Neue Westfälische (Bielefeld): SPD-Debatte
Scholz fehlt Charisma
Carsten Heil
ID: 1545906
der SPD nach dem für sie fürchterlichen Ergebnis bei der
Bundestagswahl keine inhaltlichen Debatten gäbe. Da kann die Partei
nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. In allen Gremien ist offen
über Ursache und Folgen zu diskutieren. Es reicht nicht, sich daran
zu berauschen, dass man jetzt nicht mehr in der Merkel-GroKo gefangen
ist und entsprechend nicht mehr ausgesaugt wird. Deshalb hatte Olaf
Scholz recht, als er eine schonungslose Analyse kurz vor der ersten
Regionalkonferenz der SPD in Hamburg forderte. Weil er das aber mit
einem völlig überraschenden Papier tat, konnte sein Vorstoß als
Generalangriff auf Parteichef Martin Schulz verstanden werden. Das
wurde es auch von vielen. Zumal er sich konträr zu Schulz
positionierte und fast die alten Flügeldebatten wieder anheizte.
Scholz ist erfahren genug, das zu wissen. Dennoch sammelte der
Parteivize nach einem Gespräch mit seinem Vorsitzenden Schulz am
Wochenende alle Brocken wieder ein. Es gebe mehr Übereinstimmung
zwischen ihnen als sie selbst geahnt hatten, erklärten Schulz und
Scholz gemeinsam. Da ist schon die Formulierung sonderbar. Haben die
zuvor nicht diskutiert, sich nicht ausgetauscht? Werden Inhalt und
Personen vermischt? Das sieht aus als wäre der Scholz-Angriff nur
vertagt. Der Hamburger ist vor seiner eigenen Forderung nach
Aufarbeitung zurückgeschreckt. So klug und intellektuell Olaf Scholz
auch ist, er ist kein Charismatiker wie Oskar Lafontaine, der einen
Parteitag kippen konnte.
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Datum: 29.10.2017 - 20:00 Uhr
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