Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Debatte um Leitkultur Schlechtes Deutsch Thomas Seim

Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar:
Debatte um Leitkultur
Schlechtes Deutsch
Thomas Seim

ID: 1486295
(ots) - DDer Satz "Wir sind nicht Burka" ist schlechtes
Deutsch. Das ist nicht nur unter Germanisten keines Streits würdig.
Thomas de Maizière klingt ebenfalls nicht wirklich deutsch, auch wenn
viele französische Hugenotten dieses Namens schon vor vier
Jahrhunderten einwanderten. Gleichwohl wird man den
Bundesinnenminister mit Fug einen guten Deutschen nennen - und dies,
obwohl er der Versuchung nicht widerstanden hat, die unsägliche
Leitkultur-Debatte zu erneuern, an der vor 15 Jahren schon der
Christdemokrat Friedrich Merz scheiterte. Die Verunsicherung in der
Union muss riesig sein, wenn sie glaubt, dass diese Debatte für einen
Erfolg bei den bevorstehenden Wahlen notwendig wird. Insbesondere in
NRW reibt man sich - nicht nur, aber auch in der Union - verwundert
die Augen, dass der Spitzenkandidat der CDU nun an der Seite de
Maizières Prinzipien fordert, die über das Grundgesetz hinausgehen.
Noch voriges Jahr hatte Laschet umgekehrt über flüchtlingsfeindliche
Angriffe in Sachsen erklärt, die Integration mancher Deutscher in
unsere Leitkultur sei gescheitert. Ja, was denn nun? Da ist es
wohltuend, wenn der frühere CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz die
Debatte für überflüssig, vor allem aber für gefährlich hält. Denn, da
darf man Polenz zitieren: Das Grundgesetz ist die Leitkultur und
bildet den Rahmen für viele Kulturen. Das Grundgesetz gibt es schon,
dafür braucht es keine neue Debatte. Es sei denn, man will es stärker
national ausrichten. Man kann nur hoffen, dass das nicht der
Hintergrund des de-Maizière-Vorstoßes ist. Und dass das schlechte
Deutsch nicht das des Innenministers ist. Es erinnert an "Wir sind
Papst" bei der Wahl Benedikts XVI. Der aber ist nicht mehr im Amt. De
Mazière ist es noch.



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Datum: 02.05.2017 - 18:30 Uhr
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