NRZ: Die religiöse Vielfalt sollte stolz machen - ein Kommentar von JAN JESSEN
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christlich-jüdischen Erbe entsprungen und vom Geist der Aufklärung
entscheidend geprägt, deklariert die Religion zur Privatsache und
garantiert die Freiheit, sich zu jedwedem Glauben zu bekennen. Der
Islam kennt zig Ausprägungen und Lesarten. Insofern muten Studien,
die speziell Muslime als quasi-homogone Gruppe betrachten und die
Frage untersuchen, wie sie sich integrieren, seltsam an - es gibt
keine Studien zur Integration von christlichen Zuwanderern, die nur
ansatzweise ähnlich große Schlagzeilen machen. Sprich: Die Tatsache,
dass es diese Studien gibt und wie sie wahrgenommen werden, zeigt,
wie sehr das Deutschland, das sich die Religionsfreiheit ins
Grundgesetz geschrieben hat, noch mit dem Islam fremdelt. Das
Ergebnis der aktuellen Bertelsmann-Studie gibt dafür eigentlich
keinen Anlass. Fast alle Muslime fühlen sich mit Deutschland
verbunden, Sprachkompetenz, Bildungserfolge und die Integration in
den Arbeitsmarkt sind auf einem immer besseren Niveau. Aber:
Integration bedeutet nicht Assimilation, das zeigt die verstörende
Begeisterung vieler türkischstämmiger, muslimischer Deutscher für den
Despoten Erdogan; was über Jahre zusammengewachsen ist, kann schnell
durch tiefer werdende Gräben zerrissen werden. Dagegen muss eine
Gesellschaft gemeinsam ankämpfen. Religiöse Vielfalt sollte in
Deutschland im Jahr 2017 ein Grund zum Stolz sein sollte, nicht zur
Furcht. Es wäre ein Erfolg, wenn solche Studien irgendwann nicht mehr
notwendig wären.
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Datum: 24.08.2017 - 19:15 Uhr
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