Das Erste / Weltspiegel - Auslandskorrespondenten berichten / Am Sonntag, 5. März 2017, 19:20 Uhr v

Das Erste / Weltspiegel - Auslandskorrespondenten berichten / Am Sonntag, 5. März 2017, 19:20 Uhr vom BR im Ersten

ID: 1463025
(ots) - Moderation: Natalie Amiri

Geplante Themen:

Kenia: Wie Menschen und Tiere unter der Dürre leiden / Kühe auf
dem Grünstreifen einer Hauptverkehrsstraße in Nairobi - auch für
Kenia ein ungewöhnlicher Anblick. Weil in vielen Landesteilen Dürre
herrscht, kommen die Massai mit ihren Viehherden in die Hauptstadt,
um dort noch ein wenig Nahrung für ihre Tiere zu finden. Williamson
Parkirey hatte schon drei Viertel seiner Kühe verloren, bevor er mit
dem Rest der Herde nach Nairobi gewandert ist. Er hat schon einige
Dürren durchgestanden, aber diese empfindet er als besonders
bedrohlich: "Früher gab es selbst in der Trockenzeit ab und zu Regen,
aber diesmal nicht", erzählt er uns. Auch im Tsavo-Nationalpark ist
es heiß und knittertrocken. Seit vielen Monaten hat es keinen Tropfen
geregnet, die meisten Wasserquellen sind ausgetrocknet. Das
Tsavo-Ökosystem ist die Heimat von Kenias größter
Elefantenpopulation, schon in normalen Zeiten bedroht von Wilderei,
Klimawandel, Bevölkerungsdruck und dem Bau einer neuen Schnellbahn.
Jetzt kommt noch die Dürre dazu. Kleinbauer Patrick fährt mit seinen
Wasserlastern in den Tsavo-Park, um die Tiere vor dem Verdursten zu
retten. Eine harte Zeit für Mensch und Tier. (Autorin: Sabine
Bohland, ARD Nairobi)

Südafrika: Wenn der Pastor mit Domestos "heilt" / "Es schmeckt wie
Saft", sagt Chimane Bereng lächelnd. Eben hat er einen kräftigen
Schluck Domestos genommen. "Domestos macht mich stark, ich fühle
Gottes Kraft!" Dann muss er sich übergeben. "Gut so!", ruft Pastor
Sipho Mphakathi. "Lass die bösen Geister raus!" Mphakathi ist einer
von Dutzenden neuer Prediger in Südafrika, die ihren Anhängern
Reinigungsmittel, Benzin oder Insektenspray verabreichen - alles im
Namen Gottes. "Die Menschen sehnen sich nach intensiven religiösen
Erfahrungen", erklärt der Psychologe Leonard Carr den neuen Trend.


"Deshalb sind sie für solche Rituale zu begeistern." Vor allem aber
sei Religion ein gutes Geschäft, weiß Solomon Ashoms: "So wetteifern
die Kirchen um Aufmerksamkeit, Anhänger und damit letztendlich um
Geld", sagt er. Ashoms ist einer der schärfsten Kritiker der neuen
Propheten und hat selbst erlebt, wie hart der Markt der Religionen
umkämpft ist: Wegen Morddrohungen hat er mittlerweile Südafrika
verlassen. (Autor: Thomas Denzel, ARD Johannesburg)

