Große deutsche Exportmärkte: Polen, Italien und die Niederlande mit der schlechtesten Zahlungsmoral
ID: 1524686
Atradius aktuell Polen, Italien und die Niederlande als die Länder,
in denen deutsche Lieferanten und Dienstleister am ehesten mit
Zahlungsverzögerungen und -ausfällen rechnen müssen. Das geht aus
einer internen Analyse des weltweit zweitgrößten Kreditversicherers
hervor. Am verlässlichsten werden Rechnungen bei Geschäften mit
Unternehmen in Belgien und der Schweiz beglichen.
"Die großen Abnehmerländer der deutschen Wirtschaft erscheinen
derzeit zwar insgesamt stabil, dennoch gibt es in ihnen auch Branchen
mit hohen Zahlungsrisiken", sagt Dr. Thomas Langen, Senior Regional
Director Deutschland, Mittel- und Osteuropa von Atradius. "Die
positive Gesamtentwicklung des Exportgeschäfts sollte Unternehmen
deshalb nicht dazu verleiten, Gefahren für Forderungsausfälle zu
ignorieren und die eigene Profitabilität aufs Spiel zu setzen."
Polen: staatliche Maßnahmen gegen Umsatzsteuerkarusselle erhöhen
Risiken
Atradius sieht in Polen bereits seit Anfang 2016 erhöhte Risiken
für Zahlungsausfälle und Insolvenzen infolge von
Umsatzsteuerkarussellen. Von der Betrugsmasche waren zuletzt vor
allem Informations- und Kommunikationstechnikhändler betroffen.
Daneben gab es vermehrt Fälle bei Unternehmen im Bereich Brenn- und
Treibstoffe. Schon im Verdachtsfall greifen die polnischen Behörden
zu strikten Straf- und Ermittlungsmaßnahmen gegen Firmen wie zum
Beispiel der Verweigerung der Umsatzsteuerrückerstattung auf
unbestimmte Zeit, Pfändungen oder dem Einfrieren von Geschäftskonten.
Den betroffenen Firmen droht dadurch innerhalb kürzester Zeit die
Handlungs- und Zahlungsunfähigkeit. Für Lieferanten ist das
Betrugsmodell auch deshalb besonders heimtückisch, weil sie häufig
kaum erkennen können, dass sie in ein solches Steuerkarussell
involviert sind.
Atradius weist außerdem auf die derzeit erhöhten Risiken für
Zahlungsausfälle in der Automobil-, Transport-, der Bau-, der
Maschinenbaubranche sowie im Bereich Baumaterialien hin.
Italien: Schäden durch Betrug im Lebensmittel- und
Elektronikhandel
In Italien befindet sich vor allem der Bausektor in einer
schwierigen Situation. Die Investitionen in der Branche sind seit
2008 um 35 % zurückgegangen, die Anzahl der Beschäftigen reduzierte
sich zugleich um 29 %. Nach wie vor leidet die Branche unter
Überkapazitäten. Eine restriktive Darlehnsvergabe der Banken sowie
die langen Forderungslaufzeiten des öffentlichen Sektors belasten
viele Bauunternehmen zusätzlich. Liquiditätsengpässe treten vor allem
bei Firmen auf, die schwerpunktmäßig Aufträge des inländischen
Wohnungsbaus und vom Staat erhalten.
Auch der italienische Einzelhandelssektor birgt aktuell Risiken.
Durch verändertes Konsumverhalten, einen intensiveren Wettbewerb
durch den Online-Handel und einer geringeren Marktmacht der
italienischen Händler im Vergleich zu ihren größeren ausländischen
Konkurrenten sind in naher Zukunft weitere Marktkonzentrationen und
Übernahmen zu erwarten.
Darüber hinaus meldeten Lieferanten zuletzt in den Regionen
Kampanien und Latium sowie bei italienischen Abnehmern aus den
Bereichen Lebensmittel und Elektronikwaren vermehrt Betrugsschäden.
In den meisten Fällen hatten Betrüger Waren auf Rechnung bezogen,
ohne sie zu bezahlen. Atradius macht vor diesem Hintergrund seine
Kunden regelmäßig auf Betrugsanzeichen aufmerksam. Lieferanten
sollten beispielsweise vorsichtig sein bei Unternehmen, die Produkte
ordern, die nicht zu ihrem Geschäftsmodell passen; außerdem bei
Abnehmern, die kürzlich mehrfach den Eigentümer gewechselt haben, die
kein Interesse an der Höhe der Einkaufspreise zeigen oder die dem
Kreditversicherer unaufgefordert Finanz- und Bonitätsauskünfte
aufdrängen.
Ein weiteres Risiko geht weiterhin von Italiens Banken und ihrem
großen Bestand an notleidenden Krediten aus. In deren Folge könnte
sich der Druck auf die Liquidität der italienischen Unternehmen
weiter erhöhen.
