Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Kartellverdacht gegen deutsche Automobilkonzerne
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leid tun? Da wirbt er scheinbar händeringend um mehr Sachlichkeit und
Ausgewogenheit in der Diskussion um Dieselmotoren. Und da versucht er
in Barcelona, durch eine bombastische Show bei der Einführung des
neuen Audi A8 endlich mal wieder positiv von sich reden zu machen.
Doch kaum zurück, braut sich über dem Volkswagen-Konzern ein Gewitter
zusammen, das die bisherigen Unwetter noch in den Schatten stellen
kann. Wenn das Kartellamt am Ende bestätigt, was am Freitag bekannt
geworden ist, dann haben sich die Großen der deutschen
Automobilindustrie - Daimler, BMW und VW mit Audi und Porsche -
jahrelang in zig Arbeitskreisen abgesprochen. Hunderte von
Mitarbeiter sollen daran beteiligt gewesen sein, selbst
Technikdetails so zu regeln, dass alle sparen. Dem »Spiegel« zufolge,
der nach eigenen Angaben Erkenntnisse über Selbstanzeigen von
Volkswagen und Daimler besitzt, haben sich die Konzerne auch über
Kosten und Lieferanten abgestimmt. In diesem Fall handelt es sich
vermutlich um eines der größten Kartells in der neueren deutschen
Wirtschaftsgeschichte. Um so bedauerlicher ist es, dass sich das
Kartellamt inhaltlich so gar nicht äußern will. Richtig ist: Es
handelt sich um ein »laufendes Verfahren«. Gleichwohl gibt es
Situationen, wo Verschwiegenheit angesichts der möglichen
Schadenshöhe für Aktionäre, Lieferanten, Kunden und Mitarbeiter fehl
am Platze ist. Zu den Leidtragenden von Kartellabsprachen gehören die
Kunden. Der Schaden, den ihre Klagen möglicherweise hervorrufen,
könnte die Kartellstrafe weit übertreffen. Ob Zulieferer ihr
Klagerecht wahrnehmen, ist zu bezweifeln. Aber sie werden versuchen,
dieses Faustpfand bei den Verhandlungen mit den Herstellern
einzubringen. Nur die Umwelt, die durch die Absprachen bei der
Dieseltechnologie gegebenenfalls besonders litt, besitzt kein
Klagerecht. Der größte Langzeitschaden droht der deutschen
Autoindustrie, wenn ihr Ruf weiter Schaden nimmt. Gerade Fahrzeuge in
der Luxusklasse werden auch über Image verkauft. Das Ausmaß dieses
Schadens ist kaum zu prognostizieren. Klar ist aber, dass
Riesenspektakel wie das für den neuen A8 nicht ausreichen werden, um
ihn wieder glatt zu bügeln. Matthias Müller muss einem nicht leid
tun. Er war, bevor er 2015 Martin Winterkorn an der Konzernspitze
ablöste, stets in Ingolstadt oder Wolfsburg in leitender Stellung.
Was er wusste und wovon Politiker - insbesondere jene, die bei VW im
Aufsichtsrat sitzen, Kenntnis hatten - wird allerdings erst in der
zweiten Runde geklärt werden können. Zunächst geht es darum, ob die
Kartellvorwürfe insgesamt stimmen. Wenn ja, dann haben angesichts der
Bedeutung der Industrie für die deutsche Wirtschaft nicht nur die
Autohersteller ein großes Problem.
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Datum: 21.07.2017 - 21:00 Uhr
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