"Wir brauchen Humanität und Solidarität" / Brot für die Welt legt Jahresbilanz vor - Entwicklungszusammenarbeit nicht instrumentalisieren
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der Flucht vor Krieg und Konflikten. Im vergangenen Jahr hat sich die
Zahl um drei Millionen erhöht, hauptsächlich durch die Zuspitzung der
Lage im Südsudan, in Syrien und Myanmar. Mit der Zahl der Flüchtlinge
stieg auch die Zahl der Hungernden weltweit um 38 Millionen auf nun
815 Millionen Menschen an. Zuvor war die Zahl ein Jahrzehnt
rückläufig. Cornelia Füllkrug-Weitzel, die Präsidentin von Brot für
die Welt, sagt: "Das muss uns alarmieren, nicht nur weil es
Fluchtgründe schafft. Leider geht es in Deutschland derzeit jedoch
vor allem darum, wie Entwicklungszusammenarbeit am effektivsten
Flüchtlinge aus Europa fernhalten kann. Hier von
Fluchtursachenbekämpfung zu reden, ist Augenwischerei."
Füllkrug-Weitzel warnt zugleich vor überzogenen Erwartungen: "Wir
dürfen Entwicklungszusammenarbeit weder instrumentalisieren noch
überfrachten. Schon ein Blick auf die Haupttreiber von Flucht und
erzwungener Migration zeigt, dass kriegerische Konflikte,
Ernährungskrisen und klimabedingte Zerstörung von Lebensgrundlagen
eine nachhaltige und ressortübergreifende Politik erfordern. Das muss
eine Politik sein, die auch die eigene Mitverantwortung für die
Fluchtursachen wie Waffenexporte und unfaire Handelsbeziehungen
anerkennt."
Mit Sorge sieht Brot für die Welt den weltweiten Trend,
Entwicklungsgelder auch für sicherheitspolitische und militärische
Aufgaben oder Migrationskontrolle zu nutzen. So wurde das europäische
Instrument für Stabilität und Frieden, kurz IcSP, das ausdrücklich
für die Verhütung von Gewaltkonflikten und zivile Aktivitäten der
Friedensförderung bestimmt war, 2017 für Militärhilfe geöffnet.
Mit Blick auf Migration erklärte die Präsidentin bei der
Präsentation der Jahresbilanz in Berlin: "Wir brauchen Humanität und
Solidarität. Wir brauchen eine humane, solidarische und
entwicklungsförderliche Gestaltung der Migration. Wir sind überzeugt,
dass dafür internationale Vereinbarungen und nicht nationale
Alleingänge nötig sind." Vorbild könnte der Verhandlungsprozess zum
Pariser Klima-Abkommen sein. Die Vereinten Nationen haben mit dem
Globalen Migrationspakt ein sehr gutes Regelwerk entworfen, das im
Dezember bei einer Gipfelkonferenz in Marokko besiegelt werden soll.
Einnahmen und Ausgaben
Brot für die Welt hat im vergangenen Jahr mehr als 61,8 Millionen
Euro an Spenden und Kollekten erhalten. Das ist eine leichte
Steigerung um 50.000 Euro gegenüber dem Vorjahr. Neben Spenden und
Kollekten erhielt Brot für die Welt 2017 Mittel des Kirchlichen
Entwicklungsdienstes (KED; 54,7 Mio. Euro) und Beiträge Dritter
(150,6 Mio. Euro), vor allem aus dem Bundesministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Insgesamt
standen dem Hilfswerk der evangelischen Kirchen und Freikirchen 282,2
Millionen Euro (2016: 273,5 Mio. Euro) zur Überwindung von Armut,
Hunger und Ungerechtigkeit zur Verfügung, das waren 3,2 Prozent mehr
als 2016.
Für die Projektarbeit waren 252,7 Millionen Euro oder 91,2 Prozent
der Mittel bestimmt. Das entspricht einer Steigerung um 2,5 Prozent
gegenüber dem Vorjahr. Weltweit wurden im vergangenen Jahr 680
Projekte neu bewilligt. Regionaler Schwerpunkt war Afrika. Die
Ausgaben für Werbung und allgemeine Öffentlichkeitsarbeit lagen bei
2,7 Prozent und für Verwaltung bei 6,1 Prozent.
Brot für die Welt arbeitet in mehr als 90 Ländern mit lokalen
Partnern zusammen. Das evangelische Hilfswerk wurde 1959 gegründet
und unterstützt Menschen unabhängig von ihrer Volks- oder
Religionszugehörigkeit.
Hintergrund
Zahl der Flüchtlinge:
Im Jahr 2017 waren nach Angaben des UNO-Flüchtlingshilfswerks
(UNHCR) 68,5 Millionen Männer, Frauen und Kinder auf der Flucht. Gut
40 Millionen der Flüchtlinge sind Binnenvertriebene, die in ihrem
Heimatland Schutz suchen. Die meisten, die Grenzen passieren, bleiben
in Nachbarländern. Von den 19,9 Millionen Menschen unter UNHCR-Mandat
leben 16,9 Millionen in Entwicklungsländern. 3,1 Millionen Menschen
unter den 68,5 Millionen sind Asylsuchende.
Zahl der Hungernden:
Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO (2017) waren 2016
815 Millionen Menschen unterernährt, das bedeutet einen Anstieg um 38
Millionen Menschen gegenüber dem Vorjahr. Ursachen sind vor allem
Kriege, Vertreibung und Klimaveränderungen.
Hinweise für Redaktionen:
Für Ihre Recherche steht eine digitale Pressemappe mit dem
Jahresbericht, Pressefotos, interaktiven Infografiken und weitere
Downloads bereit:
www.brot-fuer-die-welt.de/bilanz
Eindrücke von der Jahres-Pressekonferenz auf
Twitter: @BROT_furdiewelt, #brotbilanz
Pressekontakt:
Renate Vacker, renate.vacker@brot-fuer-die-welt.de
Tel.: 030 65211 1833 oder 0174 3020158
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Datum: 09.08.2018 - 11:03 Uhr
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