Studie der Otto Brenner Stiftung schlägt "Steuer-Siegel" für faire Unternehmen vor
ID: 1607614
Keine Klarheit bei Zahlung und kaum Transparenz bei der Vermeidung von Steuern in Deutschland
staatliche Verluste durch Steuervermeidung multinationaler Unternehmen in mindestens zweistelliger Milliardenhöhe
Vermeidungsmöglichkeiten begünstigen große, multinationale Unternehmen gegenüber kleineren Unternehmen
Studie identifiziert rechtliche Grauzonen und diskutiert zivilgesellschaftliche Alternativen
profilierte Experten schlagen ein "Steuer-Siegel" als Instrument vor
Siegel informiert die Öffentlichkeit, soll aber auch Druck für nachhaltige Lösungen stärken
Nach einer Studie der Otto Brenner Stiftung über "Unternehmensteuer in Deutschland" werden Unternehmen nicht gleichmäßig und entsprechend ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit besteuert. Ein zentraler Befund der empirischen Untersuchung ist allerdings auch, dass nicht genügend Informationen für einen umfassenden Vergleich von fairer Steuerzahlung und aggressiver Steuervermeidung öffentlich verfügbar sind. Es lassen sich Unterschiede zwischen Unternehmen feststellen: Einige Konzerne (Hugendubel, Lidl, Rewe, Aldi und Amazon) unterhalten Tochtergesellschaften in Steueroasen, denen aufgrund der zugänglichen Daten keine wirtschaftlichen Aktivitäten zugeordnet werden können. Andere Unternehmen veröffentlichen hingegen freiwillig zusätzliche Informationen über ihre Steuerzahlungen. Insgesamt kann das Ausmaß der unternehmerischen Steuervermeidungspraktiken, so ein weiteres Ergebnis der Studie, von zivilgesellschaftlichen Akteuren gegenwärtig nur mit erheblichem Aufwand (z.B. dank Rechercheprojekten wie den Panama- und Paradise-Papers) bewertet werden. Die Folge ist, dass das ungelöste Problem der Steuerzahlung und Steuervermeidung der Verhandlung zwischen Unternehmensexperten und nationalen Steuerbehörden überlassen bleibt.
Der steuerliche Spielraum der einzelnen Unternehmen, der auf Basis einer empirischen Analyse von vielfältigen Daten identifiziert worden ist, ist Anlass, ein "Steuer-Siegel" für faire (Unternehmens-) Steuerzahler als ersten Schritt vorzuschlagen. Die AutorInnen der Studie entwickeln und prüfen die Siegelkriterien. Sie kommen zwar zu dem Schluss, dass ein solches Siegel weder gesetzliche Maßnahmen noch die Arbeit der Betriebsprüfer ersetzen kann. Auch für die konkrete Umsetzung besteht nach Auffassung der SteuerexpertInnen noch Entwicklungsbedarf. Andererseits sehen sie in dem Siegel aber auch ein erstes wirksames Instrument, um die Neigung konkreter Unternehmen zu aggressiver Steuervermeidung besser zu beurteilen sowie positive Bemühungen von Unternehmen öffentlich sichtbar zu machen. Ein Siegel, so die Überzeugung von Stiftung und Studienautoren, hilft interessierten Bürgern und einer engagierten Zivilgesellschaft dabei, sich eine informierte Meinung zur Steuerdebatte zu bilden und kann auch den Druck erhöhen, nachhaltige politische Lösungen anzustreben und umzusetzen. Wichtig ist, dass der vorgeschlagene und untersuchte Ansatz des "Steuer-Siegels" nur ein Schritt in einer Reihe von Maßnahmen, die eine funktionierende Unternehmensbesteuerung gewährleisten sollen, darstellt. In der Studie werden deshalb weitere Vorschläge zur Diskussion gestellt, die sich an Politik, Unternehmen, Wissenschaft und Öffentlichkeit richten.
Die empirische Untersuchung beschäftigt sich mit Steuervermeidung von Unternehmen in Deutschland. Sie analysiert dazu vierzig Unternehmen des deutschen Einzelhandels der Branchen Lebensmittel, Bücher und Bekleidung. Es wird getestet, ob Unternehmen mit fairen Steuerpraktiken anhand öffentlich verfügbarer Informationen identifiziert werden können, bevor diskutiert wird, ob die Einführung eines Siegels für faire (Unternehmens-) Steuerzahlungen in Deutschland möglich und sinnvoll ist. Dazu wird in die Literatur und die Debatten zur Unternehmensbesteuerung eingeführt, ein Kriterienkatalog zur Bewertung der Steuerpraktiken entwickelt und dieser schließlich empirisch an ausgewählten Fällen erprobt. Die Studie greift auf eine Vielzahl öffentlich zugänglicher Daten zurück. Für die Untersuchung wurden u.a. Unternehmensregister gesichtet und Jahresabschlüsse der Unternehmen auswertet.
