Lausitzer Rundschau: Mach mir den Kretschmann
Zum Berliner Diesel-Gipfel
ID: 1517076
lebt in einem Traumland, in dem die Politik die Bedingungen für die
Industrie diktiert, ohne besondere Rücksichtnahme. Das geschieht im
Industrieland Deutschland ohnehin selten - siehe Kohleverstromung,
Agrarwirtschaft oder Chemie. Und in der Automobilbranche erst recht
nicht. Unter diesen Umständen konnte gestern nicht mehr herauskommen
als herausgekommen ist. Schon gar nicht mitten im Wahlkampf. Mach mir
den Kretschmann, so lässt sich das Ergebnis des Treffens
zusammenfassen. Man schützt die Bürger. Aber doch nicht so, dass es
der Industrie wirklich weh tut. Immerhin, "mach mir den Dobrindt" war
nicht das Ergebnis. Das hätte geheißen: beide Augen zu. Doch die
Hersteller haben es mit der Mogelei so übertrieben, dass dieser Weg
versperrt war. Es kommen nun Software-Updates auf Kosten der
Konzerne, eine billige Variante, die den Stickoxidausstoß etwas
verringert, das Problem aber nicht substanziell löst. Das hätte nur
der verpflichtende Umbau zu Euro-6-Fahrzeugen erreicht. Der Rest der
Beschlüsse ist Kosmetik. Doch wird sich dieser Ausgang des Gipfels
für die Firmen noch als ein Pyrrhussieg erweisen. Die drohenden
Fahrverbote sind damit nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Wenn die
Stickoxidwerte nicht bald merklich sinken, werden die Gerichte
Anwohnerklagen recht geben und Straßen schließen. Und dann kommt das
ganze Dieselthema zurück. Um die Wiederverkaufswerte der Fahrzeuge
und die Aktienkurse für den Moment zu stabilisieren, mögen die
gestrigen Beschlüsse reichen. Aber es wird gerade eine große Chance
vertan. Die zu einer umfassenden Verkehrswende. Nicht mit einem Ruck.
Aber im Grundsatz. Man spürt, dass die Zeit dafür reif ist. Hinzu
kommt: Das alte politisch-industrielle Kartell, das diese Wende
bisher blockiert, hat gerade viel Legitimation eingebüßt. Eine
einmalige Gelegenheit. Das sind die gleichen Voraussetzungen wie bei
der Energiewende nach Fukushima. Zum einen geht es um die Ablösung
des Verbrennungsmotors, dessen Tage gezählt sind. Die Technologie
dafür ist da, ob Elektro, Brennstoffzelle oder Hybrid. Sie wartet auf
starke Impulse, sei es durch Förderung, sei es durch (sanften) Zwang.
Das wäre eine vorausschauende Industriepolitik. Es geht zugleich um
eine neue Mobilität insgesamt. Die Bürger wissen oder ahnen, dass
Megastaus, Lärm und immer breitere Straßen nicht die Zukunft sein
können, egal womit die Motoren laufen. Notwendig sind vernetzte
Strukturen aus Individual- und öffentlichem Verkehr, aus
motorisierter und nicht motorisierter Fortbewegung. Also ein neues
Denken, dem die Rahmenbedingungen entsprechen müssen, von den
richtigen steuerlichen Anreizen bis zu Grenzwerten, von der
Straßenverkehrsordnung bis zu Investitionsprogrammen. Aber Zukunft
stand verkehrspolitisch noch nie auf der To-Do-Liste der scheidenden
Bundesregierung. Auch nicht gestern beim Diesel-Gipfel.
Pressekontakt:
Lausitzer Rundschau
Telefon: 0355/481232
Fax: 0355/481275
politik@lr-online.de
Original-Content von: Lausitzer Rundschau, übermittelt durch news aktuell
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 02.08.2017 - 22:37 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1517076
Anzahl Zeichen: 3433
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Cottbus
Kategorie:
Innenpolitik
Diese Pressemitteilung wurde bisher 397 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Lausitzer Rundschau: Mach mir den Kretschmann
Zum Berliner Diesel-Gipfel"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Lausitzer Rundschau (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Es ist übertrieben, Restaurantbesuche in der Corona-Pandemie noch stärker zu beschränken - indem wie jetzt in Sachsen und Brandenburg Geimpfte und Genesene zusätzlich einen negativen Schnelltest vorweisen müssen. 2G plus bevorzugt die Geboosterten vor jenen Erwachsenen beim Essen gehen, die
Fehlende Lobby für die Lausitz? - Zu den Abgeordneten in Bundestagsausschüssen ...
Für die Lausitz wird es ernst im Strukturwandel. Wichtige Entscheidungen zum Kohle-Ausstieg, aber auch zur Verteilung der zugesagten Milliarden-Zahlungen zur Anpassung des Wandels stehen an. Ein wichtiges Wort spricht dabei der Bundestag mit. Die entsprechenden Gesetze müssen dort verabschiedet
Sachsens neue Bürgerlichkeit - zum Regierungsbündnis in Corona-Zeiten ...
Meißen wird gern als die Wiege Sachsens bezeichnet. Aktuell hat der Kreis rund um die alte Bischofsstadt an der Elbe einen traurigen Rekord zu vermelden. Mit 2328,1 führt er die Inzidenz-Statistik an, dicht gefolgt vom benachbarten Mittelsachsen mit 2099,4. Das sind erschreckend hohe Zahlen, fü
Weitere Mitteilungen von Lausitzer Rundschau
Lausitzer Rundschau: Ein schicksalhafter Augenblick Zum Busunglück auf der A 9 ...
Wenn Menschen bei einem Unfall sterben, hoffen Angehörige, dass die Ursache für ihren Tod fassbar wird. Wer hat Schuld? Was war technisch nicht in Ordnung? Welche Vorschrift wurde missachtet? Im Fall der 18 Menschen, die auf der A 9 in einem Reisebus verbrannten, haben die Hinterbliebenen verg
Badische Zeitung: Dieselgipfel / Nur ein erster Schritt Kommentar von Thomas Fricker ...
Ja, es stimmt: Die Firmen haben getrickst, getäuscht und Renditeziele über den Schutz der Bevölkerung vor Schadstoffen gestellt. Aber es stimmt halt auch, dass eine halbwegs leistungsfähige, stabile Branche am ehesten in der Lage sein wird, nicht nur den Schaden wiedergutzumachen, sondern
Weser-Kurier: Hans-Ulrich Brandtüber Sozialausgaben ...
Jammern auf hohem Niveau Mit Zahlen lässt sich bekanntlich alles belegen, man muss nur die für seine Zwecke richtigen präsentieren. Einmal mehr liefern sich Bundesregierung, Arbeitgeber, Gewerkschaften und Sozialverbände bei der Interpretation des Sozialberichts einen Kampf um die Deut
Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zu Innere Sicherheit: Notstand von Christian Kucznierz ...
Innere Sicherheit ist der Lieblingsbegriff des Aktionismus, der vor allem dann um sich greift, wenn das Schlimmste vorbei ist. Nach einem Anschlag, nach dem Aufdecken von Terrorzellen. Mehr soll es dann sein an innerer Sicherheit, mehr Schutz, schnellere Aufklärung. Das ist billig. Weil in Wirkli




