Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Thema EKD beim Papst
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mal »ein höllisch Vater«. Auf der Gegenseite beschimpfte Domprediger
Gerhardus Rödeken hunderte Anhänger der neuen Lehre in Paderborn: »Da
gehen sie hin gen Schlangen, den Teufel zu empfangen«. Gottlob ist
die von Historikern »Grobianismus« genannte Hetze überwunden. Ein
halbes Jahrtausend nach Luthers Thesenanschlag sind Eiferertum und
Streiterei Geschichte. Christen beider großen Kirchen feiern, beten
und rücken in den kleiner gewordenen Gemeinden zusammen. Kirchentage
zeigen: Spaltung, Religionskriege und Kirchenkampf sind vergessen.
Die Basis denkt schon lange so. Auch die Kirchenleitungen haben
inzwischen zu »versöhnter Verschiedenheit« und einem herzlichen
Miteinander gefunden. Heute wird die Spitze der Evangelischen Kirche
von Deutschland (EKD) in Rom mit Papst Franziskus in einer Atmosphäre
gegenseitiger Wertschätzung zusammentreffen. Es wird einer der
Höhepunkte des Reformationsjubiläums (evangelisch) beziehungsweise
Reformationsgedenkens (katholisch) werden. Schon wird spekuliert, ob
Franziskus Ende Oktober ins Flugzeug steigt, um am 500.
Reformationstag in Deutschland Zeichen zu setzen. Der
EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm und seine
Stellvertreterin Präses Annette Kurschus setzen große Hoffnungen in
die Begegnung - und auf Bewegung auf katholischer Seite. Beobachter
sprechen übereuphorisch von einem Meilenstein für die Ökumene.
Dennoch wird es keine Wiedervereinigung - etwa nach deutsch-deutschem
Muster - geben. Das politische Zusammenführen eines vier Jahrzehnte
getrennten Volkes war 1989 schwer genug. Eine religiöse
Wiederverheiratung aller Gläubigen und ihrer beiden Amtskirchen
ist nahezu unmöglich. Die weltweite Religionsgeschichte ist voll von
Kirchenspaltungen, das Gegenteil die absolute Ausnahme. Machen wir
uns nichts vor: Lehrsätze sind immer fundamental und schließen jede
andere Lesart aus. Da kann es nur friedliche Koexistenz geben, mehr
nicht. Gerade wegen der Unmöglichkeit sind die Ereignisse im
Reformationsjahr so ermutigend. Schon Mitte Januar hatte der Papst
gegenüber Präses Kurschus erklärt, auch er wolle im Geist des
gemeinsamen Reformationsgedenkens mehr auf das schauen, was
verbindet, »als auf das, was uns trennt«. Er appellierte an die EKD
und wohl auch an die Deutsche Bischofskonferenz: »Lasst uns unseren
Weg gemeinsam fortsetzen, um unsere Gemeinschaft zu vertiefen und ihr
eine immer sichtbarere Form zu geben.« Franziskus ging noch weiter.
Er sagte, Gemeinschaft, Versöhnung und sogar Einheit seien möglich.
Eben: Der christliche Glaube kennt nicht nur Zeichen, sondern auch
Wunder.
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Datum: 05.02.2017 - 21:30 Uhr
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