Neue Westfälische (Bielefeld): Situation der Lehrer an Schulen
Bedrohliche Gewalt
Lothar Schmalen, Düsseldorf
ID: 1606863
Alarm: Die psychische und physische Gewalt gegen Lehrer nimmt zu und
hat inzwischen ein bedrohliches Ausmaß angenommen. Obwohl das
Phänomen mindestens seit anderthalb Jahren bekannt ist, unternehmen
die Verantwortlichen in den Schulbehörden und im Ministerium bislang
nichts oder jedenfalls zu wenig, um dieser Entwicklung
entgegenzuwirken. Die Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut
Forsa im Auftrag des VBE unter Schulleitern gemacht hat, hat zwar zu
Tage gefördert, dass es offenbar an jeder dritten NRW-Schule Fälle
von körperlicher Gewalt gegen Lehrer gab und gibt, doch die
wirklichen Fakten liegen noch im Dunkeln. Wie viele Gewalttaten es
wirklich gegen Pädagogen gab, welche Schulen oder Schulformen
besonders betroffen sind, ob es einen Unterschied zwischen Schulen
auf dem Lande und in den Großstädten gibt, ob die weit verbreitete
Behauptung, Schüler mit Migrationshintergrund neigten stärker als
andere zur Gewalt, stimmt - niemand weiß es wirklich. Nicht einmal,
ob und wie oft Schulen oder Lehrer Strafanzeigen wegen gewalttätiger
Angriffe auf Lehrer gestellt haben, vermag der VBE zu sagen. Es wird
allerhöchste Zeit, dass das Phänomen, das zweifelsfrei existent ist
und die Atmosphäre an den Schulen schnell vergiften kann,
systematisch untersucht wird und dass die Entwicklung, die die
Umfrage des VBE ans Tageslicht gebracht hat, mit Fakten unterlegt
wird. Denn nur dann können Politiker und Schulaufsichtsbehörden die
richtigen Rezepte entwerfen, die richtigen Maßnahmen ergreifen.
Besonders erschreckend ist, dass fast zwei Drittel der befragten
Schulleiter berichten, Eltern seien nicht kooperationsbereit, wenn es
um die Aufarbeitung einer körperlichen Attacke gegen Lehrer geht. Sie
stärkten ihren gewalttätigen Kindern im Gegenteil noch den Rücken.
Dies macht deutlich, dass es sich bei dem Phänomen Gewalt gegen
Lehrer um ein gesamtgesellschaftliches Problem handelt. Gleichzeitig
macht die Entwicklung deutlich, wie viel in unserem Bildungssystem im
Argen liegt. Marode Schulen, zu wenig Lehrer, daraus resultierender
Unterrichtsausfall und zu wenig Sozialarbeiter - doch die hippen
Bildungspolitiker in Deutschland verschließen davor Augen und Ohren
und reden lieber von Milliarden-Investitionen in die Digitalisierung
der Schulen. Ihnen sei gesagt: Wertvolle pädagogische Arbeit und
soziale Befriedung findet in erster Linie analog statt.
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Datum: 02.05.2018 - 21:05 Uhr
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