Notrufsystem bringt Sicherheit für ältere Autos / Interview mit R+V-Expertin Patricia Rehse
ID: 1604981
Fahrzeugtypen mit dem automatischen Notrufsystem eCall ausgestattet
sein. Besitzern aller anderen Autos rät das Infocenter der R+V
Versicherung die Nachrüstung mit einem ähnlichen Notrufsystem.
Patricia Rehse, Kfz-Beraterin bei R+V, erklärt, warum das Sinn macht.
Frau Rehse, bei einem schweren Unfall setzt eCall (Emergency Call)
automatisch einen Notruf ab. Ziel ist es, durch den schnellen Einsatz
von Rettungskräften Menschenleben zu retten. Doch bisher gilt diese
Pflicht in der Europäischen Union ausschließlich für Fahrzeugmodelle,
für die erstmals eine Typengenehmigung beantragt wird. Die meisten
Autos werden also weiterhin ohne eCall gebaut und verkauft. Außerdem
fahren viele Gebrauchtwagen ohne das System. Was raten Sie diesen
Autobesitzern?
Patricia Rehse: Nach Berechnungen des Gesamtverbandes der
Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) dauert es noch fast zehn
Jahre, bis auch nur die Hälfte aller Autos tatsächlich eCall an Bord
hat. Deshalb haben sich die deutschen Kfz-Versicherer das EU-Vorhaben
zum Vorbild gemacht und unter Federführung des GDV mit dem
sogenannten "Unfallmeldedienst" eine Nachrüstlösung entwickelt. Sie
ist schon seit April 2016 auf dem Markt und hat ebenfalls die
schnelle Rettung zum Ziel.
Wie funktioniert der Unfallmeldedienst genau?
Patricia Rehse: Kernstück des Unfallmeldedienstes ist der
sogenannte Unfallmeldestecker, der einfach in den 12-Volt-Anschluss
im Fahrzeug gesteckt wird. Er enthält Sensoren, die eine Kollision
und die Schwere des Crashs erkennen. Via Bluetooth werden diese
Informationen an die dazugehörige Unfallmelde-App auf dem Smartphone
des Fahrers übermittelt. Die App wiederum meldet den Unfall an die
Notrufzentrale der Autoversicherer, zusammen mit Informationen zur
Schwere des Unfalls, der Position des Wagens und der Fahrtrichtung.
Gleichzeitig versucht die Notrufzentrale, telefonisch Kontakt zum
Fahrer aufzubauen, um die Unfallsituation - sofern möglich - weiter
zu klären. Je nach Unfallsituation übergibt die Notrufzentrale den
Fall an die nächstgelegene Rettungsleitstelle oder organisiert eine
Unfall- und Pannenhilfe. Das Ziel ist natürlich, Menschenleben zu
retten. Denn im Notfall kommt es mitunter auf jede Minute an. Die EU
rechnet damit, dass sich durch solche Notfallsysteme die Zeit
zwischen einem Unfall und dem Eintreffen der Rettungskräfte um 40 bis
50 Prozent reduziert, je nach Unfallort. Der Unfallmeldedienst hat
übrigens 2017 bei 280 schweren Unfällen schnelle Hilfe organisiert.
Wie groß ist der Aufwand für das Nachrüsten?
Patricia Rehse: Sehr gering! Ein Werkstatt-Besuch ist nicht
erforderlich. R+V bietet beispielsweise den Schutzbrief "AutoNotruf"
mit Unfallmeldedienst. Die Kunden erhalten den Unfallmeldestecker
nach Vertragsabschluss automatisch per Post. Den brauchen sie nur in
den 12-Volt-Anschluss des Fahrzeugs stecken, "AutoNotruf-App"
downloaden, Registrierung durchführen, und schon ist das System
startklar. Ab Juli wird die Registrierung übrigens noch einmal
schneller gehen.
Warum macht das Nachrüsten aus Ihrer Sicht Sinn?
Patricia Rehse: 2017 haben sich mehr als 2,6 Millionen
Verkehrsunfälle auf deutschen Straßen ereignet. Bei über 300.000
davon waren Personen betroffen. Diese Zahlen sind ein gutes Argument
dafür, ein Notrufsystem im Auto zu haben. Zudem sind viele Autofahrer
im Falle eines Falles überfordert und wissen nicht, wie sie bei einem
Unfall oder einer Panne reagieren sollen. Mit dem automatischen
Notrufsystem erhalten sie schnelle Hilfe - genau dann, wenn sie diese
am dringendsten brauchen.
www.infocenter.ruv.de
Pressekontakt:
R+V-Infocenter
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Datum: 26.04.2018 - 11:45 Uhr
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