Zweck verfehlt, bald abgeschafft: Mietpreisbremse in Mehrzahl der NRW-Städte ohne Wirkung
ID: 1502598
Einführung der Mietpreisbremse stärker als zuvor. Analyse von
immowelt.de zeigt: Düsseldorf verbucht Mietplus von 11 Prozent /
Zielgerichteter Neubau hilft: Rückgang des Preisanstiegs auf moderate
3 Prozent in Köln / 2 Jahre ohne Erfolg sind genug: künftige
Landesregierung will Mietpreisbremse abschaffen
Eine Auswertung von immowelt.de zeigt: Seit ihrer Einführung am 1.
Juli 2015 sind die Mieten in 13 von 22 NRW-Städten mit
Mietpreisbremse stärker gestiegen als in den 2 Jahren zuvor. Während
sich die Mieten in einigen Städten auf hohem Niveau einpendeln, ist
die Lage andernorts noch angespannter als vor der Mietpreisbremse.
Fortschritte sind nur dort erkennbar, wo systematisch der Neubau
unterstützt wird. Die neue Regierungskoalition von
Nordrhein-Westfalen betrachtet die Mietpreisbremse als wirkungslos
und sogar als Hemmnis für private Investitionen. Deshalb soll die
Verordnung nach 2 erfolglosen Jahren wieder verschwinden.
Düsseldorf: immer mehr Menschen, immer höhere Mieten
In Düsseldorf sind die Mieten seit Inkrafttreten der
Mietpreisbremse um 11 Prozent auf 9,90 Euro je Quadratmeter
gestiegen. Zwischen 2013 und 2015 lag die Steigerungsrate hier noch
bei 2 Prozent. Die Stadt wächst immer weiter, für 2030 wird ein
Zuwachs von 30.000 Einwohnern auf dann 660.000 prognostiziert.
Stadtforscher sehen die Kapazitätsgrenzen bereits jetzt erreicht. Ein
stark angespannter Wohnungsmarkt wie Düsseldorf, der auch unter dem
Mangel an Bauplätzen leidet, macht die Errichtung bezahlbaren
Wohnraums zu einer enormen Herausforderung. Die Stadt reagiert seit
dem Wechsel im Oberbürgermeisteramt 2015 mit einem Handlungskonzept
namens "Zukunft Wohnen.Düsseldorf". Bis dieses greift und zur
Entspannung auf dem Mietmarkt beiträgt, wird wahrscheinlich noch
etwas Zeit vergehen.
Beruhigter Wohnungsmarkt in Köln
Wie gut es funktionieren kann, wenn eine Stadt gezielt eingreift
und den Neubau fördert, zeigt Köln. Die Domstadt hat den
explodierenden Mieten bereits 2014 den Kampf angesagt, als das
"Stadtentwicklungskonzept Wohnen" beschlossen wurde. Seitdem
entstehen jedes Jahr 3.400 neue Wohnungen. Die Mietpreise in Köln
steigen zwar weiter, jedoch in den vergangenen 2 Jahren nur noch um 3
Prozent auf 10,30 Euro pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Zwischen 2013
und 2015 - also vor Einführung der Mietpreisbremse - verzeichnete
Köln noch eine Preissteigerung von 10 Prozent. Trotz dieser positiven
Wendung bleibt Köln die teuerste NRW-Stadt mit Mietpreisbremse im 1.
Quartal 2017.
Ob die Mietpreisbremse in den deutschen Millionenstädten greift,
lesen Sie hier: http://ots.de/1V5kS
NRW markiert nur den Anfang vom Ende der Mietpreisbremse
Die Politik verliert langsam selbst den Glauben an ihr Instrument
zur Sicherung stabiler Mieten. Die ersten Bundesländer verabschieden
sich von der Mietpreisbremse. Neben Nordrhein-Westfalen will auch die
neue Jamaika-Koalition in Schleswig-Holstein die Mietpreisbremse
abschaffen. Das kündigen CDU, Grüne und FDP in ihrem
Koalitionsvertrag an. Auch in Bayern ist die Zahl der Gemeinden mit
Mietpreisbremse bereits gesunken. Seit ihrer Einführung wurde sie
bereits in 16 der ursprünglich 144 Gemeinden abgeschafft und im
Gegenzug nur 4 Mal neu eingeführt. Selbst die Justiz demonstriert
ihre Zweifel. Erst im März wies das Amtsgericht Altona die Klage
eines Mieters ab. Der Richter bemängelte das Fehlen einer
ausreichenden Begründung der Mietpreisbremse.