Die Studie "Unternehmensteuer in Deutschland. Rechtliche Grauzonen und zivilgesellschaftliche Alternativen" wurde von Christoph Trautvetter, Silke Ötsch, Markus Henn durchgeführt, von der Otto Brenner Stiftung gefördert und ist dort als Arbeitspapier 28 erschienen. Das Autorenteam engagiert sich u.a. im Netzwerk Steuergerechtigkeit und ist für Attac aktiv.
Christoph Trautvetter, Silke Ötsch, Markus Henn: Unternehmensteuern in Deutschland. Rechtliche Grauzonen und zivilgesellschaftliche Alternativen, OBS-Arbeitspapier 28, Frankfurt am Main, April 2018 (http://ow.ly/PACL30jAr8i)
Die Otto Brenner Stiftung ist die Wissenschaftsstiftung der IG Metall mit Sitz in Frankfurt am Main.
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Die Otto Brenner Stiftung ist die Wissenschaftsstiftung der IG Metall mit Sitz in Frankfurt am Main.
Datum: 04.05.2018 - 11:30 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1607614
Anzahl Zeichen: 5145
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Frankfurt am Main
Kategorie:
Finanzwesen
Diese Pressemitteilung wurde bisher 425 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Studie der Otto Brenner Stiftung schlägt "Steuer-Siegel" für faire Unternehmen vor"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Otto Brenner Stiftung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Vom 16. bis 19. Juni 2026 veranstaltet die Otto Brenner Stiftung der IG Metall das erste MEHR Festival in Frankfurt am Main. Das viertägige Format bringt Akteur*innen aus Gewerkschaft, Wissenschaft, NGOs, Aktivismus und Kultur zusammen, um gemeinsam an Lösungen für mehr Wirtschaftsdemokratie, ger
Otto Brenner Preis 2026: Otto Brenner Stiftung zeichnet investigativen Journalismus aus ...
21. Mal die Otto Brenner Preise für kritischen Journalismus. Nach der Neuausrichtung 2025 zeichnet der Preis auch lokaljournalistische Arbeiten aus und erhöht die Anzahl und das Fördervolumen der Recherche-Stipendien. Mit 36.500 Euro gehört der Otto Brenner Preis zu den höchstdotierten Journali
Otto Brenner Preis für kritischen Journalismus 2026 ausgeschrieben ...
+++ Deutliche Stärkung der Recherchestipendien, ein Preis für die beste lokale Recherche, Kooperation mit Netzwerk Recherche und Preisverleihung in Hamburg: Viele Neuerungen beim 21. Otto Brenner Preis für kritischen Journalismus +++ Die Otto Brenner Stiftung hat den 21. Otto Brenner Preis für
Weitere Mitteilungen von Otto Brenner Stiftung
Erfolgreiches Wachstum fortgesetzt: novomind macht 31 Millionen Euro Umsatz und expandiert international ...
Die Hamburger novomind AG setzt ihren Wachstumskurs fort und blickt erneut auf ein ausgezeichnetes Geschäftsjahr zurück: In 2017 setzten die unabhängigen Hamburger Software-Entwickler 31 Millionen Euro (2016: 27,8 Millionen Euro) um. Mit der Umsatzsteigerung von 12 Prozent im Vergleich zum Vorjah
Plus500 gibt Quartalsergebnis für das erste Quartal 2018 bekannt ...
Plus500, die weltweite Online-CFD-Handelsplattform, veröffentlicht heute sein Quartalsergebnis für das am 31 März zu Ende gegangene erste Quartal 2018. Rekordumsatz und -ergebnis: [list] Im ersten Quartal 2018 betrug der Umsatz 297,3 Mio. US-Dollar, was einer Steigerung von 284 Prozent gegenüber
Rheinmetall: Automotive mit profitablem Wachstum ...
. Konzernumsatz im ersten Quartal von Währungseffekten beeinflusst und mit 1.260 MioEUR leicht rückläufig bei stabiler Ergebnismarge Operatives Konzernergebnis von 47 MioEUR im ersten Quartal 2018 Automotive steigert Umsatz um 2% auf 751 MioEUR und Profitabilität auf 8,6% Defence steigert Auftra
"Return on Investment" ...
Mit der Erhaltung der Erwerbsfähigkeit fördern Leistungen zur Teilhabe die Gesundheit der Betroffenen und sichern darüber hinaus auch künftige Beitragsleistungen sowie den Erwerb von weiteren rentenrelevanten Versicherungszeiten. Allgemeines Gesundheit ist unbezahlbar. Eine Krankheit kann jeden




