Börsen-Zeitung: Ein Klumpen Risiko,
Kommentar zur Bankenaufsicht von Bernd Neubacher
ID: 1640076
Es ist wieder die Zeit, in der man die Forderungen von Banken in
einem kriselnden Land zusammenrechnet, um zu ermitteln, von welchen
Instituten sich An- und Einleger lieber fernhalten sollten.
Angesichts des Verfalls der türkischen Lira staunten Beobachter
dieser Tage nicht schlecht: Da steht bei der spanischen Großbank BBVA
mal eben knapp das Doppelte des harten Kernkapitals am Bosporus im
Feuer; Unicredit ist dort mit 84 Prozent des Eigenkapitals am Start,
ING mischt mit 39 Prozent mit. Zwar zählt bei der Bewertung solcher
Exposures nicht nur das schiere Volumen, sondern auch die Frage nach
Sicherheiten, Laufzeiten und Risikogewichtungen. Dennoch dürfte klar
sein: Das Klumpenrisiko ist jeweils zu hoch oder aber das
Eigenkapital zu niedrig - in Spanien entfällt ohnehin rund ein
Viertel der "harten" Eigenmittel nicht auf gezeichnetes Kapital,
sondern auf in Steuergutschriften umgewandelte Verlustvorträge.
Die Lage in der Türkei ist nicht für jeden Marktakteur
überraschend eskaliert. Institute wie der Wiesbadener
Immobilienfinanzierer Aareal haben ihr Exposure dort schon vor Jahren
auf verdauliche Größen abgebaut. BBVA stockte ihren Anteil an der
Garanti Group, der zweitgrößten Bank des Landes, um zehn
Prozentpunkte auf fast 50 Prozent auf. Nun muss man nicht Sitz und
Stimme im Europäischen Ausschuss für Systemrisiken haben, um vor
einem Szenario Bammel zu bekommen, in dem die Türkei-Krise auf andere
Schwellenländer etwa in Lateinamerika übergreift. Denn in Südamerika
holt BBVA mehr Erträge herein als auf dem spanischen Heimatmarkt.
Wenn schon das Management des Instituts die Steuerung der
Klumpenrisiken nicht beherrscht, warum hat dann die Aufsicht nicht
beizeiten interveniert? Vermutlich geht man nicht ganz fehl in der
Annahme, dass die EZB angesichts der Türkei-Risiken derzeit
entsprechende Eigenkapitalzuschläge plant oder den Banken einen
geordneten Rückzug aus ihren Engagements am Bosporus nahelegt. Es
könnte bereits zu spät sein.
Tatsächlich sind das Management der Banken und die EZB nun ein
leichtes Ziel der Kritik, aber nicht das einzige. Wahr ist ebenso:
Regulierer, die es Kreditinstituten ermöglichen, gerade einmal 3
Prozent ihrer Bilanzsumme als Eigenkapital zu halten, dürfen sich
nicht beschweren, wenn eine Krise die Häuser rasch zu überfordern
droht. Allen teilweise berechtigten Beschwerden über Überregulierung
zum Trotz zeigen die Verwerfungen in der Türkei auch: Etliche Banken
haben nach wie vor zu wenig Eigenkapital.
Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion
Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de
Original-Content von: Börsen-Zeitung, übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 15.08.2018 - 20:30 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1640076
Anzahl Zeichen: 3055
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Frankfurt
Kategorie:
Wirtschaft (allg.)
Diese Pressemitteilung wurde bisher 494 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Börsen-Zeitung: Ein Klumpen Risiko,
Kommentar zur Bankenaufsicht von Bernd Neubacher"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Börsen-Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Die internationale Anleihefamilie ist vor wenigen Tagen um ein neues Mitglied erweitert worden. Nach den Green Bonds gibt es nun einen weiteren Bond mit Farbanstrich: Blue Bonds. Die Pionierrolle übernahm die Inselrepublik Seychellen, die einen zehnjährigen Bond zu einer Rendite von 6,5 Pro
Börsen-Zeitung: Die Hoffnung stirbt zuletzt, Kommentar zum Brexit von Andreas Hippin ...
Die britische Regierung hat derzeit ein großes Interesse daran, einen Deal mit der EU in greifbare Nähe rücken zu lassen. Spindoktoren haben Urlaubssperre. Positive Äußerungen aus London erhöhen den Druck auf die Gegenseite, Zugeständnisse zu machen, so das Kalkül. Zudem will Premiermin
Börsen-Zeitung: Trick or Treat?, Kommentar zur chinesischen Konjunktur von Norbert Hellmann ...
Passend zum Halloween-Fest laufen aus China gruselige Konjunkturdaten ein. Der offizielle Einkaufsmanagerindex für den Industriesektor, der die Stimmungslage bei den großen Zugpferden im Verarbeitenden Gewerbe abbildet, fällt wesentlich stärker als erwartet auf 50,2 Punkte und damit auf den
Weitere Mitteilungen von Börsen-Zeitung
Der Tagesspiegel: Tagesspiegel exklusiv: In Berlin und Brandenburg 174 Patienten vom Lunapharm-Skandal um Krebsmedikamente betroffen ...
Im Skandal um möglicherweise unwirksame Krebsmedikamente des unter Hehlereiverdacht stehenden Medikamentenhändlers Lunapharm aus Brandenburg ist jetzt erstmals bekannt geworden, wie viele Patienten in der Region zuletzt Mittel der beschuldigten Firma in Mahlow bekommen haben: Nach Tagesspiege
Neues Millionen-Investment für den Online-Möbelhandel ...
Die Gründer und Geschäftsführer des Wohndesign-Shops Connox, Kristian Lenz und Thilo Haas, erweitern den Gesellschafterkreis ihrer GmbH. Der Hannover Beteiligungsfonds (HBF) der Wirtschaftsförderungsgesellschaft hannoverimpuls und die BeteiligungsKapital Hannover (BKH) der Sparkasse investie
Wer wird mein Nachfolger? Die richtige Vorbereitung für die nächste Führungsgeneration ...
Schnell hat man das Horror-Szenario vor Augen: Jahrelang hat man ein Unternehmen aufgebaut, es erfolgreich geführt und ganz nach vorne gebracht. Doch dann kommt der Nachfolger und wirtschaftet es herunter, kündigt treue Mitarbeiter und geht schließlich in Konkurs. So etwas wünscht sich keiner. B
MAG Silver berichtet Finanzergebnisse des zweiten Quartals ...
MAG Silver berichtet Finanzergebnisse des zweiten Quartals Vancouver, B.C. MAG Silver Corp. (TSX und NYSE AMERICAN: MAG) (MAG oder das Unternehmen - http://www.commodity-tv.net/c/search_adv/?v=298243) gibt die ungeprüften Finanzergebnisse des Unternehmens für die drei und sech




