Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar
UN-Kriegsverbrecher-Tribunal
Wider die Barbarei
Dirk Müller
ID: 1557118
seine Existenz mit einer dramatischen Schlussszene. Der Gerichtssaal
wird zum Tatort, der Suizid des bosnisch-kroatischen Militärführers
Slobodan Praljak (72) macht den Prozess selbst zum Gegenstand von
Ermittlungen. Zu klären etwa ist die Frage, wie ein Angeklagter ein
Fläschchen mit einer noch unbekannten, aber offenbar tödlichen
Substanz mit zur Urteilsverkündung bringen und zu sich nehmen konnte.
Slobodan Praljak - das hat er in seinen letzten Worten lautstark zu
erkennen gegeben - sah sich als verfolgte Unschuld, zu Unrecht als
Kriegsverbrecher verurteilt. Sein Selbstmord sollte da wohl ein Fanal
setzen, die Selbsttötung als theatralischer Nachweis vermeintlicher
soldatischer Ehre. Diese Verblendung verbindet viele der 161
Angeklagten in der Geschichte des Tribunals, bezeichnenderweise
unabhängig davon, welcher der Kriegsparteien sie in den Gemetzeln im
Ex-Jugoslawien der neunziger Jahre angehörten. Erst in der
vergangenen Woche machte Ratko Mladic - als bosnisch-serbischer
General etwa für die Ermordung von mehr als 8.000 muslimischen
Männern in Srebrenica verantwortlich - pöbelnd klar, was er vom
Urteil der Den Haager Richter hielt. Doch das UN-Tribunal, das nun
fast ein Vierteljahrhundert nach seiner Gründung durch den
Weltsicherheitsrat das letzte Verfahren gegen Verbrecher des Krieges
in Bosnien-Herzegowina abschloss, hat großartige Arbeit geleistet.
Daran ändert auch die Selbsttötung Praljaks nichts, die natürlich
nicht hätte geschehen dürfen. Die Richter mussten in Abgründe der
Unmenschlichkeit blicken, sich sachlich und rational auf die Spuren
von Hinrichtungen, Vertreibungen, Folter, Massenvergewaltigungen
machen, um die Schuldigen zu überführen und zu bestrafen. Die Kriege
um Ex-Jugoslawien haben gezeigt, wie dicht die blanke Barbarei auch
in Europa noch unter der brüchigen Oberfläche der Zivilisation
lauert. Auch wenn viele der 84 Verurteilten von ihren unbelehrbaren
Anhängern weiter als Helden gefeiert werden, hat das Tribunal der
Welt gezeigt: Auch die Herren des Krieges kommen nicht ungeschoren
davon.
Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de
Original-Content von: Neue Westfälische (Bielefeld), übermittelt durch news aktuell
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 29.11.2017 - 20:30 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1557118
Anzahl Zeichen: 2585
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Bielefeld
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 218 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar
UN-Kriegsverbrecher-Tribunal
Wider die Barbarei
Dirk Müller"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Neue Westfälische (Bielefeld) (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Hunderte Tankstellen in Nordrhein-Westfalen verstoßen gegen die gesetzliche Spritpreisregel - doch geahndet wird bislang kein einziger Fall. Seit Anfang April wurden in NRW insgesamt 2.634 unzulässige Preiserhöhungen durch 447 Tankstellen registriert, wie aus einer Analyse von Daten des Bundeskar
Verdi-Chef Werneke: AfD hätte bei uns keine Chance ...
Bielefeld. Verdi-Chef Frank Werneke sieht derzeit keinen wachsenden Einfluss der AfD auf die Gewerkschaften im Land. Auf die Frage im Interview mit der "Neuen Westfälischen" (Bielefeld), ob der Einfluss der AfD auch in Gewerkschaften zunehme, sagt Werneke: "In den Gewerkschaften nich
Verdi-Chef sieht Angriff auf alle Bereiche des Sozialstaats ...
Bielefeld. Der Chef der Vereinigten Dienstleistungsgesellschaft Verdi, Franke Werneke, warnt davor, Reformen auf dem Rücken der Beschäftigten durchzusetzen. "Es gibt gerade einen Angriff auf praktisch alle Bereiche des Sozialstaats - auf Arbeitnehmerrechte, Kündigungsschutz, Lohnfortzahlung
Weitere Mitteilungen von Neue Westfälische (Bielefeld)
Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Merkel, Seehofer und Schulz beim Bundespräsidenten Drei von der Zankstelle Dieter Wonka, Berlin ...
Als der blasse Diplomat Frank-Walter Steinmeier Bundespräsident wurde, waren nicht alle begeistert. Er sei kein starker Parteipolitiker, kein herausragender Redner, er werde kein Großer in seinem Amt sein. Jetzt, kurz vor dem ultimativen Koalitions-Findungstermin bei Steinmeier, sieht die Sach
Mittelbayerische Zeitung: Eine klare Strategie tut not / Nordkorea testet erfolgreich eine Interkontinental-Rakete, die Zieleüberall in den USA erreichen kann. Der Atomstreit droht, gefährlich zu es ...
Der Zeitpunkt rückt näher, an dem Donald Trump Farbe bekennen muss. Der "kleine Raketenmann" in Nordkorea ignoriert seine kraftmeiernden Drohungen so sehr, wie die umsichtige Diplomatie seines Vorgängers. Zumal Trump in einem CBS-Interview vom April eine "rote Linie" gezoge
RNZ: Dialogbereit? Christian Altmeierüber den neuen Raketentest in Nordkorea ...
Zugleich wecken die jüngsten Äußerungen und Reaktionen aber auch Hoffnungen auf eine mögliche Annäherung. Die Behauptung Nordkoreas, dass die Entwicklung seiner Atomstreitmacht nun abgeschlossen sei, kann man zwar getrost als Propaganda abtun. Doch weist die Äußerung auch darauf hin, dass
Rheinische Post: Kommentar: Nordkorea am Ziel ...
Nordkorea, das ist leider keine neue Erkenntnis, ist auf seinem Weg zur Atommacht nicht zu stoppen - es sei denn mit Waffengewalt. Aber vor einem neuen Koreakrieg schreckt selbst ein Donald Trump zurück. Nun verkündet das Kim-Regime nach einem erneuten Raketentest, es sei mit seiner Nuklearrü




