Geschäftsmann soll Jugendämter um hunderttausende Euro betrogen haben
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Ein bereits vorbestrafter Geschäftsmann soll mehrere Jugendämter
in bis zu sechs Bundesländern um mehrere hunderttausend Euro betrogen
haben. Das ergaben gemeinsame Recherchen der Politikmagazine "exakt"
(MDR) und "Kontrovers" (BR). Demnach hat Alois B. von 2013 an
öffentliche Gelder von Jugendämtern beispielsweise aus Sachsen,
Bayern und Brandenburg mutmaßlich veruntreut. Derzeit ermitteln den
Recherchen zufolge fünf Staatsanwaltschaften gegen B. Das Amtsgericht
Berlin Tiergarten hat bereits Anklage gegen B. wegen Betruges und
Wirtschaftsdelikten erhoben.
Alois B. soll nach Aussagen mehrerer ehemaliger Angestellter mit
seinen Firmen die Betreuung für schutzbedürftige Kinder und
Jugendliche in freier Trägerschaft übernommen haben. Dafür habe er
von Jugendämtern Geld kassiert, dieses aber nur zum Teil zweckgemäß
eingesetzt. Mehrere Erzieher und Sozialarbeiter berichten, sie hätten
monatelang keinen Lohn erhalten. Es gäbe Außenstände bei
Sozialversicherungen und Vermietern. Außerdem sei zumindest in einer
Einrichtung das Geld für das Essen der Jugendlichen zu knapp bemessen
gewesen.
Möglich wurde der mutmaßliche Betrug nach Einschätzung von
Experten durch die fehlende personelle Ausstattung der Ämter und die
mangelhafte Vernetzung der Jugendämter untereinander. Der
Amtsdirektor des Jugendamtes Tempelhof-Schöneberg in Berlin, Rainer
Schwarz, sagte MDR-"exakt": "Über Ländergrenzen hinweg ist die
Vernetzung tatsächlich schwierig. Man verständigt sich, wenn man mal
jemanden erreicht. Aber es gibt keine strukturierte Vernetzung."
Der familienpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion,
Marcus Weinberg (CDU), zeigte sich schockiert über die Vorfälle.
"Dass es mehreren Jugendämtern in diesem Fall nicht mal aufgefallen
ist, dass kein Führungszeugnis und keine Betriebserlaubnis vorliegen,
macht mich fassungslos", sagte Weinberg.
Mehr dazu unter https://mdr.de/investigativ.
Pressekontakt:
MDR, CvD "exakt": Anja Riediger, Tel.: (0341) 3 00 48 45,
E-Mail: Anja.Riediger@mdr.de
BR, CvD "Kontrovers": Helga van Ooijen, Tel.: (089) 59 00 254 45
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Datum: 26.07.2018 - 10:47 Uhr
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