Hunderte Euro Unterschied: Betreuung behinderter Kinder kostet in einigen Landkreisen deutlich mehr als in anderen
ID: 1489942
Kinder aufbringen müssen, ist in Norddeutschland stark vom Wohnort
abhängig. Dies haben Recherchen des NDR ergeben. Während manche
Landkreise bei den Hort-Gebühren keinen Unterschied zwischen
behinderten und nicht-behinderten Kindern machen, fallen in anderen
Kommunen zusätzliche Kosten von mehreren hundert Euro pro Monat an.
Der Sozialverband Deutschland kritisierte die uneinheitliche Handhabe
und forderte, bundesweit auf zusätzliche Kosten zu verzichten.
Nach den Recherchen der Radiosender NDR Info und NDR 1
Niedersachsen müssen Eltern behinderter Kinder beispielsweise in den
Landkreisen Cloppenburg und Emsland deutlich mehr für die
Hort-Betreuung zahlen als Eltern von Kindern ohne Handicap. Im Fall
einer Mutter aus Lingen betragen die Mehrkosten 550 Euro im Monat.
Die Kommunen berufen sich dabei auf das Sozialgesetzbuch. Demnach
haben behinderte Kinder einen gesetzlichen Anspruch auf die Übernahme
von Kosten, die durch Hilfen zur Schulbildung entstehen. Bei
Maßnahmen im Hort handelt es sich dem Landkreis Emsland zufolge
dagegen um so genannte "Leistungen zur Teilhabe am Leben in der
Gemeinschaft". An diesen Mehrkosten - zum Beispiel durch die
Bereitstellung eines gesonderten Integrationshelfers - könnten Eltern
laut Gesetz daher beteiligt werden. Der Landrat des Landkreises
Emsland, Reinhard Winter, sagte dazu dem NDR: "Der Landkreis Emsland
wird für die korrekte Ausführung von Gesetzen kritisiert."
In anderen Regionen in Niedersachsen fallen bei der Hortbetreuung
behinderter Kinder dagegen keine zusätzlichen Gebühren für die Eltern
an. So etwa in der Stadt Emden, im Landkreis Lüchow-Dannenberg, und
in der Region Hannover. In Hamburg wird ebenfalls kein Unterschied
zwischen einem Hort, in dem die Schulbildung und einem Hort, in dem
die Teilhabe im Vordergrund steht, gemacht. Schulbehörden-Sprecher
Peter Albrecht erklärte dem NDR, deshalb entstünden in Hamburg für
alle Eltern einheitliche Kosten bei der Betreuung ab 16 Uhr: "Je
nachdem wie viel Einkommen eine Familie hat, beteiligen wir sie
daran, aber es ist keine Differenzierung hinsichtlich der Frage, ob
man einen besonderen Förderbedarf für das Kind hat oder nicht."
Anders in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern: Hier
erklärten die Sozialministerien, das Sozialgesetzbuch erlaube auch
ihren Kommunen, Eltern behinderter Kinder in besonderem Maße an den
Betreuungskosten in bestimmten Horten zu beteiligen.
Der Sozialverband Deutschland kritisiert diese uneinheitliche
Handhabe. Die Landesgeschäftsführerin des Sozialverbandes Hamburg,
Karin Wöhrmann, sagte in jeder Form des Horts finde Bildung statt,
deshalb dürfe es dort auch grundsätzlich keine finanzielle
Mehrbelastung für Eltern behinderter Kinder geben. "Bildung kann sich
nicht nur auf schulische Bildung beziehen, sondern Bildung ist
letztlich auch Teilhabe an der Gesellschaft. Bildung ist
Sozialverhalten." Für Eltern behinderter Kinder dürfen nach Ansicht
von Wöhrmann bundesweit keine zusätzlichen Kosten für die Betreuung
ihrer Kinder in Hort-Einrichtungen entstehen. "Es führt natürlich
dazu, dass die Eltern sich überlegen, ob sie ihr behindertes Kind in
den Hort geben oder zuhause lassen. Das steht völlig dem Gedanken der
Inklusion entgegen", so Wöhrmann.
Das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Wissenschaft und
Gleichstellung in Schleswig-Holstein fordert in diesem Zusammenhang
ebenfalls Nachbesserungen im Sozialgesetzbuch. In einer Stellungnahme
erklärte Ministeriumssprecher Christian Kohl: "Die Länder haben sich
für eine bundesweit einheitliche Regelung eingesetzt - bislang wurde
dies in der Sozialgesetzgebung noch nicht aufgenommen.".
