Die Blockade einer Vision
ID: 1494274
- Zehn Jahre Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt:
Naturschutzverbände kritisieren in Analyse Blockadepolitik
- Mangelhafte Umsetzung bedroht Natur in Deutschland: Viele
Schutzgebiete durch Missmanagement in "miserablem Zustand"
Vor zehn Jahren wurde die Nationale Strategie zur biologischen
Vielfalt vom Bundeskabinett unter Bundeskanzlerin Angela Merkel
verabschiedet. Ziel ist es, den Schwund an Arten und Lebensräumen in
Deutschland aufzuhalten. Anlässlich des Jubiläums loben die
Umweltverbände BUND, Deutsche Umwelthilfe (DUH), NABU, WWF und der
Dachverband DNR die Strategie als ambitionierte und visionäre
Zielvorgabe, warnen jedoch eindringlich vor einem Scheitern bei der
Umsetzung. Eines der größten Probleme stellt demnach die Blockade der
Anstrengungen des Bundesumweltministeriums durch andere Ressorts der
Bundesregierung dar. Aber auch auf Ebene einzelner Bundesländer und
Kommunen würde die nationale Strategie durch massives Störfeuer immer
wieder konterkariert. In einer gemeinsamen Analyse kommen die
Verbände zu dem Schluss, dass sich der Zustand der biologischen
Vielfalt in den vergangenen zehn Jahren nicht etwa verbessert,
sondern sogar verschlechtert habe. Der Schwund an Arten und
Lebensräumen hält laut dem Papier ungebremst an.
Viele deutsche Schutzgebiete sind demnach durch jahrelanges
Missmanagement in einem katastrophalen Zustand. Die
Meeresschutzgebiete würden durch nicht nachhaltige Fischerei
weiterhin ausgebeutet und geplündert, die schädliche Intensivierung
der konventionellen Landwirtschaft lasse ganze Landstriche ökologisch
veröden. Die Populationen von Insekten und Singvögeln sind in Folge
dessen dramatisch eingebrochen. Auch beim Waldschutz hinkt die
Bundesregierung der Analyse zufolge hinterher. Ziel ist es, bis 2020
auf gerade einmal fünf Prozent der deutschen Waldflächen eine
natürliche Entwicklung zuzulassen. Bisher dürfen sich allerdings nur
zwei Prozent der Wälder zu "Urwäldern von morgen" entwickeln.
Die selbstgesteckten Ziele der Bundesregierung zum Schutz der
biologischen Vielfalt in Deutschland können nach einhelliger
Einschätzung von BUND, DNR, DUH, NABU und WWF bis 2020 nur noch
erreicht werden, wenn massiv umgesteuert wird. Das Papier der
Umweltverbände beinhaltet daher auch einen 10-Punkte-Plan mit
entsprechenden Sofortmaßnahmen, die ein Scheitern der Strategie
abwenden sollen.
BUND-Vorsitzender Hubert Weiger: "Viele deutsche Schutzgebiete
sind in einem miserablen Zustand. Der Verlust an Arten und
Lebensräumen ist nur noch zu stoppen, wenn Schutzgebiete ausgebaut
und Lücken zwischen Naturräumen geschlossen werden. Mindestens
200.000 Hektar naturnahe Lebensräume müssen in den ländlichen
Regionen neu geschaffen und vor den Folgen industrieller
Landwirtschaft und vor Versiegelung bewahrt werden. Es ist höchste
Zeit für einen Bundesnetzplan Biotopverbund."
DNR-Präsident Kai Niebert: "Was 2007 als Regierungsstrategie
vorgestellt und vom Bundeskabinett verabschiedet wurde, wird
lediglich im Bundesumweltministerium ernst genommen. Eine
ressortübergreifende Befassung mit den Herausforderungen der
biologischen Vielfalt blieb aus. Soll die Strategie nicht scheitern,
muss Naturschutz zur Querschnittsaufgabe aller Politikbereiche
werden."
Sascha Müller-Kraenner, DUH-Bundesgeschäftsführer: "Deutschland
tritt international als Anwalt der globalen Ökosysteme auf, aber
zuhause fehlt schlicht der ernsthafte Wille, wenn es um den Schutz
unserer Ökosysteme geht. So fehlen für Nord- und Ostsee selbst in
Schutzgebieten klare Vorgaben und Verbote. Null-Nutzungszonen und
naturverträgliche Fischerei müssen endlich Realität werden."
NABU-Präsident Olaf Tschimpke: "Ein Haupttreiber des Artenschwunds
in Deutschland ist die industrielle Landwirtschaft. Insekten und
Vögeln fehlt die Nahrung, weil kein Platz ist für Hecken, Sträucher
und Wildblumen. Die Strukturvielfalt muss erhöht und der Einsatz von
Pestiziden massiv gesenkt werden. Wir wollen die Landwirte bei ihrem
Engagement unterstützen und für ihre Naturschutzleistungen bezahlen.
Pauschale Flächenprämien sollen der Vergangenheit angehören.
Voraussetzung dafür ist eine grundlegende Reform der
EU-Agrarpolitik."
