Lausitzer Rundschau: Die Gaffer-Gesellschaft Unterlassene Hilfeleistung

Lausitzer Rundschau: Die Gaffer-Gesellschaft

Unterlassene Hilfeleistung

ID: 1531080
(ots) - Ungerührt steigen Leute in einer Bankfiliale über
einen sterbenden alten Mann. Keiner hilft. Keine Zeit, keine Lust,
Angst. Ungerührt filmen Leute Verunglückte auf den Straßen. Die Opfer
sind für sie nur eine Facebook-Trophäe. Ungerührt blockieren
Autofahrer Rettungsgassen, um zu glotzen oder nutzen sie gar, um in
ihnen schneller vorwärtszukommen. Ist Deutschland eine kalte
Gaffer-Gesellschaft geworden? Zum Teil wohl. Zwar sind wir immer noch
das Land mit der verbreitetsten Bereitschaft zum Ehrenamt. Aber immer
mehr denken nur an sich. Die Ich-Bezogenheit ist größer geworden, und
das hat mit einsamen Computer-Jobs ebenso zu tun, wie mit dem
Pendeln, mit dem Arbeitsdruck, mit dem Hetzen. Keine Zeit. Auch die
Verrohung hat zugenommen, mit jedem derartigen Video, das man gesehen
hat. Der Unfall ist da nur noch eine weitere Sensation. Es beginnt
im Kleinen. Eine Mülltonne ist umgekippt, liegt halb auf der
Fahrbahn. Oder ein glattes Papier liegt auf einer Treppe. Es dauert
lange, bis sich jemand findet, der eine solche Gefahrenstelle
entschärft. Wahrscheinlich bauen sich eher welche auf für "versteckte
Kamera". Und es endet im Großen. Der eigene Reflex wird selbst in
schlimmsten Notfällen nach dem Motto "Es wird sich schon jemand
kümmern" an andere delegiert. Meist an die, die beruflich zuständig
sind. Die Urteile im Essener Prozess wegen unterlassener
Hilfeleistung waren erfreulich deutlich. Und auch gegen Gaffer wird
neuerdings gesetzlich schärfer vorgegangen. Man darf sich aber keiner
Illusion hingeben: Diesem sich ausbreitenden Mangel an Empathie wird
mit den Mitteln des Strafgesetzbuches allein nicht beizukommen sein.
Das Problem liegt in den Köpfen. Die Lösung auch.



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Entwicklung in Großräschen Rheinische Post: Situation verkannt

Kommentar Von Christian Schwerdtfeger
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Datum: 18.09.2017 - 20:25 Uhr
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