Börsen-Zeitung: Weltmachtgeplänkel,
Kommentar zu China von Norbert Hellmann
ID: 1542128
Staatspräsident Xi Jinping für sich in Anspruch genommen, um zum
Auftakt des großen Parteitages die Lage der Nation und ihre künftige
Marschroute zu skizzieren. Er gilt als Mann mit großen Ambitionen und
Langfristzielen, der mit wachsender Machtfülle seine Visionen im
eigenen Land durchsetzt. Auf internationaler Bühne wurden seine
Auftritte beim Davoser Treffen und dem G20-Gipfel als freundlicher
Globalisierungsunterstützer insbesondere im Kontrast zur Linie eines
US-Präsidenten Donald Trump mit einigem Wohlwollen aufgenommen.
Nun stößt man allerdings auf eine etwas forscher wirkende Vision,
bei der sich China als moderne sozialistische Großmacht empfiehlt,
der auf der Weltbühne eine in jeder Hinsicht tragende Rolle als Soft
Power, Wirtschaftsnation und auch militärische Supermacht zukommen
soll. China nimmt freilich als bereits zweitgrößte Volkswirtschaft
und Atommacht eine implizite Führungsrolle ein, die aber bislang eher
zurückhaltend wahrgenommen wurde.
Neu ist unter Xi das Herausstreichen einer gewissen ideologischen
Zuversicht, bei der China seinen als "Sozialismus mit chinesischer
Prägung" bezeichneten Staatskapitalismus als Erfolgsmodell
vermarktet. Dies soll der Weltöffentlichkeit zeigen, dass man auch
einen anderen Weg als den amerikanischen gehen kann, um sich als
moderne, innovationsgetriebene Wirtschaftsnation zu gerieren.
Dazu passt der am Mittwoch ventilierte freundliche Hinweis, dass
Chinas florierendes Wachstumsmodell auch anderen Schwellenländern als
Vorbild dienen könnte. In der Realität sieht es freilich eher so aus,
dass China weniger daran gelegen ist, sein Wirtschaftsmodell
nachahmen zu lassen, als es vielmehr über geballte
Investitionsprogramme, etwa via das Seidenstraßenprojekt, vor Ort
einzupflanzen.
Im Westen wiederum muss man sich wohl die Illusion abschminken,
dass China bei allen Versprechen zu mehr Marktöffnung und
marktgeleiteten Reformen und der Betonung eines qualitativen
Wachstums auf eine Annäherung zu einem westlich geprägten
Marktwirtschaftssystem und auf einen Abbau des staatlichen
Unternehmertums hinsteuert. Denn der Präsident hat wenig
verklausuliert deutlich gemacht, dass das laufende Reformprogramm für
Chinas Staatsunternehmen in erster Linie auf einen
Konzentrationsprozess hinauslaufen soll, der chinesischen
Staatsriesen eine dominantere Rolle im globalen Wettbewerb erlaubt.
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Datum: 18.10.2017 - 20:35 Uhr
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