Wie gelingt die Wende an Schulen in kritischer Lage? Abschlussbericht zum Berliner Pilotprojekt &quo

Wie gelingt die Wende an Schulen in kritischer Lage? Abschlussbericht zum Berliner Pilotprojekt "School Turnaround" veröffentlicht

ID: 1654538
(ots) - Über vier Jahre haben die Berliner
Senatsbildungsverwaltung und die Robert Bosch Stiftung GmbH im
Pilotprojekt "School Turnaround - Berliner Schulen starten durch"
Unterstützungsangebote für Schulen in sozialen Brennpunkten erprobt.
Mit dem jetzt erschienenen Abschlussbericht legt die Robert Bosch
Stiftung eine Zusammenfassung vor, die zentrale Erkenntnisse der
Beteiligten und die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung
bündelt. Die daraus abgeleiteten Empfehlungen sollen andere
Bundesländer bei der Arbeit mit Schulen in kritischer Lage
unterstützen.

Zeitnahe Besetzung der Schulleitung entscheidend, aber nicht
ausreichend

"Wenn Schulen in sozialen Brennpunkten ihren Bildungsauftrag nicht
mehr erfüllen können, leiden darunter vor allem die Kinder, die
bereits durch ihre Herkunft benachteiligt sind", sagt Uta-Micaela
Dürig, stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsführung der Robert
Bosch Stiftung. "Deshalb sind wir dieses komplexe Thema gemeinsam mit
unserem Partner angegangen. Das war keine leichte Aufgabe, aber es
hat sich gelohnt." Einfache Rezepte für einen School Turnaround gebe
es allerdings keine. So sei beispielsweise die zeitnahe Besetzung und
Stärkung der Schulleitung entscheidend, aber nicht ausreichend für
nachhaltige Veränderungsprozesse. "Ohne verlässliche Routinen und
Prozesse geht es nicht. Dafür braucht es die vertrauliche und
selbstverständliche Zusammenarbeit zwischen Schulleitung,
Schulaufsicht, Schulträger und ministerieller Steuerungsebene", so
Dürig.

Vom Pilotprojekt ins Regelsystem - Maßnahmen in Berlin

An dem Kooperationsprojekt nahmen von 2013 bis 2017 zehn Berliner
Schulen in sozialen Brennpunkten teil, die an die Grenze ihrer
Handlungsfähigkeit gelangt waren. Gemeinsam mit der regionalen
Schulaufsicht, dem Bezirk, ihrem externen Prozessbegleiter und den


Projektpartnern arbeiteten sie an Zielen, die sie sich zu Beginn
selbst gesetzt hatten. Im Fokus standen dabei die vier Bereiche
Unterrichtsentwicklung, Schulmanagement, Schulkultur und
Leistungsergebnisse.

"Nach dem Projektende im Juli 2017 haben die Schulen die
eingeleiteten Veränderungen stabilisiert und weitergeführt", sagt
Bildungssenatorin Sandra Scheeres. "Zur ihrer Unterstützung wurden
Stellen für Verwaltungsleitungen eingerichtet und das Berliner
Unterstützungssystem proSchul ausgebaut. Damit ist auch eine
konzeptionelle Weiterentwicklung von proSchul verbunden, in die
Erkenntnisse aus dem Projekt unmittelbar Eingang finden. Mit dem
vorliegenden Ergebnisbericht werden die Berliner Erfahrungen auch
anderen deutschen Großstädten zur Verbesserung der Schulqualität in
sozialen Brennpunkten zur Verfügung gestellt."

Stärkung des mittleren Managements und mehr Kooperation unter
Lehrern

Wissenschaftlich begleitet wurde das Projekt durch Prof. Dr.
Stephan Huber und ein Team der Pädagogischen Hochschule Zug
(Schweiz). Für die Evaluation wurden in drei Erhebungszeiträumen über
720 Fragebögen ausgefüllt und mehr als 280 Interviews geführt. So
konnten die Wissenschaftler beispielsweise zeigen, dass neben der
Schulleitung insbesondere das mittlere Management mit erweiterter
Schulleitung und Fach- und Jahrgangsstufenleitern an Bedeutung
gewonnen hat. Auch die Kooperationskultur schätzten die Lehrkräfte
gegen Ende des Projekts deutlich positiver ein, als noch zu Beginn.
So wurden u.a. feste Zeiten für Konferenzen, Team- und
Dienstbesprechungen eingeführt, die vor dem Projekt entweder gar
nicht oder nur eingeschränkt vorhanden waren. Auch das Betriebsklima
und die Arbeitszufriedenheit haben sich an den Schulen im Verlauf des
Projekts verbessert.

