NOZ: Festival-Chef Kosslick: Berlinale hat Filme wegen #MeToo abgelehnt

NOZ: Festival-Chef Kosslick: Berlinale hat Filme wegen #MeToo abgelehnt

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(ots) - Festival-Chef Kosslick: Berlinale hat Filme
wegen #MeToo abgelehnt

Missbrauchsdebatte verändert Programm - Festivals bald nur noch
online? - Landwirtschaftsminister Schmidt soll Glyphosat-Doku ansehen

Osnabrück. Die Berlinale hat wegen der #MeToo-Debatte Filme
abgelehnt: "Wir haben in diesem Jahr Arbeiten von Leuten nicht im
Programm, weil sie für ein Fehlverhalten zwar nicht verurteilt worden
sind, es aber zumindest zugegeben haben", sagte Festivaldirektor
Dieter Kosslick der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstag).

Zu Ridley Scott, der Kevin Spacey wegen des Vorwurfs sexueller
Übergriffe aus seinem Film "Alles Geld der Welt" geschnitten hatte,
sagte Kosslick: "Das berührt eine Debatte, die auch auf der Berlinale
geführt wird: Kann man die Kunst vom Künstler trennen? Wenn man sich
die Filmgeschichte daraufhin ansieht, die Kulturgeschichte überhaupt,
dann wird man wahrscheinlich zur Ansicht kommen: Man muss es trennen.
Als Veranstalter haben wir uns in diesem Jahr trotzdem anders
entschieden." Für den aktuellen Jahrgang habe sein Festival Filme
abgelehnt, deren Personal durch die Debatte um sexuelle Gewalt im
Filmgeschäft belastet ist. Würde die Berlinale Ridley Scotts Film zum
Vergleich auch in der Spacey-Fassung zeigen? Kosslick: "Der Vergleich
wäre auf jeden Fall interessant. Ob ich es machen würde, weiß ich
nicht."

Eine besondere Einladung sprach der 69-Jährige an den
geschäftsführenden Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU)
aus: "Wenn Sie nach einem Film fragen, den ich außerhalb des
Wettbewerbs wichtig finde, würde ich auf Fernando Solanas'
Dokumentation über ökologische Verbrechen der industriellen
Landwirtschaft hinweisen. Er beobachtet in Argentinien die
Missbildungen von Kindern. Sie wuchsen in der Nähe von
Glyphosat-besprühten Feldern auf und sind dort zur Schule gegangen.


Das sollten sich alle ansehen, vor allem der Landwirtschaftsminister
Christian Schmidt, mit dessen Stimme dieses völlig verharmloste
chemische Mittel in der EU für weitere fünf Jahre zugelassen wurde."

Mit düsteren Befürchtungen antwortete Kosslick, dessen Vertrag als
Berlinale-Direktor im kommenden Jahr ausläuft, auf die Frage nach der
Zukunft von Filmfestivals: "Die Leute haben heute ein vollkommen
anderes Nutzungsverhalten, die gucken auf dem iPad, zuhause, beim
Streamingdienst. Das merken wir, und andere Festivals werden es auch
merken", sagte der Festival-Macher. "Bis jetzt setzen die Verleiher
auf einen Plattformstart wie die Berlinale, wo fast 4000 Journalisten
Interviews und Kritiken schreiben. Aber natürlich kann man so eine
Veranstaltung auch zuhause in Los Angeles machen, am Hollywood
Boulevard, und auf 22.000 Bildschirme in aller Welt übertragen. Die
Stars wohnen da sowieso, die muss man dann gar nicht mehr durch die
Welt kutschieren. Man könnte die Schauspieler einfach der Reihe nach
durchs Chinese Theatre in Los Angeles schleusen wie die Paare durch
die Hochzeitskapellen von Las Vegas", sagte Kosslick. "Das hat noch
keiner vorgeschlagen, aber wenn Sie mich nach meiner apokalyptischen
Vision der Festivalzukunft fragen, wäre es diese."

Trotzdem glaubt Kosslick an die Zukunft der großen Leinwand: "Ich
denke, dass das Kino überleben wird. Weil es einzigartig ist."



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