Hintergrundinformationen zur Mietpreisbremse
Seit dem 1. Juni 2015 können die Länder für Gebiete mit
angespanntem Wohnungsmarkt die Mietpreisbremse verhängen. Bei
Wiedervermietung von Bestandsimmobilien darf die Miete höchstens auf
das Niveau der ortsüblichen Vergleichsmiete zuzüglich 10 Prozent
angehoben werden. Allerdings gibt es Ausnahmen: Neubauten sowie
umfassend sanierte Wohnungen sind ausgenommen. Außerdem gilt ein
Bestandsschutz: Kein Vermieter muss die Miete senken - auch nicht,
wenn er die Wohnung neu vermietet. Aktuell gilt das Gesetz in 313
Städten und Gemeinden.
Stadt Q1/2013 Q1/2015 Q1/2017 Q1/2013 Q1/2015
- -
Q1/2015 Q1/2017
Aachen 7,90 EUR/m² 8,30 EUR/m² 8,50 EUR/m² 5 % 2 %
Bielefeld 5,80 EUR/m² 6,20 EUR/m² 6,60 EUR/m² 7 % 6 %
Bocholt 6,00 EUR/m² 6,30 EUR/m² 6,20 EUR/m² 5 % -2 %
Bonn 8,50 EUR/m² 8,90 EUR/m² 9,20 EUR/m² 5 % 3 %
Brühl 7,60 EUR/m² 7,90 EUR/m² 8,50 EUR/m² 4 % 8 %
Düsseldorf 8,70 EUR/m² 8,90 EUR/m² 9,90 EUR/m² 2 % 11 %
Erkrath 6,50 EUR/m² 6,90 EUR/m² 7,50 EUR/m² 6 % 9 %
Frechen 7,40 EUR/m² 7,90 EUR/m² 8,80 EUR/m² 7 % 11 %
Hürth 8,00 EUR/m² 8,40 EUR/m² 9,00 EUR/m² 5 % 7 %
Kleve 6,10 EUR/m² 6,30 EUR/m² 6,70 EUR/m² 3 % 6 %
Köln 9,10 EUR/m² 10,00 EUR/m² 10,30 EUR/m² 10 % 3 %
Langenfeld 7,50 EUR/m² 7,80 EUR/m² 8,50 EUR/m² 4 % 9 %
Leverkusen 6,70 EUR/m² 7,20 EUR/m² 7,20 EUR/m² 7 % 0 %
Meerbusch 8,20 EUR/m² 8,40 EUR/m² 9,00 EUR/m² 2 % 7 %
Monheim 5,60 EUR/m² 5,50 EUR/m² 6,40 EUR/m² -2 % 16 %
am Rhein
Münster 8,40 EUR/m² 8,70 EUR/m² 9,00 EUR/m² 4 % 3 %
Neuss 7,00 EUR/m² 7,20 EUR/m² 7,80 EUR/m² 3 % 8 %
Paderborn 6,10 EUR/m² 6,90 EUR/m² 7,10 EUR/m² 13 % 3 %
Ratingen 7,60 EUR/m² 7,70 EUR/m² 8,40 EUR/m² 1 % 9 %
Siegburg 6,90 EUR/m² 7,10 EUR/m² 7,80 EUR/m² 3 % 10 %
St.Augustin 6,80 EUR/m² 7,50 EUR/m² 7,70 EUR/m² 10 % 3 %
Troisdorf 6,70 EUR/m² 6,90 EUR/m² 7,80 EUR/m² 3 % 13 %
Weitere Hintergrundinfos zur Mietpreisbremse können Sie hier
nachlesen: https://ratgeber.immowelt.de/mietpreisbremse.html
Berechnungsgrundlage
Datenbasis für die Berechnung der Mietpreise in den 22 NRW-Städten
waren 28.660 Mietwohnungen und -häuser, die jeweils im 1. Quartal
2013, 2015 und 2017 auf immowelt.de inseriert wurden. Die Mietpreise
spiegeln den Median der Nettokaltmieten bei Neuvermietung wider.
Ausführliche Ergebnisgrafiken stehen hier zum Download bereit:
http://ots.de/ubk5s
Über immowelt.de:
Das Immobilienportal www.immowelt.de ist einer der führenden
Online-Marktplätze für Wohnungen, Häuser und Gewerbeimmobilien.
Gemeinsam mit immonet.de verzeichnet das Immobilienportal eine
Reichweite von monatlich 47 Millionen Visits*. Immowelt.de ist ein
Portal der Immowelt Group, die mit bauen.de, umzugsauktion.de und
ferienwohnung.com weitere reichweitenstarke Portale betreibt. Zweites
Hauptgeschäftsfeld ist die Entwicklung von Softwarelösungen für die
Immobilienbranche. * Google Analytics; Stand: Januar 2017
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90411 Nürnberg
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Datum: 22.06.2017 - 10:09 Uhr
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