Börsen-Zeitung: Aktionismus-Plan,
Kommentar zum Umgang der EU mit faulen Krediten von Bernd Wittkowski
ID: 1508442
Schiffe finanziert haben, ist die Position Risikovorsorge längst zum
Gewinnbringer geworden. Sie verdienen Geld, indem sie dank einer
vorsichtigen Kreditvergabe in der Vergangenheit und der hohen Bonität
ihrer Kunden Wertberichtigungen auflösen (müssen). EU-weit ächzen die
Banken derweil unter einer Last von 1 Bill. Euro an faulen Krediten.
In Italien zum Beispiel soll jeder sechste Euro im Feuer stehen.
Dieses Kontrastprogramm ist ebenso erstaunlich wie manches Detail
des Aktionsplans zum Umgang mit Non-Performing Loans (NPL), den
Europas Finanzminister ausgeheckt haben. Lässt das Papier doch den
Schluss zu, dass es im Jahr 3 der Bankenunion immer noch irgendwelche
Daten der mit Tausenden Anfragen malträtierten Kreditwirtschaft geben
soll, die EZB, European Banking Authority (EBA) und nationale
Aufseher in ihren ziemlich flächendeckenden Prüfungen bisher nicht
erhoben und allen zuständigen Stellen bereitgestellt haben - obwohl
die Institute zuweilen schon bei einer einzelnen Untersuchung eine
vierstellige Zahl von Datenfeldern auszufüllen haben. Und die
Meldepflicht für die Kreditdatenbank Anacredit kommt ja 2018 erst
noch obendrauf.
Der Aktionsplan ist sicher ebenso gut gemeint wie die Vorstöße der
EZB oder der Regulierungsbehörde EBA in Sachen NPL, aber er wirkt in
weiten Teilen doch wie ein Aktionismus-Plan. Wie wäre es, wenn alle
Beteiligten, neben den Aufsichtsinstanzen namentlich die nationalen
Regierungen und nicht zuletzt die Banken selbst, einfach ihre
Hausaufgaben machten? Die Informationen über das Exposure der Banken
sind verfügbar, das Instrumentarium der Behörden, gegebenenfalls auch
individuell die Daumenschrauben anzuziehen, ist vorhanden.
Und man muss das Rad doch nicht immer wieder neu erfinden. So soll
unter Federführung der EU-Kommission eine Blaupause für den möglichen
Aufbau nationaler Vermögensverwaltungsgesellschaften, vulgo: Bad
Banks, entwickelt werden, um die faulen Assets zu verwerten. Aber der
Verkauf von NPL-Portfolien ist seit Urzeiten ein Kernelement der
Banksteuerung und die aus Investorensicht als überaus attraktiv
geltende Assetklasse NPL seit mehr als einem Jahrzehnt etabliert.
Sicher: Dieser Markt ist nicht der transparenteste. Doch das dient
hier wohl eher der Wahrheitsfindung als ein offener Börsenhandel.
Noch ein kostenloser Tipp für die Minister: Die Forderungen der
Banken haben eine Gegenposition - die Schulden der Kreditnehmer,
nicht zuletzt der Staaten. Eine solidere Finanzpolitik würde auch den
Banken helfen.
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Datum: 06.07.2017 - 20:40 Uhr
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