Russland: Straflager wegen Protestplakat - Der Fall Dadin /
Tagelang wartet seine Frau Anastasia Sotowa in der Eiseskälte vor
einem Straflager in Sibirien auf die Freilassung ihres Mannes: Der
34-jährige Ildar Dadin war wegen der Teilnahme an friedlichen
Einzelprotesten im Dezember 2015 zu zweieinhalb Jahren Haft
verurteilt worden. Er hatte mehrmals friedlich, leise - aber
beharrlich - mit Plakaten gegen die Politik Putins demonstriert.
Dafür landete er in einer Strafkolonie in Karelien, wo einst auch der
berühmte Erzfeind Putins Chodorkowski eingesessen hatte. Dadin
berichtete in Briefen an seine Frau von Folter und Misshandlungen.
Sein Fall schlug international hohe Wellen: Schließlich widerrief das
Oberste Gericht die Haftstrafe. Für russische Menschenrechtler ein
exemplarischer Fall, der auch ganz normale Bürger einschüchtern soll.
Nachdem zunächst politische Aktivisten und Politiker aus dem Weg
geräumt worden seien, werde dem Land nun signalisiert: Es kann jeden
treffen. Verhaltet euch lieber ruhig, seht fern, fallt lieber nicht
auf! (Autorin: Birgit Virnich, ARD Moskau)

Iran: Der Hüter der verborgenen Kunstschätze / Jeden Tag, seit
fast 40 Jahren, geht Firouz Shahbazi den langen spiralförmigen Gang
hinunter in den Keller des Museums für zeitgenössische Kunst in
Teheran. Hier wacht er über eine der größten Sammlungen moderner
Malerei, fernab der Öffentlichkeit. Noch unter dem Schah war er als
Fahrer eingestellt worden. Farah Diba, die ehemalige Kaiserin, hatte
die legendäre Kunstsammlung in den 1970er Jahren, einer Zeit der
Modernisierung des Landes, zusammentragen lassen. So fanden Werke von
Andy Warhol, Miro, Roy Lichtenstein, Braque, Rauschenberg, Munch,
Chagall und vielen anderen internationalen Künstlern ihren Weg in den
Iran. 1979, nur gut 15 Monate nach Eröffnung des Museums, kehrte
Ayatollah Khomeini, die Symbolfigur der Revolution, aus seinem Exil
in Paris zurück. Ab diesem Zeitpunkt wurde alles, was mit dem Westen
in Verbindung gebracht wurde, verachtet, verbannt und zerstört. Die
Museumsmitarbeiter wurden entlassen. Nur Firouz Shahbazi durfte
bleiben. Der Fahrer, der damals von Kunst keine Ahnung hatte, fühlte
sich von da an für die Kunstwerke verantwortlich und passte gut auf
sie auf - bis heute. (Autorin: Natalie Amiri, ARD Teheran)

Japan: Sechs Jahre nach Fukushima - Rückkehr der Evakuierten? /
Der 68-jährige Hiroshi Kanno soll zurück nach Iitate, in seinen
Heimatort. Der war nach dem Atomunglück von Fukushima 2011 geräumt
worden. Der japanische Staat sowie die lokalen Behörden werden Ende
März die Evakuierungsorder für große Teile der weitläufigen
Dorfgemeinde mit ihren ehemals 6000 Einwohnern wieder aufheben. Nach
jahrelangen Dekontaminierungsarbeiten ist nach offiziellen Aussagen
ein Leben in den Wäldern und Hügeln Ostjapans wieder möglich. Kanno
und viele andere Bewohner misstrauen den Behörden jedoch. Kannos
Dosimeter misst im zweiten Stock seines verlassenen Wohnhauses noch
immer das Sechsfache des staatlichen Grenzwerts. Und die
Umweltorganisation Greenpeace hat bei Langzeitmessungen in Iitate
Hotspots mit bis zum Hundertfachen entdeckt. Die Regierung wolle nur
die Botschaft verbreiten: Auch eine solche Katastrophe ist zu
bewältigen, nichts Schlimmes ist geschehen - meint Kanno und will
deshalb mit seiner Familie in Fukushima-Stadt bleiben, wo sie sich
eine neue Existenz aufgebaut haben. Bis hierher hatte es die
radioaktive Wolke nicht geschafft. Doch der Schmerz über die
verlorene Heimat wird sie nie verlassen. (Autor: Uwe Schwering, ARD
Tokio)

Redaktion: Karola Baier

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