Börsen-Zeitung: Jede Menge Baustellen, Kommentar zur Lufthansa von Lisa Schmelzer
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Carsten Spohr. Mitte der Woche konnte er eine Einigung im
Tarifkonflikt mit den Piloten vermelden, einen Tag später wurden für
das vergangene Geschäftsjahr Ergebnisse auf Rekordniveau vorgelegt.
Die Börse reagierte mit deutlichen Kursaufschlägen.
Die Freude Spohrs dürfte indessen verhalten ausfallen. Denn der
Lufthansa-Chef weiß, dass er trotz der erfreulichen Ergebnisse noch
jede Menge Baustellen abzuarbeiten hat. Vieles hat er angestoßen,
einiges auf den Weg gebracht - was bei all dem am Ende herauskommt,
steht aber noch in den Sternen.
Spohrs wichtigstes Projekt beispielsweise, die günstige
Flug-Plattform Eurowings, ist im vergangenen Jahr tief in den roten
Zahlen gelandet und dürfte auch 2017 nur eine schwarze Null abwerfen.
Die Integration von Brussels Airlines und den geleasten
Air-Berlin-Fliegern ist ein Kraftakt, der unter der Führung des neuen
- und branchenfremden - für Eurowings zuständigen Lufthansa-Vorstand
Thorsten Dirks gelingen muss. Auch bei den Kostenstrukturen der neuen
Tochter ist man noch nicht am Ziel. Um 10% sind die Stückkosten im
vergangenen Jahr gesunken, bis Ende des Jahrzehnts müssen weitere 20%
dazukommen, um auch nur annähernd wettbewerbsfähig zu sein.
Im nach wie vor wichtigsten Geschäftsfeld Lufthansa Passage ist
nach der Einigung mit den Piloten ebenfalls noch nicht eitel
Sonnenschein. Die Preise verfallen seit längerem in einem solch
rasanten Tempo, dass beim Zurückfahren der Kosten kaum Schritt
gehalten werden kann. Selbst die Zugeständnisse der Piloten
eingerechnet, hat die Lufthansa noch lange nicht das Aufwandsniveau
der Wettbewerber aus den Golfstaaten erreicht, die ihre besten Zeiten
zwar hinter sich haben, den Europäern aber nach wie vor das Leben
schwer machen.
Selbst verlässliche Ergebnisbringer im Konzern wie die Lufthansa
Technik schwächeln derzeit oder fliegen - wie die Frachtsparte - rote
Zahlen ein. Spohr, einst selbst Lufthansa-Cargo-Chef, macht zwar
Anzeichen einer Erholung aus, dennoch wird die Frachter-Flotte weiter
zusammengestrichen.
Bei dieser Gemengelage fällt die Prognose für 2017 - zu Recht -
verhalten aus. Zumal ein Faktor, der mit über Wohl und Weh der
Airline-Branche entscheidet, derzeit gegen die Unternehmen läuft: Der
anziehende Ölpreis und der starke Dollar werden den Kerosineinkauf
verteuern, Lufthansa rechnet 2017 mit Mehrausgaben von 350 Mill.
Euro.
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Datum: 16.03.2017 - 20:50 Uhr
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