Weser-Kurier: Kommentar von Markus Petersüber Inklusion

Weser-Kurier: Kommentar von Markus Petersüber Inklusion

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(ots) - Bremens Bürgermeister Carsten Sieling hat es jetzt
auch erkannt: Die Inklusion ist kein Selbstläufer und wird nur schwer
zu stemmen sein. Ob bei dieser Erkenntnis die Ergebnisse der
Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen eine
Rolle gespielt haben, ist reine Spekulation. Dennoch ist es kein
Ausweg, als Eingeständnis des bisherigen Scheiterns den langfristigen
Erhalt der Förderschulen - wie es zum Beispiel die AfD will - zu
fordern. Denn Deutschland hat sich immerhin in einer UN-Konvention
dazu bekannt, das gemeinsame Lernen von behinderten und nicht
behinderten Kindern zu ermöglichen.

Da hinkt die Bundesrepublik bisher weit hinterher. In kaum einem
anderen Land der Welt wurden in der Vergangenheit Behinderte so
leichtfertig in Förderschulen abgeschoben wie hier. Nur knapp ein
Drittel aller behinderten Kinder besucht zwischen Füssen und
Flensburg eine Regelschule. In anderen europäischen Ländern ist das
anders. Italien zum Beispiel - inspiriert durch die Pädagogik von
Maria Montessori - kommt seit vierzig Jahren fast komplett ohne
Förderschulen aus.

Inklusion ist richtig und wichtig. Sie wird aber nicht zum
Nulltarif zu haben sein. Wer sich wie die Bundesrepublik dem
gemeinsamen Lernen verpflichtet hat, der muss auch die Konsequenzen
ziehen und die Schulen entsprechend ausstatten: räumlich und
personell. Es ist ein Hohn, dass laut einer aktuellen Umfrage nur 16
Prozent der Lehrer ihre Schule als barrierefrei bezeichnen. Selbst
für die einfachste Form der Inklusion, dem gemeinsamen Unterricht mit
körperbehinderten Kindern, sind die Voraussetzungen längst noch nicht
geschaffen. Inklusion ist kein Sparprogramm. Sie benötigt noch für
Generationen hohe Investitionen in die Schulen. Doch am Ende werden
alle davon profitieren: sowohl die behinderten als auch die nicht


behinderten Kinder.



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Datum: 01.06.2017 - 20:11 Uhr
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