taz-Kommentar zur Bildung eines Spitzenteams in der AfD
ID: 1454723
Spitzenteams in der AfD
Dämpfer für Frauke Petry
Die Mehrheit der AfD-Mitglieder hat eine aus ihrer Sicht kluge
Entscheidung gefällt: Sie will, dass ihre Partei mit einem Team und
nicht mit einer Einzelperson an der Spitze in den Bundestagswahlkampf
zieht. Das erhöht die ohnehin guten Erfolgsaussichten der
Rechtspopulisten weiter. Denn ein Team kann besser potenzielle
WählerInnen von der bürgerlichen Mitte bis ganz rechtsaußen
ansprechen, ohne die jeweils anderen zu vergrätzen. Und genau darin
liegt bislang das Erfolgsrezept der Partei.
Vizechef Alexander Gauland könnte für die völkisch-nationalen
Höcke-Fans dabei sein, für die Putin-Versteher und "die kleinen
Leute", als deren Fürsprecher er sich inszeniert. Alice Weidel aus
Baden-Württemberg für die Neoliberalen. Und Parteichefin Frauke Petry
für die dazwischen. Wem Gauland zu rechts ist, der kann sich an die
beiden Frauen halten.
Parteiintern aber stärkt das Votum den Rechtsaußenflügel der AfD.
Zwar ging es in der Onlineabstimmung nicht um Personen. Allen aber
ist klar: Als Spitzenkandidatin wäre nur Parteichefin Petry infrage
gekommen. Ihr Einfluss aber ist Höcke, Gauland und Co schon jetzt
deutlich zu groß. Mehrmals hat Petry - bislang erfolglos - versucht,
Höcke zu entmachten. Der kann sich jetzt über einen Dämpfer für Petry
freuen.
Als Spitzenfrau im Wahlkampf wäre Petry nicht nur endgültig zu dem
Gesicht der AfD geworden - sie wäre auch die natürliche Kandidatin
für den Vorsitz einer künftigen Bundestagsfraktion. Unter der
machtbewussten Petry, die zu Alleingängen neigt, wollen die Herren
aber ungern Abgeordnete sein. Parteiintern heißt es gar, für Höckes
Verzicht auf eine Bundestagskandidatur sei dies mitentscheidend
gewesen.
Obwohl die endgültige Entscheidung beim Bundesparteitag liegt, hat
Petry inzwischen signalisiert, dass sie nicht um die
Spitzenkandidatur kämpfen will. Auf den Fraktionsvorsitz aber wird
sie nicht freiwillig verzichten.
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Datum: 09.02.2017 - 15:57 Uhr
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