Druckfrisch - Neue Bücher mit Denis Scheck / Am Sonntag, 1. Oktober 2017, um 23:35 Uhr über eine Agentin in Nordkorea und die Liebe
ID: 1534640
Sonntag, 1. Oktober 2017, um 23:35 Uhr im Ersten trifft Denis Scheck
den französischen Schriftsteller Jean Echenoz, der einen virtuosen
Agentenroman vorgelegt hat, und die Journalistin Jana Hensel, die
ihren ersten Roman über das Wesen der Liebe geschrieben hat.
Jean Echenoz: Unsere Frau in Pjöngjang
Der Autor schafft es, einen modernen Agentenroman zu schreiben -
und dieses Genre damit gleichzeitig zu persiflieren. Erst auf Seite
175 erfährt die Protagonistin Constance endlich auch, was Sache ist.
Sie soll als Agentin Nordkorea destabilisieren. Entführung,
Observation, Mord, diplomatische Verwicklungen, verrauchte
Hinterzimmer, spontaner Sex, ein Versteck auf dem Land und mysteriöse
Substanzen in Einwegspritzen gehören wie selbstverständlich zum
Repertoire dieser Geschichte. Realismus liegt dabei nicht im
zentralen Interesse des Autors. Er betreibt ein amüsantes Spiel,
voller Ironie, voll Anspielungen, er verweist, zitiert, mixt,
dekonstruiert, kurz, Jean Echenoz führt lustvoll vor, wie ein
postmoderner Roman funktioniert. Dass dieser aber auch höchst
vergnüglich zu lesen ist, ist nicht den womöglich blutleeren
Absichten eines Theoretikers zu verdanken, sondern der lebendigen
Kunst dieses Autors: ein Virtuosenstück!
Jana Hensel: Keinland
Der Roman handelt von Nadja und Martin, die wohl ein Paar waren,
eine Zeit lang. Oder doch nicht? Jedenfalls ist Martin jetzt weg,
abgereist, zurück nach Tel Aviv, wo die beiden sich kennengelernt
hatten. Nadja glaubt an die Liebe und hofft, dass alles gut wird,
irgendwann, irgendwo. Sie will keinesfalls einsehen, dass manchmal
auch eine Liebe ganz unmöglich sein kann. Und Martin sagt meistens
nein und vielleicht einmal ja. Letztlich steht zwischen Nadja, der
deutschen Frau aus Berlin, und Martin, dem Frankfurter Juden aus Tel
Aviv, die Geschichte von ihren und seinen Leuten. Heißt das, Juden
und Deutsche kommen nicht zusammen? Vielleicht nicht besser oder
schlechter als Männer und Frauen überhaupt. Aber hier geht es nicht
ums Allgemeine, sondern nur ums Individuelle. "Keinland" ist ein
großes, berührendes Nachdenken über die Zeit und die Vergangenheit,
über das Wesen der Liebe. Eine Hymne und ein sehr schönes, zartes,
zeitgemäßes Stück Literatur.
Außerdem, wie immer, Denis Schecks Kommentar zu den Büchern auf
der aktuellen "Spiegel"-Bestsellerliste (diesmal: Sachbuch). Und eine
ganz persönliche Empfehlung Schecks: "Tim und Struppi" von Hergé.
Moderation: Denis Scheck; Realisation: Andreas Ammer. Redaktion:
Armin Kratzert (BR), Christoph Bungartz (NDR), Matthias Morgenthaler
(MDR) und Susanne Schettler (WDR).
"Druckfrisch" im Internet: DasErste.de/druckfrisch
Pressekontakt:
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Tel.: 089/5900-42887, E-Mail: bernhard.moellmann@DasErste.de
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Datum: 27.09.2017 - 15:18 Uhr
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