Pressekontakt:
Norddeutscher Rundfunk
Presse und Information
Ralph Coleman
Tel: 040-4156-2302
http://www.ndr.de
https://twitter.com/NDRpresse
Original-Content von: NDR Norddeutscher Rundfunk, übermittelt durch news aktuell
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 11.05.2017 - 01:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1489942
Anzahl Zeichen: 4433
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Hamburg
Kategorie:
Innenpolitik
Diese Pressemitteilung wurde bisher 598 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Hunderte Euro Unterschied: Betreuung behinderter Kinder kostet in einigen Landkreisen deutlich mehr als in anderen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
NDR Norddeutscher Rundfunk (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Täglich nutzen 6,13 Millionen Menschen die linearen Radioangebote des Norddeutschen Rundfunks bundesweit. Im Sendegebiet des NDR sind es 5,31 Millionen. Das ist das Ergebnis der Media-Analyse 2026 Audio II. Hohe Gewinne verzeichnet NDR 1 Radio MV und ist damit meistgehörtes Radioprogramm in Meckle
Drehstart für NDR „Nordlichter“-Film „Mama?“ mit Harriet Herbig-Matten und Ludger Bökelmann ...
Eine junge Mutter, die aus Sehnsucht nach Liebe ihre Kinder sich selbst überlässt, steht im Zentrum des neuen NDR „Nordlichter“-Kinofilms „Mama?“ (Arbeitstitel), der bis zum 14. August in Hamburg, Niedersachsen und Bremen entsteht. „Mama?“ erzählt von Tini (Harriet Herbig-Matten), e
Seele verkauft? - NDR Podcast „Wem gehört Wacken? Metal, Mythos, Millionen“ ab sofort in ARD Sounds ...
Riesige Bühnen, epische Schlammschlachten und eine einzigartige Festivalgemeinschaft: Das Wacken Open Air ist längst mehr als ein Musikfestival. Im neuen NDR Podcast „Wem gehört Wacken? Metal, Mythos, Millionen“ erzählt Journalistin Maja Bahtijarevi? ab dem 9. Juli 2026 in der ARD Audiothek
Weitere Mitteilungen von NDR Norddeutscher Rundfunk
Kölner Stadt-Anzeiger: Landwirtschaftsminister Schmidt: Schweinefleisch Teil "kultureller Vielfalt" ...
Kritik an "kleinstem gemeinsamem Nenner" in Schulküchen mit Rücksicht auf Muslime - Plädoyer für Wahlfreiheit im Speiseplan Köln. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hat sein Plädoyer für Schweinefleisch auf dem Speiseplan für Schulküchen als Beitrag zum Erh
Kölner Stadt-Anzeiger: Agrarminister Schmidt will Schreddern von Küken ab Sommer beenden "Einstieg in den Ausstieg" mit Praxistest der Spektralanalyse ...
Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) will das millionenfache Schreddern männlicher Hühnerküken ab Sommer beenden. Ein Praxistest für die Spektroskopie-Technologie, die Eier mit Hilfe eines Lasers darauf prüft, ob ein männliches oder weibliches Küken schlüpfen würde, sei
Kölner Stadt-Anzeiger: Kölner Kriminologe kritisiert Gesetzesverschärfung bei Einbruch Frank Neubacher: Potenzielle Täter kennen Strafmaß doch gar nicht Jurist sieht das Recht als Verfügungsmass ...
Der Kriminologe Frank Neubacher hält die die geplante Gesetzesverschärfung bei Einbruch für falsch. "Viele potenzielle Täter kennen das Strafmaß doch gar nicht", sagte der Direktor des Instituts für Kriminologie an der Universität zu Köln dem "Kölner Stadt-Anzeiger Donner
Westfalen-Blatt: zur NRW-Wahl ...
Wem bislang nicht klar war, wie wichtig die Landtagswahl am kommenden Sonntag ist, der weiß es jetzt. Selten zuvor, wahrscheinlich noch nie, haben die Parteien so nervös agiert wie in dieser Woche - allen voran die SPD. Das ist kein Wunder: In Nordrhein-Westfalen entscheidet sich nichts wenige




