Neue Westfälische (Bielefeld): Merkels Außenpolitik
In der Zwickmühle
Sigrun Müller-Gerbes
ID: 1469224
internationalem Parkett alles richtig. Und als Wahlkämpferin zugleich
alles falsch. Als Regierungschefin zeigt Angela Merkel gute Miene zu
dem bösen Spiel, das Donald Trump und Recep Tayyip Erdogan der Welt
derzeit auf öffentlicher Bühne bieten. Der US-Präsident tritt, kaum
dass die Kanzlerin wieder abgereist ist, per Twitter nach und
poltert, Deutschland schulde ihm und der NATO "riesige Summen". Der
türkische Staatschef, der sich fast täglich mit neuen unglaublichen
Tiraden selbst übertrifft, wirft ihr persönlich "Nazi-Methoden" und
Terrorunterstützung vor. Und Merkel? Schweigt. Die Kanzlerin
verweigert sich dem Impuls, laut und deutlich "Basta" zu rufen,
ähnlich polternd zurückzuschießen. Selbst, wer ihr sonst politisch
nicht nahesteht, kann dieser stoischen Haltung Respekt
entgegenbringen. Denn sie zeugt von dem Bemühen, die diplomatischen
Krisen nicht gefährlich weiter zuzuspitzen. Gleichzeitig nimmt ihr
das aber die Chance, den emotionalen Wahlkampf zu betreiben, den sich
viele Anhänger wünschen. Eine emotionale Reaktion auf Trump, das
hieße, sich dessen Vorhaltungen und Halbwahrheiten öffentlich zu
verbitten. Eine Strategie, die vielen in Deutschland wohl aus der
Seele spräche. Eine emotionale Reaktion auf die Anwürfe aus Ankara,
das hieße, Erdogan und sein Gefolge zu unerwünschten Personen zu
erklären. Eine Strategie, mit der der Niederländer Rutte eine Wahl
gewonnen hat. Merkel verzichtet auf beides. Das ist verdienstvoll.
Könnte sie jedoch das Amt kosten.
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Datum: 19.03.2017 - 19:00 Uhr
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