Börsen-Zeitung: Duell der Giganten,
Kommentar zum Vorstoß von Vodafone von Heidi Rohde
ID: 1609627
bittet Vodafone in Deutschland zum Duell der Giganten. Die Übernahme
der Liberty-Aktivitäten folgt der Akquisition von Kabel Deutschland
vor fünf Jahren und formiert damit in weiten Teilen des Landes einen
starken Wettbewerber für die Deutsche Telekom. Das nötige Rüstzeug
für das große Gefecht kann der britische Mobilfunkriese, der sich in
Europa seit Jahren zielstrebig zum integrierten
Telekommunikationskonzern wandelt, ohne weiteres aufbieten.
In dem von Skaleneffekten getriebenen Geschäft verschafft sich
Vodafone mit dem Deal durch milliardenschwere Synergien die Basis für
Investitionen in den deutschen Markt. Darüber hinaus bleibt der
Konzern auch nach der Finanzierung des Barpreises von rund 11 Mrd.
Euro mit der angepeilten Nettoverschuldung für sein
Investmentgrade-Rating in der Komfortzone, so dass seine finanziellen
Spielräume nicht ausgeschöpft sind.
Dagegen erwischt die Transaktion die Deutsche Telekom in einem
Moment der Schwäche. Sollte der von den Bonnern in den USA
eingefädelte Zusammenschluss von T-Mobile US und Sprint gelingen,
müssen sie mittelfristig den Gürtel enger schnallen, denn die
Konzernverschuldung lässt keinerlei große Sprünge mehr zu. Auch mit
Rücksicht auf den Free Cash-flow und die Dividende dürfte es
schwierig werden, den Marktanteil hierzulande mit voluminösen
Marketingbudgets zu verteidigen.
Von daher ist es wenig überraschend, dass die Telekom gegen den
Vodafone-Zukauf Sturm läuft. Sie setzt auf regulatorische Waffen und
wirbt damit um die Gefolgschaft der TV- und Medienbranche.
Kartellrechtliche Bedenken wegen einer zu großen Marktmacht im
TV-Bereich hatten frühere Anläufe zur Kabelkonsolidierung zu Fall
gebracht. In einer durch digitales Pay-TV, Anbieter von
Internet-Fernsehen wie Netflix und Amazon und neue Sender zunehmend
fragmentierten Fernsehlandschaft verlieren diese Argumente allerdings
an Gewicht. Hier dürften keine Hindernisse drohen, die nicht durch
geeignete Auflagen zu überwinden wären.
Weil Vodafone künftig über eine Festnetzinfrastruktur verfügen
würde, die zwei Drittel aller bundesdeutschen Haushalte erreicht,
sollte die Telekom Chancen haben, Änderungen ihres regulatorischen
Korsetts herbeizuführen. Sie kann mit Fug und Recht auf gleiche
Wettbewerbsbedingungen pochen. Was sie nicht verlangen kann, ist
Schutz vor Wettbewerb.
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Datum: 10.05.2018 - 20:35 Uhr
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