Börsen-Zeitung: Lauter Verlierer, Kommentar zur Deutschen Börse von Claus Döring
ID: 1545362
Kommentar an dieser Stelle vor exakt einer Woche - und stellte im
nächsten Satz klar, dass es sich nicht um den für Negativschlagzeilen
sorgenden Carsten Kengeter handle, sondern um Xavier Rolet, den Chef
der London Stock Exchange (LSE). Nun ist es tatsächlich Kengeter, und
es ist ein Paukenschlag am Finanzplatz. Denn der Aufsichtsrat, der
gestern tagte, wollte Kengeter eigentlich den Rücken stärken für die
weiteren Insiderermittlungen, nachdem der lange vorbereitete Deal
zwischen Staatsanwaltschaft, Deutscher Börse und Kengeter am
Widerstand der Finanzaufsicht BaFin vor wenigen Tagen geplatzt war.
Kengeter geht als Verlierer vom Platz. Als Verlierer im
Fusionsvorhaben mit der LSE. Als Verlierer im längst nicht
abgeschlossenen Transformationsprozess der Deutschen Börse, wo nach
anfänglicher Aufbruchstimmung der Gegenwind zuletzt immer heftiger
wurde. Als Verlierer am Finanzplatz Frankfurt, wo er das Negativimage
des angelsächsischen Investmentbankers nicht abzustreifen vermochte.
Als Verlierer in einer Auseinandersetzung zwischen Behörden, die mit
den Begriffen Profilierungssucht und Überforderung nur ansatzweise
beschrieben ist. Aber: Der Verlierer geht erhobenen Hauptes.
Auch wenn noch offen ist, ob es sich beim Kauf eigener Aktien um
einen Gesetzesverstoß oder nur fehlendes Fingerspitzengefühl
handelte: Mit dem Rücktritt ist Kengeter vom Getriebenen zum Akteur
geworden. Er muss jetzt nicht mit Rücksicht auf das von ihm geführte
Unternehmen irgendwelchen Deals zustimmen, obwohl die
Staatsanwaltschaft bisher nichts in der Hand hat, was zur Anklage
reicht. Die BaFin kann ihn nicht mehr erpressen mit dem Hinweis auf
die Zuverlässigkeitsprüfung. Und Kengeter könnte offen über das
Versagen der eigenen Rechtsabteilung, der beauftragten Kanzleien,
allen voran Linklaters, und nicht zuletzt des eigenen Aufsichtsrats
sprechen - wenn er denn wollte. Das Schweigegeld dürfte hoch
ausfallen.
Verlierer ist neben der Börse, die jetzt ohne strategischen Kopf
dasteht und sich nach dieser Vorgeschichte mit der Suche eines
adäquaten Nachfolgers schwertun wird, vor allem der Finanzplatz
Frankfurt. Über die hier aufgeführte Selbstfesselung reibt man sich
in Paris, London und New York die Hände.
Ein anderer Verlierer hielt sich gestern noch im Hintergrund:
Börse-Aufsichtsratsvorsitzender Joachim Faber. Er steht vor einem
Scherbenhaufen. Auch sein Rücktritt ist überfällig, wenn das Wort vom
Neuanfang nicht eine Floskel sein soll.
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Datum: 26.10.2017 - 20:50 Uhr
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