neues deutschland: Kommentiert: Die Insolvenz von Locomore
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aufs Gleis gesetzte Privatbahn Locomore schon in die Insolvenz
geraten ist und seit Freitagmittag in Berlin-Lichtenberg vorläufig
ihren Betrieb eingestellt hat, kann nur bahnferne Beobachter
überraschen. Schließlich ist dies nicht der erste ausgebremste
Versuch privater Anbieter, der Deutschen Bahn im Schienenverkehr
bescheidene Marktanteile abzujagen. Trotz durchaus pfiffiger Ideen
der erfahrenen Locomore-Macher und trotz des Wohlwollens geduldiger
Kunden und Gönner im Rahmen der Crowdfunding-Finanzierung erweist
sich hier einmal mehr, dass der eigenwirtschaftliche
Personenfernverkehr sehr langfristig angelegt ist und nicht für
kurzatmige Projekte oder raschen Renditedruck taugt. Locomore setzte
auf Sparsamkeit und suchte für seinen Patchworkzug mit einer Lok und
weniger als einem Dutzend Personenwagen notgedrungen die billigsten
Anbieter aus. Der für September angekündigte Betriebsstart fand erst
im Dezember statt. Weil längst nicht alles rund lief, wurde schon
wenige Wochen später der Fahrplan mit einem täglichen Zugpaar
zwischen Stuttgart und Berlin wieder ausgedünnt. Ob sich jetzt ein
herbeigesehnter Investor erbarmt und bei Locomore einkauft, bleibt
abzuwarten. Segen wird es nicht bringen. Die Eisenbahn ist ein
ganzheitliches System, das am besten einheitlich, in öffentlicher
Hand und unter transparenter, demokratischer Kontrolle funktioniert.
Rosinenpickerei und Renditestreben sind damit unvereinbar.
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Datum: 12.05.2017 - 17:23 Uhr
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