Diana Pretzell, Leiterin Naturschutz Deutschland beim WWF: "Die
finanzielle Ausstattung ist völlig ungenügend. Auf EU-Ebene muss sich
die Bundesregierung für die Einrichtung eines EU-Naturschutzfonds
nach 2020 einsetzen. So bräuchten wir allein 1,4 Milliarden Euro
jährlich zur Umsetzung der EU-Naturschutzrichtlinien nur in
Deutschland. Beim Bau und der Unterhaltung von Bundesfernstraßen muss
die Bundesregierung Verantwortung übernehmen und mindestens ein
Prozent der Investitionen für die Vernetzung der zerschnittenen
Lebensräume zur Verfügung stellen. Und der eigentliche Topf der
Strategie, das Bundesprogramm biologische Vielfalt, muss auf
mindestens 50 Mio. Euro pro Jahr erhöht werden. Nur so hat die
Strategie eine Chance, erfolgreich umgesetzt zu werden."
Pressekontakt:
Roland Gramling, WWF Deutschland, Pressestelle, Tel. 030-311 777 425,
roland.gramlin@wwf.de
Analyse zum Download: www.wwf.de/presse
Für Rückfragen:
Magnus Wessel, BUND-Naturschutzexperte, Tel. 030-27586-543, Mobil:
0160-93721830, E-Mail: Magnus.Wessel@bund.net
Florian Schöne, DNR-Generalsekretär, Tel. 030-6781775-99,
florian.schoene@dnr.de
Ulrich Stöcker, DUH-Leiter Naturschutz und Biodiversität, Tel.
030-2400867-13, Mobil: 0160/8950556, E-Mail: stoecker@duh.de
Till Hopf, NABU-Leiter Naturschutz und Landnutzung, Tel.
030-284984-1618, Mobil: 0172-9422694, Till.Hopf@NABU.de
Albert Wotke, Referent Naturschutz Deutschland WWF, Tel. 030-311 777
279, Mobil: 0160-53 21 050, E-Mail: Albert.Wotke@wwf.de
Original-Content von: WWF World Wide Fund For Nature, übermittelt durch news aktuell
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 30.05.2017 - 10:09 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1494274
Anzahl Zeichen: 6576
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Berlin
Kategorie:
Umwelttechnologien
Diese Pressemitteilung wurde bisher 247 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Die Blockade einer Vision"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
WWF World Wide Fund For Nature (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Die Zukunft gehört den Unternehmen, die heute handeln. Immer mehr Vorreiter der Wirtschaft zeigen, dass nachhaltige Transformation kein Risiko, sondern eine Investition in Resilienz, Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftssicherheit ist. In einer Zeit, in der die Dynamik rund um Nachhaltigkeit abnimmt,
Schenken und dabei Gutes tun / WWF gibt Tipps für nachhaltige Weihnachtsgeschenke ...
In der Weihnachtszeit wollen wir unseren Liebsten eine besondere Freude bereiten. Dabei können wir gleichzeitig etwas Gutes für unseren Planeten tun. Die Umweltschutzorganisation WWF hat dazu die passenden Geschenke: Mit einer Patenschaft oder Naturschutzurkunde verschenkt man aktiven Naturschut
Kartenset "Make it circular!" - Zirkuläre Geschäftsmodelle spielerisch kennenlernen / Strategiespiel zu Circular Economy von acatech und WWF Deutschland ...
Wie starten mittelständische Unternehmen erfolgreich in die Kreislaufwirtschaft? Diese Frage stellen sich viele auf dem Weg zur Klimaneutralität bis spätestens 2045 und angesichts der Übernutzung der natürlichen Ressourcen. Dafür spielt der Übergang von einer linearen Wirtschaft zu einer ec
Weitere Mitteilungen von WWF World Wide Fund For Nature
Meeresforschung mit Win-win-Ansatz - CSHOR wird in Betrieb genommen ...
Am 22. Mai 2017 fand in Australien die Einweihung des International Center for Southern Hemisphere Oceans Research (CSHOR), das in Zusammenarbeit zwischen dem Qingdao National Laboratory for Marine Science and Technology (QNLM) und der Australian Commonwealth Scientific and Industrial Research
Fischottern droht der Verkehrstod ...
Anlässlich des "Welt-Otter-Tages" am 31.05.2017 macht die Deutsche Umwelthilfe (DUH) auf Schutzmaßnahmen für den Wassermarder aufmerksam - DUH baut Brücken insbesondere in Thüringen ottergerecht um - Weitere Baumaßnahmen bundesweit angestrebt Der Fischotter breitet sich lan
Zukunft Erde: Nachhaltigkeitswoche bei "Volle Kanne" im ZDF (FOTO) ...
Zukunft Erde: Mit Blick auf die "Europäische Nachhaltigkeitswoche" und die deutschen "Aktionstage Nachhaltigkeit" dreht sich im ZDF-Magazin "Volle Kanne - Service täglich" eine Woche lang alles um Ressourcen-Schonung und nachhaltigen Konsum. Von Montag, 29. Mai
Erlebe dein blaues Wunder - Baden in der Ruhr nach 46 Jahren wieder möglich / Grüne Hauptstadt Europas - Essen 2017 eröffnet europaweit erste Badestelle an einem ehemaligen Industriefluss (FOTO) ...
Über vierzig Jahre mussten die Essener Bürgerinnen und Bürger auf das Baden in "ihrer" Ruhr verzichten. Jetzt hat das Warten endlich ein Ende: Zahlreiche Gäste besuchten heute die offizielle Eröffnung der Badestelle am Baldeneysee. Nach dem Startschuss von Thomas Kufen, Oberbü




