Welt-Hämophilie-Tag am 17.4.: Entschädigung der Opfer des Blutskandals noch nicht voll erreicht
ID: 1479583
Deutschen Hämophiliegesellschaft, der Deutschen AIDS-Hilfe und des
WEISSEN RINGS
Seit drei Jahrzehnten warten Menschen, die in den 70er- und
80er-Jahren durch kontaminierte Blutprodukte mit HIV infiziert worden
sind, auf Sicherheit: Immer wieder standen die
Entschädigungszahlungen in Frage - für die meisten der rund 550
Überlebenden des Blutskandals die Absicherung ihrer Existenz.
Nun hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe eine dauerhafte
Lösung angekündigt: Noch in dieser Legislaturperiode soll ein
Gesetzestext verabschiedet werden, der lebenslange
Entschädigungszahlungen garantiert. Die finanziellen Mittel, die
bislang anteilig von Bund, Ländern, involvierten Pharmafirmen und
Deutschem Roten Kreuz (DRK) aufgebracht wurden, sollen künftig allein
vom Bund zur Verfügung gestellt werden.
Als Verbände, die sich gemeinsam für die Rechte der Betroffenen
einsetzen, freuen wir uns, dass unsere hartnäckigen Bemühungen zum
Erfolg geführt haben. Auch wenn wir nach wie vor die Pharmaindustrie
sowie das DRK moralisch mit in der Verantwortung sehen, begrüßen wir
ausdrücklich die geplante Gesetzesänderung.
Gesundheitsschäden wachsen - Entschädigung geschrumpft
"Den Betroffenen fällt ein Stein vom Herzen", sagt Dr. Stefanie
Oestreicher, Vorstandsvorsitzende der Deutschen
Hämophiliegesellschaft (DHG). Auch die geplante Dynamisierung der
Leistungen ist erfreulich, es fehlt allerdings noch ein rückwirkender
Inflationsausgleich: "Seit Errichtung der Stiftung im Jahr 1995 ist
keine Erhöhung der Leistungen und somit auch kein Ausgleich des
Kaufkraftverlustes erfolgt. Der entstandene Gesundheitsschaden bleibt
und wird mit der Zeit immer größer - da ist es nicht tragbar, dass
die Entschädigung schrumpft!", erläutert Oestreicher.
Pharmafirmen stehen in der Pflicht
Auch die Deutsche AIDS-Hilfe (DAH) begrüßt die Lösung, die
Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe vorgelegt hat, um die
geschädigten Menschen endlich dauerhaft abzusichern. "Es muss nun
darum gehen, dass sich auch die verantwortlichen Pharmafirmen
dauerhaft mit einer angemessenen Summe an der Entschädigung
beteiligten", betont DAH-Vorstand Manuel Izdebski. "Moralische
Verantwortung verjährt nicht."
Das Bundesgesundheitsministerium verhandelt zurzeit über
freiwillige Zahlungen der im HIV-Bereich engagierten
Pharma-Unternehmen - bislang ohne konkretes Ergebnis. Die DAH hat die
Pharmafirmen bereits im letzten Jahr in einem offenen Brief
aufgefordert, ihrer historischen Verantwortung gerecht zu werden.
"Die Zahlungen der Pharmaindustrie könnten helfen, den ausstehenden
Inflationsausgleich aufzubringen", regt Izdebski an. "Es kann nicht
sein, dass der Steuerzahler alleine für die Zahlungen aufkommen
muss."
Betroffene werden immer wieder in die Opferrolle gedrängt
Auch der WEISSE RING, Deutschlands größte Hilfsorganisation für
Opfer von Kriminalität, fordert alle Verantwortlichen auf, zu ihren
Pflichten zu stehen, den Betroffenen langfristig zu helfen und
Entschädigungen dauerhaft und angemessen bereit zu stellen.
Betroffene seien nicht nur durch die Verabreichung verunreinigter
Blutprodukte zu Opfern geworden, sondern in den Folgejahren auch
immer wieder mit Diskriminierung in ihrem sozialen Umfeld
konfrontiert worden, zum Beispiel durch Arbeitskollegen, Bekannte
oder Freunde.
"Dies bringt zusätzlich zu den gesundheitlichen Schäden Leid über
die Betroffenen, und drängt sie immer wieder in die Opferrolle
hinein", sagt Bianca Biwer, Bundesgeschäftsführerin des WEISSEN
RINGS. "Damalige Akteure und heutige Verantwortliche stehen in der
Pflicht, die Opferperspektive einzunehmen - und das Leid der
Betroffenen auf diese Weise anzuerkennen."
Hepatitis-C-Betroffene ebenfalls entschädigen
Zum Welt-Hämophilie-Tag möchten die Deutsche
Hämophiliegesellschaft, die Deutsche AIDS-Hilfe und der WEISSE RING
zudem auf eine weitere Opfergruppe aufmerksam machen: diejenigen
Hämophilen (Bluter), die im Rahmen des Blutskandals mit dem
Hepatitis-C-Virus (HCV) infiziert wurden. Während die HIV-infizierten
Hämophilie-Patienten durch das HIV-Hilfegesetz entschädigt werden,
warten die ca. 2.000 HCV-infizierten Hämophilen trotz identischer
Infektionsursachen noch immer auf eine Entschädigung.
Die durch Versäumnisse von Staat und Pharmaindustrie mit HCV
infizierten Bluter müssen endlich ebenfalls entschädigt werden. Zwar
sind die neuen Medikamente zur HCV-Therapie hoch wirksam, doch die
bereits eingetretenen Langzeitschäden der Leber und andere
Begleiterkrankungen sind leider irreversibel - ganz zu schweigen von
dem durchgemachten Leid und den Einbußen in der Lebensqualität.
Mittlerweile sind durch HCV-Infektionen hervorgerufene
Lebererkrankungen die häufigste Todesursache bei Hämophilen in
Deutschland.
"So sehr wir uns über den Erfolg für die HIV-infizierten
Betroffenen freuen, so bitter ist es zugleich für uns, dass die
HCV-infizierten Hämophilen noch immer keinerlei Entschädigung
erhalten haben", so Oestreicher. "Wir werden uns weiter dafür stark
machen, dass auch diesen Opfern des Blutskandals endlich
Gerechtigkeit widerfährt!"
Berichterstattung über die geplante Gesetzesänderung auf dhg.de:
http://ots.de/xR4ky
Bericht auf aidshilfe.de: http://ots.de/ex0Dt
www.weisser-ring.de
Pressekontakt:
Deutsche Hämophiliegesellschaft
Dr. Anna Griesheimer
Tel.(040) 672 29 70
dhg@dhg.de
www.dhg.de
WEISSER RING
Anna Ferdinand
Tel. (06131) 83 03 0
presse@weisser-ring.de
www.weisser-ring.de
Deutsche AIDS-Hilfe
Holger Wicht
Pressesprecher
Tel. (030) 69 00 87 - 16
holger.wicht@dah.aidshilfe.de
www.aidshilfe.de
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Datum: 12.04.2017 - 11:09 Uhr
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