Niederlande: Zuletzt große Insolvenzen im Non Food-Handel
Bei Geschäften mit niederländischen Unternehmen meldeten deutsche
Lieferanten in den vergangenen Monaten einen erhöhten Anteil an
Forderungen, die auch nach Ablauf der Zahlungsverlängerungsfrist
nicht beglichen waren. Das Land fiel zuletzt durch
Zahlungsverzögerungen und -ausfälle im Non Food-Handel auf. Zwar
verzeichnet der Sektor insgesamt wachsende Umsätze, jedoch haben nach
wie vor einige niederländische Unternehmen Schwierigkeiten, ihr
Geschäftsmodell den Anforderungen des Online-Verkaufs anzupassen. In
jüngster Vergangenheit gab es mehrere größere Insolvenzen bei
Elektronik- und Textilhändlern.
Generell entwickelt sich die niederländische Konjunktur positiv.
Nach einem Plus des Bruttoinlandprodukts 2016 von 2,2 % wächst die
Wirtschaft in diesem Jahr voraussichtlich um 2,3 %. Die Insolvenzen
werden im Vergleich zu 2016 um 20 % zurück gehen. Getragen wird die
positive wirtschaftliche Entwicklung vor allem durch den
prosperierenden Häuser- und Wohnungsmarkt, sodass sich der Baubereich
inzwischen als am schnellsten wachsende Branche etabliert hat.
Die Gefahr, dass politische Risiken die Wirtschaft in den
Niederlanden bremsen könnten, hat sich nach der niederländischen
Parlamentswahl im Mai 2017 insgesamt verringert.
Für deutsche Exporteure am unauffälligsten: Abnehmer aus Belgien
und der Schweiz
Aus Sicht deutscher Exporteure fielen laut der Atradius-internen
Analyse belgische Abnehmer zuletzt am wenigsten durch
Forderungsausfälle und Nichtzahlungsmeldungen auf. Die in das Land
exportierenden Unternehmen profitieren von einem 2013 in Kraft
getretenen Gesetz, das verspätete Zahlungen im Firmengeschäft (B2B)
mit einem Strafzinssatz belegt. Dies trug dazu bei, dass sich das
Zahlungsverhalten belgischer Firmen seit 2014 insgesamt verbessert
hat. In den vergangenen Jahren erzielte die Wirtschaft des
11,2-Millionen-Einwohner-Staates solide BIP-Zuwachsraten zwischen 1,3
und 1,7 Prozent. Für 2017 und 2018 erwartet Atradius eine ähnliche
konjunkturelle Entwicklung.
Auch in der Schweiz verzeichnet Atradius derzeit eine bis auf
einige Einzelfälle verhältnismäßig geringe Quote von Nichtzahlungen
und von Zahlungsausfällen. Auffällig aus Sicht deutscher Exporteure
waren in den vergangenen 12 Monaten unter anderem Unternehmen aus dem
Segment Baumaterialien, der Öl- und der Energiewirtschaft. Deutsche
Exporteure profitieren seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses
weiterhin von einem verhältnismäßig starken Schweizer Franken.
Aktuelle Risikoentwicklungen im Blick
Atradius analysiert kontinuierlich die Rückmeldungen seiner
deutschen Kunden über das Zahlungsverhalten ihrer Abnehmer. In den
vergangenen 12 Monaten zeigte sich bei Geschäften mit Unternehmen in
Polen und Italien ein überdurchschnittlich hoher Wert von
Nichtzahlungen, die nach Ablauf der Verlängerungsfrist aufgetreten
sind (sogenannte Protracted Default-Fälle). Verhältnismäßig viele
Nichtzahlungsmeldungen gab es - im Vergleich zu den anderen großen
Exportzielen Deutschlands - bei Abnehmern in den Niederlanden.
Auf www.atradius.de finden Sie unter "Publikationen" die aktuellen
Einschätzungen von Atradius zu den wichtigsten Exportländern und
-branchen Deutschlands.
Über Atradius
Atradius bietet mit seiner strategischen Präsenz weltweit
Kreditversicherung, Bürgschaften und Inkassodienste in mehr als 50
Ländern an. Atradius hat Zugang zu Bonitätsinformationen von 240
Millionen Firmen weltweit. Mit den Kreditversicherungs-, Bonding- und
Collections-Produkten von Atradius können sich Unternehmen auf der
ganzen Welt vor Ausfallrisiken schützen, die mit dem Verkauf von
Waren und Dienstleistungen auf Warenkredit verbunden sind. Atradius
ist Teil der Grupo Catalana Occidente (GCO.MC), die in Spanien zu den
größten Versicherern und weltweit zu den größten Kreditversicherern
gehört. Weitere Informationen finden Sie unter www.atradius.de.
Für weitere Informationen:
Atradius Kreditversicherung
Astrid Goldberg
Pressesprecherin
Telefon: +49 (0) 221 2044 - 2210
E-Mail: astrid.goldberg@atradius.com
Stefan Deimer
Pressereferent
Telefon: +49 (0) 221 2044 - 2016
E-Mail: stefan.deimer@atradius.com
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Datum: 30.08.2017 - 10:00 Uhr
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