Die zehn besten Länder für Mädchen, um Politikerin zu werden / Analyse zeigt: Deutschland bei Gleichberechtigung nur Mittelmaß
ID: 1658196
International zeigt: Deutschland schneidet bei politischer
Gleichberechtigung nur mittelmäßig ab. Auf der ganzen Welt werden
Mädchen und junge Frauen aus Entscheidungsprozessen ausgeschlossen -
auch wenn es um ihr eigenes Leben geht. Plan International hat
anlässlich des Welt-Mädchentags am 11. Oktober eine Analyse zur
Situation der politischen Teilhabe von Mädchen herausgegeben. Diese
zeigt: Sogar Deutschland, das seit über zwölf Jahren von einer Frau
regiert wird, landet im internationalen Vergleich nur auf Platz 13
und gehört damit nicht zu den Top Ten. Die besten Chancen auf eine
politische Karriere haben Mädchen in nordischen Ländern wie Island,
Norwegen oder Finnland. Am schlechtesten schneiden westafrikanische
Länder wie Mali, Tschad oder Guinea ab.
Für die Analyse wurden 135 Länder auf Chancen zur politischen
Teilhabe von Mädchen untersucht. Als Indikatoren dienten dabei unter
anderem die Anzahl weiblicher Abgeordneter im Parlament oder Frauen
in Ministerposten, aber auch soziale Indikatoren wie die
Alphabetisierungsrate oder die Verbreitung von häuslicher Gewalt und
Frühverheiratung. Mädchen, die Gewalt erleben oder sehr früh
verheiratet werden, sind oft gezwungen, die Schule abzubrechen. Sie
müssen erleben, dass ihre Meinung nicht zählt und sie nicht selbst
über ihr Leben bestimmen können.
"Mädchen und Frauen stellen die Hälfte der Weltbevölkerung, aber
sie werden ständig unterschätzt, ausgebremst und übergangen. Wenn wir
Gleichberechtigung erreichen wollen, müssen wir uns dafür stark
machen, dass Mädchen und Frauen auf der ganzen Welt an allen
Entscheidungsprozessen beteiligt werden und aktiv mitbestimmen
können", fordert Maike Röttger, Geschäftsführerin von Plan
International Deutschland.
Besonders schlecht sind die Bedingungen für Mädchen in Westafrika,
zum Beispiel in Mali: Eine sehr niedrige Alphabetisierungsrate (von
allen Mädchen und Frauen dort kann jede fünfte nicht lesen und
schreiben) und eine hohe Rate an Frühverheiratungen führen dazu, dass
Mädchen so gut wie kein Gehör finden. 39 Prozent der Mädchen zwischen
15 und 19 Jahren sind dort bereits verheiratet. Auch in der Politik
finden Frauen so gut wie nicht statt. Zwar wurde das Land 2011 ein
Jahr lang von einer Frau regiert, dennoch werden nur 9 Prozent der
Sitze im Parlament von Frauen besetzt.
Maike Röttger: "Mit überwiegend männlich besetzten Regierungen
werden wir es nicht schaffen, die Probleme zu lösen, mit denen
Mädchen und Frauen auf der ganzen Welt zu kämpfen haben. Wir müssen
eine paritätische Besetzung der Parlamente erreichen. Die Stärkung
politischer Teilhabe muss ein Kernziel der Bundesregierung werden -
sowohl in der Entwicklungszusammenarbeit als auch in Deutschland."
Dass es auch in Deutschland noch keine echte Chancengleichheit
gibt, hat laut Analyse verschiedene Gründe: ungleiche Macht- und
Entscheidungsstrukturen, die Unvereinbarkeit von Familie und Beruf
sowie ungleiche Bezahlung wirken sich zum Beispiel negativ auf
gleichberechtigte Teilhabe aus. Politikerinnen werden in deutschen
Medien zudem häufig marginalisiert und trivialisiert - etwa indem der
Fokus in der Berichterstattung auf Äußerlichkeiten oder ihr
Privatleben statt auf ihre Arbeit gelegt wird.
In Deutschland ist das Kabinett von Angela Merkel (inklusive der
Kanzlerin selbst) mit 7 Frauen und 9 Männern zwar das bisher
weiblichste in der Geschichte der Bundesrepublik, doch der Eindruck
täuscht: Frauen sind in der Politik noch immer unterrepräsentiert.
Der Anteil weiblicher Abgeordneter liegt aktuell bei 31 Prozent und
ist im Vergleich zur vorherigen Legislaturperiode um sechs Prozent
gesunken. Besonders niedrig ist der Frauenanteil bei Fraktionen wie
der AfD (11 Prozent), der CDU/CSU (20 Prozent) und der FDP (24
Prozent). Die SPD kommt hingegen auf 42 Prozent, die Linken auf 54
und die Grünen sogar auf 58 Prozent. Bei den Grünen muss bereits seit
1986 mindestens die Hälfte aller Listenplätze mit Frauen besetzt
sein, bei der Linken gilt seit 2011 eine 50-Prozent-Quote. Die SPD
hat seit 1988 eine 40-Prozent-Quote, die CDU führte 1996 ein
unverbindliches Frauenquorum mit einer Empfehlung von 30 Prozent ein.
AfD und FDP haben keine Regelung zur Frauenquote.
Ergebnisse des Rankings
Die zehn besten Länder für Mädchen, um Politikerin zu werden:
1. Island, 2. Norwegen, 3. Finnland, 4. Kanada, 5. Slowenien, 6.
Irland, 7. Neuseeland, 8. Spanien, 9. Dänemark, 10. Schweden, ... ,
13. Deutschland
Die zehn schlechtesten Länder für Mädchen, um Politikerin zu werden:
1. Tschad, 2. Jemen, 3. Mali, 4. Guinea, 5. Mauretanien, 6. Gambia,
7. Äthiopien, 8. Laos, 9. Bhutan, 10. Myanmar
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Datum: 09.10.2018 - 10:47 Uhr
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