Neue Westfälische (Bielefeld): Friedensnobelpreis für Atomwaffen-Gegner
Warnung und Ohrfeige
Miriam Scharlibbe
ID: 1537894
Abschaffung von Atomwaffen (Ican) ist mehr als eine Anerkennung für
das weltumspannende Aktivistennetzwerk. Es ist eine Warnung in
Richtung der Atommächte, und eine Ohrfeige für Deutschland. Das hat
die Bundesregierung nicht verstanden. Der größte Erfolg von Ican
wurde in Deutschland wenig beachtet, da im Juli zeitgleich der
G-20-Gipfel in Hamburg alle öffentliche Aufmerksamkeit beanspruchte.
122 Staaten beschlossen einen Vertrag zum Verbot von Atomwaffen.
Deutschland war nicht dabei. Die Bundesrepublik ist keine Atommacht,
gehört aber zu den Unterstützerstaaten. In der Eifel lagern
amerikanische Atomwaffen metertief in der Erde. Auskünfte der
Bundesregierung gibt es dazu nicht. Dafür werden unsere Politiker
nicht müde, sich zum Ziel einer atomwaffenfreien Welt zu bekennen.
Sie gratulieren sogar den Preisträgern - und stellen sich dennoch
weiter gegen ein Verbot. Damit wird Deutschland seinem Gewicht in der
Welt nicht gerecht. Während sich unberechenbare Staatschefs in den
USA und Nordkorea beinahe täglich mit Kriegserklärungen übertreffen,
kann doch keine Regierung noch ernsthaft behaupten, Atomwaffen trügen
zur Friedenssicherung bei. Es wäre naiv zu glauben, dass sich
Atommächte durch den Nobelpreis zur Umkehr bewegen ließen. Für die
Unterstützerstaaten aber wäre es die Gelegenheit. Der Preis ist aber
auch deshalb wichtig, weil er in Zeiten, in denen Kritiker die
Friedensbewegung schon totgesagt hatten, ein außergewöhnliches
Engagement ehrt. Einerseits sind da Aktivisten, die seit Jahrzehnten
für ihre Vision kämpfen, andererseits ist das Führungsgremium von
Ican außergewöhnlich jung, Chefin Beatrice Fihn ist 34, ihr Team im
ähnlichen Alter. Diese Generation hatte das Glück, in Frieden
aufzuwachsen. Wettrüsten, Atombomben, Krieg waren Begriffe aus dem
Geschichtsunterricht. Ihre Angst, ihr Engagement zeigt, wie ernst die
Lage ist. Studien von Ican zeichnen ein düsteres Szenario: Selbst ein
Atomkrieg zwischen nur zwei Staaten würde die Temperatur auf der
gesamten Erde um ein Grad senken. Eine Rußschicht würde sich über den
Planeten legen, Ernten vernichten, Hungersnöte auslösen. Menschen
würden sterben. Unzählige. Wir könnten die Folgen nicht heilen. Darum
muss ein Atomkrieg unter allen Umständen verhindert werden.
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Datum: 06.10.2017 - 20:55 Uhr
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