Entwicklungsnetzwerk bringt Bundesländer zusammen

Mit dem Abschlussbericht werden die Erkenntnisse aus Berlin und
die aus der wissenschaftlichen Begleitung abgeleiteten Empfehlungen
auch anderen Bundesländern zur Verfügung gestellt. Um die
bundeslandübergreifende Zusammenarbeit und den Wissenstransfer zu
ermöglichen, hat die Robert Bosch Stiftung bereits 2016 das
"Entwicklungsnetzwerk zur Unterstützung für Schule in kritischer
Lage" ins Leben gerufen, in dem sich Vertreter von Schulverwaltungen,
Schulaufsichten und Landesinstituten aus sieben Bundesländern
kontinuierlich austauschen und gemeinsam Lösungsansätze
weiterentwickeln. Seit 2017 bietet die Stiftung zudem eine
Fachtagreihe an, die sich gezielt an Praktiker in
Unterstützungssystemen und Wissenschaftler im Feld richtet.

Hintergrund zum Projekt

Am Berliner Projekt nahmen sieben Integrierte Sekundarschulen und
drei Grundschulen teil. Die Bilanz zum Projektabschluss im Juli 2017
fiel deutlich positiv aus: Gemessen an ihren individuellen Zielen
haben alle zehn Schulen eine Schulwende erreicht. So konnten
beispielsweise der Unterrichtsausfall und die unentschuldigten
Fehltage der Schüler gesenkt werden, den meisten teilnehmenden
Integrierten Sekundarschulen gelang es, die Schulabbrecherquote zu
senken. Am wirksamsten war der Einsatz von Prozessbegleitern an jeder
Schule, die beim Aufbau geeigneter Team- und Steuerstrukturen
geholfen haben. Insgesamt standen im Projektverlauf über 1,9
Millionen Euro zur Verfügung, um die Schulen in ihrer
Schulentwicklung zu unterstützen.

Lesen Sie mehr zum Thema auf dem Deutschen Schulportal:
www.deutsches-schulportal.de

Den Abschlussbericht und weitere Informationen zum Projekt finden
Sie unter: www.bosch-stiftung.de/schoolturnaround

Über die Robert Bosch Stiftung

Die Robert Bosch Stiftung GmbH gehört zu den großen,
unternehmensverbundenen Stiftungen in Europa. In ihrer gemeinnützigen
Arbeit greift sie gesellschaftliche Themen frühzeitig auf und
erarbeitet exemplarische Lösungen. Dazu entwickelt sie eigene
Projekte und führt sie durch. Außerdem fördert sie Initiativen
Dritter, die zu ihren Zielen passen.

Die Robert Bosch Stiftung ist auf den Gebieten Gesundheit,
Wissenschaft, Gesellschaft, Bildung und Völkerverständigung tätig. In
den kommenden Jahren wird sie darüber hinaus ihre Aktivitäten
verstärkt auf drei Schwerpunkte ausrichten:

- Migration, Integration und Teilhabe

- Gesellschaftlicher Zusammenhalt in Deutschland und Europa

- Zukunftsfähige Lebensräume

Die Robert Bosch Stiftung bekennt sich zu den Werten und dem
Vorbild ihres Stifters, Robert Bosch, und setzt dessen
philanthropisches Wirken fort. Mit mehr als 50 Jahren Erfahrung
verfügt sie in ihren Fördergebieten über ein breites Wissen, die
Qualifikation zur Entwicklung von Lösungen und ein umfangreiches
Netzwerk von Partnern, Experten und Praktikern.

Die Robert Bosch Stiftung ist alleinige Trägerin des Robert Bosch
Krankenhauses und der zugehörigen Forschungsinstitute in Stuttgart,
Institut für Geschichte der Medizin (IGM) und Dr. Margarethe
Fischer-Bosch-Institut für Klinische Pharmakologie (IKP), sowie des
International Alumni Center (iac) in Berlin. Sie ist Gesellschafterin
des UWC Robert Bosch Colleges in Freiburg und der Deutschen
Schulakademie in Berlin. Die Robert Bosch Stiftung hält rund 92
Prozent der Geschäftsanteile an der Robert Bosch GmbH und finanziert
sich aus den Dividenden, die sie aus dieser Beteiligung erhält. Seit
ihrer Gründung 1964 hat die Robert Bosch Stiftung rund 1,6 Milliarden
Euro für ihre gemeinnützige Arbeit ausgegeben. www.bosch-stiftung.de



Pressekontakt:
Michael Herm
Pressereferent
Strategische Kommunikation
Robert Bosch Stiftung GmbH
Telefon: 0711/46084-290
Fax: 0711/46084-10290
michael.herm@bosch-stiftung.de

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Datum: 27.09.2018 - 11:01 Uhr
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