Börsen-Zeitung: Der große Wurf, Kommentar zur Nord/LB von Carsten Steevens
ID: 1477779
Herausforderungen nach der vollständigen Übernahme der notleidenden
Tochter Bremer Landesbank (BLB) zeigen, warum für die Nord/LB ein
Gebot für die zum Verkauf stehende HSH Nordbank nicht in Frage kommt.
Die nach wie vor nicht ausgestandene Schifffahrtskrise hat in ihrem
achten Jahr die Kreditrisikovorsorge im Konzern der drittgrößten
Landesbank auf 3 Mrd. Euro mehr als vervierfacht. Der Verlust von 2
Mrd. Euro hinterlässt Spuren. Die Nord/LB hat nun genug damit zu tun,
ihre spürbar gesunkene Kernkapitalquote ohne externe Hilfe auf ein
komfortables Niveau zu hieven. Eine Fusion der BLB mit dem
Mutterkonzern, die die größtmöglichen Synergien verspricht, aber in
den nächsten Jahren auch erhebliche Ressourcen bindet, erleichtert
dieses Vorhaben.
Die Nord/LB befindet sich gut 250 Jahre nach ihrer Gründung in
einer ihrer schwierigsten Phasen, die fokussierte Konsolidierung
erfordert und eine riskante Expansion verbietet. Mit der BLB-Fusion
und weiteren kostensenkenden Maßnahmen des von der Schifffahrtskrise
beförderten neuen Transformationsprogramms "One Bank" sollte die
Landesbank aus Hannover unter Führung ihres neuen
Vorstandsvorsitzenden Thomas Bürkle in den kommenden Jahren
ausgelastet sein. Der nun angestrebte große Wurf soll auch dazu
führen, dass wieder verlässlich Dividenden gezahlt werden können an
die Träger, allen voran an das Land Niedersachsen.
Eine der größten Herausforderungen wird es dabei sein, die
Integration der BLB bis 2020 so glatt und geräuscharm wie möglich
über die Bühne zu bekommen, ohne dass zugleich das Kundengeschäft
darunter leidet. Der Nord/LB kommt dabei zugute, dass ihr
Finanzierungsgeschäft eben nicht von der Schiffssparte dominiert
wird, auch wenn die Belastungen aus dieser Ecke aktuell den Eindruck
erwecken. Rund 85% aller Kundenforderungen stammen aus anderen
Geschäftsbereichen, die allesamt Gewinne abwerfen und in den
vergangenen Jahren dafür sorgten, die Belastungen aus dem
Schiffssegment auszugleichen. 2016 schaffte die Nord/LB diese
Kompensation nicht.
Der Erfolg des neuen Transformationsprogramms wird aber auch
wesentlich von der weiteren Entwicklung in den Schiffsmärkten
abhängen und davon, welche Bewertungsanforderungen die Finanzaufsicht
an die Schiffsfinanzierer stellt. Derzeit deutet sich eine gewisse
Entspannung an. Doch wird die Nord/LB gut daran tun, ihr
Schiffsfinanzierungsportfolio in den nächsten Jahren weiter
abzubauen.
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Datum: 06.04.2017 - 20:45 Uhr
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