taz-Kommentar zu Terror und Flüchtlingspolitik
ID: 1439271
Flüchtlingspolitik
Wende ohne Ende
Der Verdacht, dass es sich bei dem Anschlag auf den Berliner
Weihnachtsmarkt um ein geplantes Attentat im Sinne des sogenannten
"Islamischen Staats" gehandelt hat, scheint sich zu bestätigen.
Doch Rechtspopulisten wie die AfD wussten von Anfang an, noch ohne
die Details abzuwarten, wen sie eigentlich für den Anschlag
verantwortlich machen wollen: Angela Merkel und ihre angeblich zu
großzügige Flüchtlingspolitik des letzten Jahres.
Auch CSU-Chef Horst Seehofer schlug umgehend in die gleiche Kerbe,
er forderte vollmundig eine Wende in der Sicherheits- und
Flüchtlingspolitik. Nur: Diese Wende hat es längst gegeben. Die
traurige Wahrheit ist, dass all die Verschärfungen des letzten Jahres
den Anschlag nicht verhindert haben.
Es ist verführerisch, jetzt nach angeblichen Lücken im Asylrecht
zu suchen, die einem Attentäter wie Anis Amir in die Hände gespielt
haben könnten. Warum konnte er nicht schneller abgeschoben werden,
bevor er den Anschlag beging? Die Gefahr dabei ist, durch übereilte
Forderungen jetzt alle Asylbewerber für diese Tat in Sippenhaft zu
nehmen. Dabei haben die Anschläge der Vergangenheit gezeigt, dass der
IS für Attentate in Europa keineswegs auf Flüchtlinge angewiesen ist.
Der IS setzt aber gerne auf solche Täter, weil er die westlichen
Gesellschaften verunsichern will und weil ihm die deutsche
"Willkommenskultur" ohnehin ein Dorn im Auge war.
Je mehr Misstrauen Flüchtlingen und Muslimen in westlichen
Gesellschaften entgegengebracht wird, so das Kalkül des IS, umso mehr
kann er hoffen, dass sich einzelne Flüchtlinge und Muslime
radikalisieren und für seine Zwecke einspannen lassen.
Insofern betreiben die AfD und Horst Seehofer das Geschäft des IS,
wenn sie dem Generalverdacht gegen Muslime und Flüchtlinge das Wort
reden. Liberale und Linke müssen sich allerdings auch eingestehen,
dass es angesichts der Flüchtlingsbewegung des letzten Jahres nicht
immer leicht ist, humanitäre und sicherheitspolitische Erwägungen in
Einklang zu bringen. Das geht nur mit einer internationalen
Zusammenarbeit, die auch den Interessen etwa der Herkunftsländer
Rechnung trägt. Denn warum sollen diese potenzielle Terroristen
zurücknehmen, die sich erst in Europa radikalisiert haben?
Humanität und Sicherheit müssen aber auch kein Gegensatz sein, wie
CSU und AfD suggerieren: Gerade eine geordnete Aufnahme von
Flüchtlingen, etwa über Kontingente aus der Türkei oder Jordanien,
würde eine ausgiebige Sicherheitsüberprüfung erlauben und dazu
beitragen, wirklich Bedürftigen zu helfen.
Pressekontakt:
taz - die tageszeitung
taz Redaktion
Telefon: 030 259 02-255, -251, -250
Original-Content von: taz - die tageszeitung, übermittelt durch news aktuell
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 22.12.2016 - 16:32 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1439271
Anzahl Zeichen: 3185
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Berlin
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 321 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"taz-Kommentar zu Terror und Flüchtlingspolitik"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
taz - die tageszeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
(Brot für die Welt hat nach Erscheinen des Artikels das Zitat im 2. Absatz dahingehend korrigiert, dass rund 60 Prozent des in Deutschland verbrauchten Weizens in Trog und Tank landeten, also nicht 80 Prozent des Weizens in Deutschland.) Die Hilfsorganisation "Brot für die Welt" hat d
Brot für die Welt verteidigt Indiens Exportverbot für Weizen / Regierung verhindere Hunger im eigenen Land. Statt das zu kritisieren sollten die G7 ihren Verbrauch für Kraftstoff und Futter reduzie ...
Die Hilfsorganisation "Brot für die Welt" hat die Kritik der G7-Staaten an Indiens Exportverbot für Weizen zurückgewiesen. "Es ist nur gerechtfertigt, wenn die indische Regierung Hunger im eigenen Lan durch einen Ausfuhrstopp verhindern will", sagte Francisco Marí, Welte
FDP sieht Pläne für weniger Biosprit skeptisch / Kraftstoff aus Pflanzen sei nötig im Kampf gegen Klimawandel, so Vizefraktionschefin Konrad. Sie sieht keine große Konkurrenz zu Lebensmittelproduk ...
Die von mehreren Bundesministerien angestrebte Reduzierung des Einsatzes von Lebensmitteln als Kraftstoff droht an der FDP zu scheitern. "Biokraftstoffe sind eine wichtige Technologie zum Übergang in die Klimaneutralität des Verkehrs und oftmals durch den Einsatz von Abfällen und Reststoff
Weitere Mitteilungen von taz - die tageszeitung
Kölner Stadt-Anzeiger: Bundesanwalt prüft Hinweise auf Vorbereitung des Berliner Anschlags im Ruhrgebiet - Mandant berichtete im Mai, dass Lkw in Berlin in eine Menschenmenge fahren sollte ...
Die Bundesanwaltschaft prüft Aussagen eines Rechtsanwalts, dass der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt in salafistischen Kreisen im Ruhrgebiet von langer Hand vorbereitet worden sein könnte. Die Hinweise von Strafverteidiger Burkhard Benecken, der einen der Angeklagten im Prozess um de
Krankschreibung nach Kündigung? Tipps für Arbeitnehmer ...
Krankschreibung nach einer Kündigung weit verbreitet: Haben sie eine Kündigung vom Arbeitgeber erhalten, lassen sich viele Arbeitnehmer krankschreiben. Eine solche Krankschreibung ist in aller Regel völlig unproblematisch. Der Arzt hat angesichts des oftmals sehr einschneidenden Erlebnisses durch
Der Tagesspiegel: Verfassungsschutz: Salafistenszene in Berlin wächst ...
Die Salafistenszene in Berlin ist nach Informationen des Berliner "Tagesspiegels" in diesem Jahr stark gewachsen. Der Berliner Verfassungsschutz hat jetzt 840 Salafisten festgestellt, das sind 160 mehr als im Vorjahr. Im Vergleich zu 2012, damals waren es 400 Salafisten, ist die Szene j
Neue Rekorde bei Krankmeldungen und Blaumachern - Presseinformation der Detektei Lentz® ...
Laut aktuellem Regierungsbericht haben die krankheitsbedingten Fehlzeiten von Arbeitnehmern mit durchschnittlich 15,2 Tagen 2015 einen neuen Höchstwert erreicht. Die Personalausfälle verursachen jährlich Kosten in Milliardenhöhe. Keine Frage: Krank sein ist menschlich und wer krank ist, hat ein




