schritt weiter geht das von vielen Unternehmen genannte
Pilot-Projekt Pro Planteurs des Forum Nachhaltiger Kakao. Es setzt
nicht allein auf Ertragssteigerungen, sondern legt einen Schwerpunkt
auf die Diversifizierung der landwirtschaftlichen Produktion. Dadurch
soll die Abhängigkeit der Bauern von Kakao reduziert und die
Biodiversität gestärkt werden. "Pro Planteurs steckt noch in den
Kinderschuhen", so Bahn. "Wenn die Theorie in der Praxis Erfolg hat,
bleibt zu hoffen, dass das Projekt eine Messlatte für alle
Nachhaltigkeitsinitiativen wird."
Weitere Informationen:
https://de.makechocolatefair.org/nachgehakt
Pressekontakt:
Evelyn Bahn, Kampagnen-Koordinatorin Make Chocolate Fair!, Tel.:
030-420 820 255, Mobil: 0177-32 43 408, E-Mail: bahn@inkota.de
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Datum: 06.12.2016 - 10:36 Uhr
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