ARMIN-Projektpartner ziehen Zwischenbilanz und suchen das Gespräch mit der Politik
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So lassen sich die bisherigen Erfahrungen mit der
Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen (ARMIN) in drei Worten
zusammenfassen. Nach gut vier Jahren ARMIN ziehen die fünf
Projektpartner eine Zwischenbilanz und benennen in dem Zusammenhang
Herausforderungen für die Politik, die Selbstverwaltung und die
Industrie, um ARMIN bzw. das Medikationsmanagement am Ende der
Modellaufzeit in die Regelversorgung überführen zu können. Zum
heutigen 11. Gesundheitsforum Sachsen - Thüringen werden die
grundsätzlichen Herausforderungen den anwesenden Fachleuten
vorgestellt. Die Forderungen sollen Anstoß sein, seit längerem
bekannte Defizite bei der sektorenübergreifenden Versorgung zu
beheben.
Zu den Adressaten des Papiers zählen unter anderem
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, die Mitglieder des
Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag, die zuständigen
Sozialministerien in Sachsen und Thüringen, die Kassenärztliche
Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband. Ziel der fünf
ARMIN-Vertragspartner ist es, aufgrund der gesammelten Erfahrungen
den Weg für die zukünftige Patientenversorgung zu ebnen.
Der Erfolg von ARMIN spricht für sich. "Auch wenn wir aktuell erst
im Planungsprozess für die Evaluation sind, wissen wir bereits aus
den Gesprächen mit unseren Patienten, dass sich durch ARMIN deren
Vertrauen in die Arzneimitteltherapie erhöht und damit auch deren
Therapietreue verbessert hat", meint Thomas Dittrich, Vorsitzender
des Sächsischen Apothekerverbandes e. V.. "Wie erwartet, konnten wir
falsche Medikamenteneinnahmen, das betrifft sowohl die Tageszeit wie
auch die Art der Einnahme, bei vorrangig älteren Patienten aufklären
oder unerwünschte Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln nach
Rücksprache mit dem behandelnden Arzt ausschließen. Kurzfristig ist
dies ein gesundheitlicher Mehrwert für den einzelnen Patienten,
langfristig ein wirtschaftlicher für die gesamte
Solidargemeinschaft."
"Mit ARMIN leisten wir eine wichtige Vorarbeit für die Kooperation
von Ärzten und Apothekern bei der Erstellung von Medikationsplänen
und damit für die Steigerung der Therapiesicherheit", sagt die 1.
Vorsitzende des Vorstandes der Kassenärztlichen Vereinigung
Thüringen, Dr. med. Annette Rommel: "Damit davon möglichst viele
Patienten bundesweit profitieren können, müssen jedoch noch
technische Hürden genommen und gesetzliche Regelungen getroffen
werden. Darüber müssen wir mit den Verantwortlichen in Politik und
Industrie sprechen. Das wäre auch im Interesse anderer innovativer
Modellprojekte, die höchstwahrscheinlich mit denselben Widrigkeiten
kämpfen."
Beispielsweise lautet eine Forderung, die Durchführung von
pharmazeutischen Dienstleistungen in der Regelversorgung zu
ermöglichen. "Damit unsere Patienten auch nach der Modelllaufzeit von
den Vorteilen des ARMIN-Medikationsmanagements profitieren können,
müssen die derzeit geltenden Regelungen im Sozialgesetzbuch für Ärzte
wie auch für die Apotheken erweitert werden", erklärt Rainer
Striebel, Vorstandsvorsitzender der AOK PLUS.
Ein weiterer Aufruf bezieht sich auf den mit dem E-Health-Gesetz
eingeführten bundeseinheitlichen Medikationsplan, der bei weitem
nicht die ihm angedachte Rolle einnimmt. "Es müssen technisch und
organisatorisch einheitliche Rahmenbedingungen erarbeitet werden,
damit der elektronische Medikationsplan sektorenübergreifend, d.h.
unabhängig vom jeweiligen Softwaresystem des Heilberuflers, genutzt
werden kann", erklärt Stefan Fink, Vorsitzender des Thüringer
Apothekerverbandes e. V.
Hinzu kommt, dass es derzeit in den Softwaresystemen der
Leistungserbringer mehrere nebeneinander existierende
Medikationsplanformate gibt, die in der Regel nicht miteinander
interagieren. "Um die Akzeptanz elektronischer Medikationspläne zu
erhöhen und entsprechend für alle beteiligten Heilberufler nutzbar zu
machen, müssen Medikationsdaten verarbeitende E-Health-Anwendungen
grundsätzlich auf einem einheitlichen Medikationsplanformat
basieren", so Dr. Klaus Heckemann, Vorstandsvorsitzender der
Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen.
Weitere Anforderungen beziehen sich auf die Schaffung von
Rahmenbedingungen für einheitliche Arzneimittelinformationen, die
Senkung bürokratischer Hürden bei der Durchführung von
Modellprojekten, die gesetzliche Anpassung für die bundesweite
Etablierung einer Wirkstoffverordnung sowie die anwenderfreundliche
Gestaltung von Softwarelösungen.
In ARMIN wurden bisher über drei Millionen Wirkstoffverordnungen
ausgestellt. Rund 3.500 Patienten werden aktuell im
ARMIN-Medikationsmanagement betreut.
Die Arzneimittelinitiative ARMIN ist ein gemeinsames Projekt der
Ärzte und Apotheker Sachsens und Thüringens sowie der AOK PLUS. Mit
dem Modellvorhaben, bei dem Ärzte nach Möglichkeit nur noch
Wirkstoffe verordnen und die Apotheker die entsprechenden Medikamente
ausgeben, soll die Qualität und Wirtschaftlichkeit der
Arzneimittelversorgung erhöht werden. Der Medikationsplan ist Teil
des dritten und abschließenden Moduls von ARMIN, dem
Medikationsmanagement. Es soll vor allem chronisch kranken Patienten
helfen, die in der Regel mindestens fünf Medikamente einnehmen.
Weitere Informationen finden Sie auf der
ARMIN-Internetpräsentation: www.arzneimittelinitiative.de
Pressekontakt:
Dr. Kathrin Quellmalz
Telefon: 03411 33652-44
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Datum: 18.06.2018 - 13:30 Uhr
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