Textilsiegel 'Grüner Knopf' / Mehr Schein als Sein
ID: 1625603
bald das Siegel 'Grüner Knopf' für Textilien einzuführen. Die
Kampagne für Saubere Kleidung warnt jedoch eindringlich vor der
Gefahr der Verwässerung. Durch das Siegel möchte Entwicklungsminister
Gerd Müller für Verbraucher*innen auf den ersten Blick erkenntlich
machen, ob das gekaufte Kleidungsstück auch unter ökologisch guten
und sozial verträglichen Bedingungen hergestellt wurde. "Ein solches
Siegel ist unter zwei Bedingungen für Verbraucher*innen
wünschenswert: Wenn es anspruchsvolle soziale und ökologische
Standards beinhaltet und wenn es die gesamte textile
Wertschöpfungskette, also vom Baumwollfeld bis zum Kleiderbügel,
abdeckt. Bei dem freiwilligen Siegel 'Grüner Knopf' besteht jedoch
die Gefahr der Verwässerung", so Ingeborg Mehser vom Kirchlichen
Dienst in der Arbeitswelt.
NUR EIN TEIL DER PRODUKTIONSKETTE ABGEDECKT
Noch ist unklar, welche Standards dem 'Grünen Knopf' zugrunde
liegen werden. Fest steht aber: Das Siegel wird keine faire und
ökologische Produktion für die gesamte Produktionskette
gewährleisten, denn es soll sich erst einmal nur auf die Konfektion,
also auf das Nähen der Kleidung, beschränken. Dies kann die
Verbraucher*innen leicht irreführen, denn es suggeriert öko-faire
Produktion in der gesamten Wertschöpfungskette.
KEINE GLAUBWÜRDIGE KONTROLLINSTANZ
Noch ist fragwürdig, wie das Ministerium die Kontrolle des Siegels
gewährleisten will. Aus über 20 Jahren Erfahrung weiß die Kampagne
für Saubere Kleidung, dass nur die Verifizierung durch ein
Multi-Stakeholder-Gremium Glaubwürdigkeit schaffen kann. In einer
solchen Initiative treffen Unternehmen,
Arbeitnehmer*innen-Vertretungen und die Zivilgesellschaft die
Entscheidungen gleichberechtigt. Beim 'Grünen Knopf' scheinen auch
Kontrollen nur durch Audit-Unternehmen möglich zu sein, was in den
seltensten Fällen zu positiven Veränderungen in den Nähfabriken
weltweit führt.
SIEGEL FÜR EINZELNE PRODUKTE VERSPRICHT KEINEN WANDEL
Kritisch sieht die Kampagne für Saubere Kleidung auch den
produktbezogenen Ansatz, denn dadurch besteht die Gefahr des
Greenwashings. Wenn ein Unternehmen nur ein Produkt aus dem Sortiment
unter akzeptablen Bedingungen herstellt, dann wird es seine
Einkaufspraxis nicht grundsätzlich ändern. Es muss die Lieferzeiten
nicht verlängern und keine höheren Preise zahlen. "Die
Arbeitsbedingungen der absoluten Mehrheit der Näher*innen änderten
sich dadurch nicht, ihre Löhne reichten weiterhin nicht zum Leben aus
und sie wären weiterhin auf exzessive Überstunden angewiesen", so
Pfarrer Dietrich Weinbrenner, kirchlicher Beauftragter für
nachhaltige Textilien.
Ein Weg aus diesem Dilemma wäre, die Einhaltung von
Sorgfaltspflichten des Gesamt-Unternehmens als Voraussetzung für ein
Siegel zu verlangen. Somit müsste ein Unternehmen nachweisen, dass es
seine Lieferketten kennt und Risiken vorausschauend vermeidet. Auch
dies muss glaubwürdig über ein Multi-Stakeholder-Gremium kontrolliert
werden.
Maik Pflaum von der Christlichen Initiative Romero warnt: "Der
Entwicklungsminister muss verhindern, dass der 'Grüne Knopf' nur ein
weiteres Siegel wird, das nicht hält, was es verspricht. Dies würde
bei den Verbraucher*innen zu einem weiteren Vertrauensschwund
führen."
Pressekontakt:
Für Fragen stehen Ihnen zur Verfügung:
Geschäftsführender Ausschuss der Kampagne für Saubere Kleidung
Deutschland:
Ingeborg Mehser
Referentin beim Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt Bremen
Tel: 0421 346 15 23
ingeborg.mehser@kirche-bremen.de
Maik Pflaum
Referent für Arbeitsrechte der Christlichen Initiative Romero
Tel: 0911 214 23 45
pflaum@ci-romero.de
Pfarrer Dietrich Weinbrenner
Beauftragter für nachhaltige Textilien in der Ev. Kirche von
Westfalen und der Vereinten Ev. Mission
Tel: 02302 91 23 46
weinbrenner-d@vemission.org
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Datum: 28.06.2018 - 09:00 Uhr
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