Lausitzer Rundschau: Hundert Prozent sind eine Verpflichtung
Zur Lage der Bundes-SPD vor der Niedersachsen-Wahl
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SPD-Vorsitzender noch haltbar ist, nicht um die Person. Die ist schon
gescheitert. Und zwar doppelt (NRW und Schleswig-Holstein) und
dreifach (Bund). Da fiele eine eventuelle vierte Niederlage am
kommenden Sonntag in Niedersachsen auch nicht mehr ins Gewicht.
Schulz selbst hat keine gravierenden Fehler gemacht, im Gegenteil, er
hat gekämpft wie ein Löwe. Jedoch ist nach so einer Negativserie
klar, dass er nicht wieder Kanzlerkandidat sein kann, also
Hoffnungsträger. Sich selbst und seinen Anhängern würde er helfen,
wenn er seinen Auftrag schon jetzt nur noch darin sähe, die Partei zu
erneuern und den nächsten Bewerber (oder die Bewerberin) aufzubauen.
Aber soll er auch nicht mehr Parteivorsitzender sein? Bei dieser
Frage geht es eher um die SPD. 100 Hundert Prozent - das heißt, kein
einziger hat in geheimer Wahl im März beim Bundesparteitag auch nur
den geringsten Zweifel an diesem Mann und seiner Eignung als
Parteichef gehabt. Mag sein, dass die eine oder andere Stimme für
Schulz verlogen war, das übliche Mitläufertum in Erwartung angeblich
sicherer Siege. Dann ist die jetzige Kritik das übliche Nachtreten
der Neunmalklugen und Feigen. Es macht die SPD weder glaubhafter noch
sympathischer, wenn sie wieder anfängt, ihre Vorsitzenden zu wechseln
wie andere das Unterhemd - nach jeder größeren Anstrengung ein neues.
Im Gegenteil, sie würde kalt und beliebig wirken. 100 Prozent sind
eine Verpflichtung. Für den Gewählten wie für seine Wähler. Sollen
sich doch die, die jetzt im Nachhinein alles besser wissen,
formieren. Sollen sie Gegenkandidaten aufbauen und in einem offenen
Prozess durchsetzen, zur Not per Mitgliederentscheid. Das wäre
wenigstens spannend.
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Datum: 08.10.2017 - 21:03 Uhr
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