NOZ: Experte warnt: Soziale Dienstpflicht würde Milliarden von Euro kosten
ID: 1653223
Milliarden von Euro kosten
Paritätischer Gesamtverband: Man müsste auch an Sanktionen denken
Osnabrück. Unmittelbar vor einem Gespräch bei Gesundheitsminister
Jens Spahn an diesem Dienstag (25.9.) in Berlin warnen
Wohlfahrtsexperten die Bundesregierung vor weitreichenden Folgen
einer sozialen Dienstpflicht. Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer
des Paritätischen Gesamtverbandes, sagte der "Neuen Osnabrücker
Zeitung", bei einem Pflichtjahr drohten Kosten in Milliardenhöhe:
"Wir müssten jedes Jahr um die 700.000 junge Frauen und Männer in
irgendeiner Form beschäftigen. Und wir müssten sie 700.000mal
anleiten."
Zudem wäre nach den Worten von Schneider eine neue Verwaltung
erforderlich. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an die
Kreiswehrersatzämter, bei denen sich bis zur Aufhebung der
Wehrpflicht junge Männer melden mussten. Und schließlich müsste auch
ein Sanktionsapparat aufgebaut werden, so Schneider weiter. "Wenn
früher die jungen Männer nicht in die Kasernen gekommen sind, dann
kamen die Feldjäger und holten sie ab. Bei Totalverweigerern, die
auch den Zivildienst ablehnten, gab es harte Sanktionen bis hin zu
Gefängnisstrafen." Auch solche Fragen müsse man bis zum Ende
mitdenken, wenn man einen Pflichtdienst fordere. "Will man das
tatsächlich?"
Schneider plädierte stattdessen dafür, die Freiwilligendienste
attraktiver zu machen, etwa durch die Zahlung eines Taschengeldes von
600 Euro im Monat. Er schätzt, dass sich die Zahl der Freiwilligen so
verdoppeln ließe. "Allein im Bundesfreiwilligendienst wären es dann
70.000 statt 35.000."
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat für diesen Dienstag
Vertreter von 18 Sozialverbänden zu einem Gespräch über die "Vor- und
Nachteile eines sozialen Dienstes für das Gesundheitswesen"
eingeladen. In der Einladung heißt es, eine allgemeine zeitlich
begrenzte Dienstpflicht für junge Frauen und Männer "könnte mit dazu
beitragen, den Zusammenhalt in der Gesellschaft zwischen den
Generationen zu stärken".
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Datum: 25.09.2018 - 05:00 Uhr
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