Chemie - im freien Fall
ID: 164568
Umsatzrückgänge von mehr als 13 Prozent in 2009 - Auslandgeschäft beschert Defizit von 12 Prozent
"Es wird interessant sein zu beobachten, wie neue Manager à la Dekkers (Bayer AG) ihre Unternehmen ausrichten werden. Allgemein kann man sagen, dass die Rahmenbedingungen für die chemische Industrie in 2010 schwierig bleiben werden. Erst ab 2012 erwartet die Branche einen nachhaltigen Aufschwung. Dann könnte das Niveau von 2007 bzw. Anfang 2008 wieder erreicht werden. Der Margendruck wird in 2010 bleiben, auch wegen eines starken Wettbewerbs ausländischer Anbieter, wie der saudi-arabischen Sabic, der internationalen Petroleum Investment Company (IPIC) oder Sinochem aus China. Gegenüber den europäischen Chemieunternehmen können sie mit günstigen Rohstoff- und Produktionskosten aufwarten", erklärt Claus-PeterBarfeld, Geschäftsführer der Barfeld & Partner GmbH.
Als Lichtblick am Ende des Tunnels war das Anfahren abgeschalteter Anlagen in der zweiten Jahreshälfte 2009 zu sehen. Trotzdem lag die branchenweite Kapazitätsauslastung mit nur 77 Prozent deutlich unter dem für die Chemie üblichen Niveau (sonst 85 Prozent). Dank flexibler Arbeitszeitregelung und Kurzarbeit hielt sich der Arbeitsplatzabbau in Grenzen. Die Zahl der Beschäftigten sank um rund 1,5 Prozent auf 435.000. Manch ein Unternehmen musste seine Auslandsinvestitionen in Richtung Asien oder Naher Osten zunächst zurückstellen. Dagegen stieg 2009 die Zahl der Unternehmenstransaktionen in der Chemiebranche weltweit an. Dabei handelt es sich, wie schon in 2008, vorwiegend um strategische Investoren, die sich am Markt etablierten. Das Transaktionsvolumen dagegen fiel im Jahresvergleich insgesamt niedriger aus, was im Wesentlichen an den schwierigen Refinanzierungsbedingungen lag.
Die Chemieproduktion lag um rund 10 Prozent unter dem Vorjahr. Der Gesamtumsatz der deutschen Chemieindustrie sank zwar um 12,5 Prozent, lag aber mit 154,4 Mrd. Euro noch auf einem stolzen Niveau. Die Erzeugerpreise sind im Durchschnitt um 2,5 Prozent gesunken. Die Schmierstoffproduktion deutscher Raffinerien musste 2009 einen Rückgang von rund 9 Prozent hinnehmen. Lediglich Basis- und Maschinenöle lagen im Plus. Bei Motoren-, Getriebe- und Hydraulikölen, besonders aber bei den Schmierfetten, erlebten wir einen regelrechten Absturz von teilweise über 70 Prozent. Der leichte Anstieg zum Jahresende wirkte da eher wie der Tropfen auf den heißen Stein. Auch wenn man seinen Blick auf die gesamte Raffinerie-Produktion hierzulande erweitert, wird es nicht viel besser. Deutsche Raffinerien haben 2009 knapp 6 Prozent weniger produziert als 2008.
Der Chemiehandel dürfte überproportional unter dem Nachfragerückgang gelitten haben. Genauere Zahlen werden wohl erst im Verlauf des ersten Quartals 2010 vorliegen. Der Chemieanlagenbau dagegen konnte sich aufgrund des hohen Auftragsbestandes in 2009 noch gut behaupten. Die Auslastung sicherten insbesondere die Wertschöpfungsstufen Detail Engineering und Fertigung. Dort lag der Exportanteil nach wie vor auf einem Niveau von rund 90 Prozent, was deutlich mehr war als im Durchschnitt des gesamten Großanlagenbaus. Hauptabnehmerregionen waren Südamerika, hier insbesondere Venezuela, und Nordafrika, aber auch Industrieländer wie die Niederlande, Portugal und Italien.
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Datum: 22.02.2010 - 11:10 Uhr
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