Wenn ganz Deutschland elektrisch fährt, steigt der Energieverbrauch um ein Drittel

Wenn ganz Deutschland elektrisch fährt, steigt der Energieverbrauch um ein Drittel

ID: 1656114
(ots) - Treibstoffkosten für Elektrofahrzeuge am
günstigsten / Bei gleicher Besteuerung aller Treibstoffe wäre Benzin
am günstigsten / "Synfuels" auf Basis elektrischer Energie mit
deutlichen Kostennachteilen / Verbrenner-Modelle schneiden bis 2030
beim Vergleich der Gesamtkosten immer schlechter ab / Hersteller und
Zulieferer müssen Volumenproduktion von E-Autos kosteneffizient
vorbereiten

Die Vielfalt an Antriebsarten von Fahrzeugen steigt in den
nächsten Jahren enorm, doch welcher alternative Treibstoff und welche
Antriebsart in Zukunft zum Einsatz kommen, hängt für Verbraucher
neben ökologischen Fragen auch von den Betriebskosten ab. Die Studie
"Alternative fuels and powertrains - Automotive strategy in a world
of diverse mobility" von Strategy&, der Strategieberatung von PwC,
analysiert die Betriebskosten klassischer Verbrennungsmotoren, von
Plug-in Hybriden, Batteriefahrzeugen und Brennstoffzellenfahrzeugen
bis zum Jahr 2030 für verschiedene Fahrzeugsegmente und
-ausstattungen. Berücksichtigt werden dabei neben den erwarteten
Kosten- und Produktivitätsfortschritten bei alternativen
Antriebsarten auch steigende Aufwände für Verbrennungsmotoren zur
Einhaltung künftiger Emissions- und Effizienzrichtlinien. Letztere
sorgen zwar für verringerte Kraftstoffkosten, können die Mehrkosten
jedoch nur bedingt ausgleichen.

"Scheinbar ist es nur eine Frage der Zeit, bis Elektrofahrzeuge
günstiger zu betreiben sind als Verbrenner. Die Analyse zeigt aber,
dass Fahrzeugklasse und Reichweite für diesen Zeitpunkt eine
wesentliche Rolle spielen: Bei Fahrzeugen mit geringer Reichweite und
in höherwertigen Segmenten wird er deutlicher früher erreicht. Große
Reichweiten dagegen wirken sich durch hohe Batteriekosten trotz der
erwarteten Fortschritte in den kommenden Jahren negativ aus und die


Kostenparität mit dem vergleichbaren Verbrenner-Modell ist für ein
Fahrzeug mit 500km Reichweite bis 2030 nur in der Premiumklasse
erreichbar", so Dr. Oliver Bollmann, Partner bei Strategy&
Deutschland.

Für das Jahr 2030 rechnen die Studienautoren damit, dass
Brennstoffzellenfahrzeuge insbesondere für die Premiumklasse und hohe
Reichweiten zwar noch teurer sind als Verbrenner, jedoch unter den
verschiedenen Angeboten die wirtschaftlichste Alternative sind.
Dagegen hängen die Kostenvorteile alternativer Kraftstoffe, inklusive
Strom, stark von der jeweiligen Steuerbelastung ab. Bei Umlegen der
heutigen Steuerlast fossiler Kraftstoffe auf die alternativen
Kraftstoffe wäre der Kostenvorteil umgedreht. Neben der
Kostensituation stellt sich aber auch die Frage, woher die Energie
für die alternativen Antriebe stammen kann. Wären aktuell alle Autos
in Deutschland mit Strom betrieben, stiege der Strombedarf um rund
ein Drittel des heutigen Gesamtbedarfs pro Jahr. Wenn alle Fahrzeuge
ab sofort mit Wasserstoff fahren würden, wäre der Energiebedarf um
66% höher. Im Fall von synthetischen Kraftstoffen wäre den Prognosen
zufolge 206% mehr Energie notwendig.

"Strombasierte sogenannte 'Synfuels' in flüssiger Form oder als
synthetisches Erdgas sind dennoch eine sinnvolle Ergänzung", meint
Dr. Oliver Bollmann. "Dabei stehen vor allem Anwendungen mit hohem
Energiebedarf wie Schwerlast-Fernverkehr und Luftverkehr im Fokus,
welche auf absehbare Zeit mit Batterieantrieben nicht sinnvoll
betrieben werden können. Gleichzeitig wird dadurch die
Sektorenkopplung ermöglicht, die für den Umbau des Energiesystems
zwingend notwendig ist".

Auch wenn nicht nur die Betriebskosten über Erfolg oder Scheitern
eines Treibstoffs entscheiden, rechnen die Studienautoren damit, dass
Verbrenner-Modelle schon in wenigen Jahren in immer mehr
Anwendungsfällen ersetzbar werden. "Sowohl Hersteller als auch
Zulieferer müssen umdenken und sich auf das neue Zeitalter
vorbereiten. Der Hochlauf der Volumenproduktion von E-Autos und
Komponenten stellt die gesamte Wertschöpfungskette vor große
Herausforderungen bei der Einhaltung von Produktivitäts- und
Qualitätszielen. Die Herstellkosten müssen im Vergleich zu heute noch
drastisch sinken, um im neuen Zeitalter wirtschaftlichen Erfolg zu
ermöglichen. Wichtig ist außerdem ein klarer Fokus des Managements
auf Innovation. Die Mobilität der Zukunft erfordert kreative Ansätze,
für die in Unternehmen ein entsprechender Nährboden geschaffen werden
muss. Dafür braucht es auch die richtigen Leute - in Zukunft spielen
Elektrotechnik und chemische Prozesse eine zentrale Rolle in der
Automotive-Branche und Unternehmen sollten sich schon frühzeitig um
entsprechende Talente bemühen", schließt Dr. Jörn Neuhausen,
Principal bei Strategy& Deutschland.

Die Ergebnisse der "Fuel and Powertrain Study 2018" finden Sie
unter: http://ots.de/OvO956

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