Börsen-Zeitung: US-Kurve vor der Inversion / Kommentar zum Bondmarkt und der Zinsstruktur von Kai Johannsen
ID: 1626393
Betrachtet wird der Abstand zwischen den zwei- und zehnjährigen
US-Staatsanleiherenditen und die Veränderung dieses Renditeabstands
im Zeitablauf, um daraus Schlussfolgerungen für realwirtschaftliche
Entwicklungen abzuleiten. Derzeit liegt der Renditeabstand im
genannten Laufzeitenbereich noch gerade einmal bei etwas mehr als 30
Basispunkten, die zehnjährige US-Rendite liegt bei gut 2,80%. Dies
ist der geringste Renditeabstand - die Kurve also auf dem flachsten
Niveau - seit dem Jahr 2007. Allein in den vergangenen zwei Monaten
ist der Abstand um gut 15 Basispunkte gesunken, die Kurve hat sich
also um dieses Ausmaß verflacht. Das ist schon ordentlich.
Eine flacher werdende Kurve der US-Staatsanleiherenditen
signalisiert in der Lesart der Märkte eine sich abkühlende
Wirtschaft. Eine komplett flache Kurve liegt vor, wenn die Renditen
der zwei- und zehnjährigen US-Staatsanleihen auf dem gleichen Niveau
liegen. Davon ist der Markt also nicht mehr weit entfernt. Sollte
sich dieser Trend darüber hinaus fortsetzen, kommt es zur sogenannten
Inversion der Zinskurve, d. h., die langfristigen -
zehnjährigen - Marktzinsen liegen damit unter den kurzfristigen -
zweijährigen - Marktrenditen. Die Formation der Zinsstrukturkurve
hat in der Vergangenheit verlässlich Signale bezüglich der
konjunkturellen Entwicklung gegeben. Eine Kurveninversion
signalisierte den Marktteilnehmern eine spätere Rezession. Sie folgte
für gewöhnlich rund zwei Jahre nach dem Einsetzen der
Kurveninversion. Der Markt könnte also bald dieses Signal geben.
Recht stetig bewegt sich die Kurve nämlich auf diese Inversion zu.
Das deckt sich mit anderen Marktgegebenheiten. Viele
Marktteilnehmer gehen davon aus, dass die US-Notenbank Fed ihren
Normalisierungskurs in der Geldpolitik in den kommenden Monaten
fortsetzt. Dafür sind die Statements aus den Reihen der
US-Notenbanker viel zu unmissverständlich. So gehen die
Bondmarktakteure davon aus, dass dies auch die Zinsen am Markt weiter
nach oben treiben wird. In den vergangenen Tagen haben Umfragen
gezeigt, dass die Marktteilnehmer davon ausgehen, dass die
zehnjährige US-Staatsanleiherendite weiter steigen wird.
Auch am kurzen Ende werden weitere Steigerungen einkalkuliert. Es
gibt jedoch auch ein großes Aber, das mit angeführt wird. Viele
Akteure halten es für wahrscheinlich, dass die Fed mit ihrem
Normalisierungskurs übers Ziel hinausschießen wird, d. h., dass
sie die Leitzinsen im Urteil der Märkte zu stark anhebt und sie damit
die im Juli 2009 begonnene Expansion der US-Wirtschaft abwürgt. Der
Handelsstreit und eine Eskalation desselben kommen als
Belastungsfaktor für die US-Konjunktur hinzu.
Sollte es genau dazu kommen, müsste die Fed wieder gegensteuern,
womöglich schon bevor sie sich in Sachen Zinssenkungsspielraum
genügend Pulver bereitgelegt hat. Denn wenn die Wirtschaft abflauen
sollte - das deutet die flachere Zinskurve an - oder wenn die
Wirtschaft gar in den Rezessionsmodus übergeht, werden die
US-Zentralbanker mit Zinssenkungen der Wirtschaft zur Seite springen
müssen. Genau darauf stellen sich Marktteilnehmer bei einer inversen
Kurve ein: Auf längere Sicht sinken die Zinsen wieder, der
Anleihemarkt nimmt diese Entwicklung vorweg, und zwar in Form der
inversen Kurve.
Eine abflauende Wirtschaft oder gar eine US-Rezession bekommen
auch die Unternehmen und Haushalte in der Eurozone über die
internationalen Wirtschaftszusammenhänge zu spüren. Eine flaue
US-Wirtschaft impliziert einen schwächeren Dollar. Waren der
europäischen Firmen werden bei einem stärkeren Euro für Adressen im
Ausland somit teurer. Die Exporte europäischer Firmen in die USA
neigen somit zu Rückgängen. Das bedeutet weniger Umsatz für
Unternehmen. Das erhöht den Kostendruck und schmälert in der Tendenz
die Gewinne. Die Konjunktur neigt dann auch in der Eurozone zur
Schwäche. Die erste Leitzinserhöhung in der Eurozone nach der
Staatsschuldenkrise würde sich damit weiter in Ferne verschieben.
Auch aus der Eurozone kommen Signale, dass die Wirtschaft
zumindest nicht mehr auf Hochtouren läuft. So ging in der
abgelaufenen Woche der Ifo-Geschäftsklimaindex zurück. Das hat zwar
noch keine besorgniserregenden Ausmaße angenommen, sollte aber auch
nicht völlig ausgeblendet werden. Damit stehen die Zeichen in der
Eurozone auch nicht auf stark steigende Marktzinssätze. Auch das ist
an den Bundrenditen ablesbar. Sie weisen eher gen Süden als gen
Norden.
Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion
Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de
Original-Content von: Börsen-Zeitung, übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 29.06.2018 - 19:45 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1626393
Anzahl Zeichen: 5250
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Frankfurt
Kategorie:
Wirtschaft (allg.)
Diese Pressemitteilung wurde bisher 511 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Börsen-Zeitung: US-Kurve vor der Inversion / Kommentar zum Bondmarkt und der Zinsstruktur von Kai Johannsen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Börsen-Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Die internationale Anleihefamilie ist vor wenigen Tagen um ein neues Mitglied erweitert worden. Nach den Green Bonds gibt es nun einen weiteren Bond mit Farbanstrich: Blue Bonds. Die Pionierrolle übernahm die Inselrepublik Seychellen, die einen zehnjährigen Bond zu einer Rendite von 6,5 Pro
Börsen-Zeitung: Die Hoffnung stirbt zuletzt, Kommentar zum Brexit von Andreas Hippin ...
Die britische Regierung hat derzeit ein großes Interesse daran, einen Deal mit der EU in greifbare Nähe rücken zu lassen. Spindoktoren haben Urlaubssperre. Positive Äußerungen aus London erhöhen den Druck auf die Gegenseite, Zugeständnisse zu machen, so das Kalkül. Zudem will Premiermin
Börsen-Zeitung: Trick or Treat?, Kommentar zur chinesischen Konjunktur von Norbert Hellmann ...
Passend zum Halloween-Fest laufen aus China gruselige Konjunkturdaten ein. Der offizielle Einkaufsmanagerindex für den Industriesektor, der die Stimmungslage bei den großen Zugpferden im Verarbeitenden Gewerbe abbildet, fällt wesentlich stärker als erwartet auf 50,2 Punkte und damit auf den
Weitere Mitteilungen von Börsen-Zeitung
Carrizo Oil bildet Doppelboden - Typisches Signal für steigende Kurse ...
Erst Anfang März hat Carizzo Oil & Gas Inc. ein neues Tief bei 14 $ beschrieben. Doch wie im September letzten Jahres hat Carrizo auch hier einen Boden gefunden. In unserem Newsletter vom 16. Mai haben wir ausführlich analysiert, wie sich dieser Doppelboden im Kontext darstellt und wie Anleger
Die Suche nach einem kostengünstigsten Aktienbroker hat ein Ende ...
Wer kommissionsfrei Aktien handeln will oder durch regelmäßige Nachkäufe ein Depot aufbauen möchte, um vom Wachstum an den Weltmärkten zu profitieren, sollte sich das neue Angebot von XTB genauer anschauen. Der revolutionäre Charakter des Angebots ergibt sich aus zwei wesentlichen Faktoren:
Steppe Gold Limited: Entwicklungs-Update ...
Steppe Gold Limited: Entwicklungs-Update 27. Juni 2018 Toronto, Ontario. - Steppe Gold Limited (TSX: STGO) (das Unternehmen oder Steppe Gold) gibt folgendes Entwicklungs-Update hinsichtlich der ersten Produktion auf ihrem Flaggschiff-Goldprojekt Altan Tsagaan Ovoo (ATO). MINENENTWICKLUNG AU
(Korrektur: FordPass Bike- Radler sparten 171 Tonnen CO2 / 29.06.2018, 15.25 Uhr) (FOTO) ...
Bitte beachten Sie die korrekte Kilometerangabe in der ersten Aufzählung sowie im ersten Absatz: Hier muß es heißen 1,5 Mio Kilometer und nicht 1.500 Kilometer. Es folgt die korrigierte Pressemitteilung. - FordPass Bikes legten seit ihrer Einführung bereits 1.5 Mio Kilometer zurück - Ei


" alt="Steppe Gold Limited: Entwicklungs-Update
