Inkontinenz ist ein häufiges und belastendes Problem
ID: 1663034
den Pflegealltag" unterstützt pflegende Angehörige dabei, im Alltag
mit der Herausforderung umzugehen.
Ältere und pflegebedürftige Menschen sind besonders oft von
Inkontinenz betroffen. Das bedeutet, sie können die Ausscheidung von
Urin oder Stuhl zumindest teilweise nicht kontrollieren. Über 60
Prozent der Pflegebedürftigen in Deutschland, die von einem
Pflegedienst versorgt werden, müssen mit einer Harninkontinenz
umgehen - also etwa 400.000 Menschen. Dies zeigt eine
wissenschaftliche Studie des Zentrums für Qualität in der Pflege
(ZQP) und der Charité Universitätsmedizin Berlin. Bei Bewohnern in
Pflegeheimen ist der Anteil noch höher.
Inkontinenz kann nicht nur die Gesundheit, sondern auch die
Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Viele Menschen mit Blasen-
oder Darmschwäche vermeiden aus Scham oder Unsicherheit, aus dem Haus
zu gehen. Dann drohen soziale Isolation und Einsamkeit. "Damit Hilfe
möglich wird, muss das Tabu gebrochen und mehr über Inkontinenz
gesprochen werden", sagt Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP
und Mitautor der Studie. Er rät zudem, unbedingt fachlichen Rat bei
einem Arzt, einer Pflegekraft oder einem Kontinenzberater einzuholen.
"Denn der richtige Umgang mit Blasen- und Darmschwäche ist wichtig.
Dadurch können viele gesundheitliche, aber auch seelische Probleme
gelindert oder sogar ganz vermieden werden. Die Lebensqualität kann
so erheblich verbessert werden", so Suhr weiter.
In der Pflege spielt Inkontinenz eine besonders gravierende Rolle,
weil diese meist mit anderen Einschränkungen zusammenkommt. Der
Versorgungsaufwand kann so groß werden, dass die häusliche Pflege
nicht mehr aufrecht zu erhalten ist. Denn auch für Angehörige ist es
eine enorme Herausforderung, Menschen mit Inkontinenz gut zu helfen.
Daher hat das ZQP einen kostenlosen Ratgeber für pflegende Angehörige
mit praktischen Hinweisen und aktuellem Basiswissen zum Thema Harn-
und Stuhlinkontinenz entwickelt. Dieser gibt auf 24 Seiten einen
Überblick, welche Behandlungsansätze es gibt, welche Hilfsmittel den
Alltag erleichtern und wie diese richtig verwendet werden. Darüber
hinaus bietet das Heft viele Tipps, welche Anpassungen in der Wohnung
den Alltag für Menschen mit Inkontinenz einfacher machen können.
Für Menschen mit Demenz ist es zum Beispiel wichtig, ihnen die
Orientierung zu erleichtern. Dazu kann die Toilettentür mit großen
Symbolen, Bildern und Schriftzügen gekennzeichnet werden. Manchmal
hilft auch ein farbiger Toilettensitz, der sich deutlich vom Rest des
WCs abhebt.
Außerdem gibt der ZQP-Ratgeber viele Hinweise, wie man das
Selbstwertgefühl Betroffener stärkt, ihre Selbstständigkeit erhält
und sie bei Aktivitäten unterstützt. Darüber hinaus erhalten
Pflegende Anregungen dazu, wie sie mit ihren eigenen Gefühlen umgehen
können. Denn es kann peinlich sein und überfordern, wenn man auf
einmal in die intimsten Bereiche nahestehender Menschen einbezogen
wird.
"Für pflegende Angehörige ist das Thema Inkontinenz meist stark
schambesetzt und belastend. Kaum jemand ist darauf vorbereitet, sich
mit den Ausscheidungen seiner Partner oder Eltern
auseinanderzusetzen. Deswegen sollte man Beratung von Fachleuten
suchen und dann seine eigenen Grenzen bestimmen", schlägt Suhr vor.
Wo man Beratung und Unterstützung findet und wann fachlicher Rat
besonders wichtig ist, wird ebenfalls in der Broschüre beschrieben.
Der Ratgeber ist Teil einer Reihe, die Angehörigen fundierte,
alltagstaugliche Tipps für die häusliche Pflege an die Hand gibt. Die
Druckausgaben können kostenlos über die Webseite des ZQP bestellt und
als vollständige PDF-Datei direkt heruntergeladen werden:
www.zqp.de/bestellen.
Unterstützt wurde die Erstellung des Ratgebers von Prof. Dr.
Andreas Wiedemann, Chefarzt der Klinik für Urologie des evangelischen
Krankenhauses Witten und Professor für Geriatrie an der Universität
Witten/Herdecke.
Mehr zum Ratgeber und anderen Angeboten der Stiftung gibt es auch
auf www.zqp.de.
Hintergrund zur Studie
Das Ziel der Studie war es, die Prävalenz und den Schweregrad von
Harninkontinenz und die damit verbundenen Faktoren bei
Pflegebedürftigen, die von ambulanten Pflegediensten versorgt werden,
zu bestimmen. Dazu wurde eine multizentrische Querschnittsstudie bei
923 Patienten aus 102 häuslichen Pflegediensten in ganz Deutschland
durchgeführt. Der Fragenkatalog des ICIQ-SF wurde verwendet, um die
Ausprägungen von Harninkontinenz und ihre Auswirkungen auf die
Lebensqualität zu bestimmen.
Suhr, R. & Lahmann, N.A. (2018). Urinary incontinence in home
care: a representative multicenter study on prevalence, severity,
impact on quality of life, and risk factors. Aging Clinical and
Experimental Research, 30(6), 589-594.
https://link.springer.com/article/10.1007/s40520-017-0816-6
Pressekontakt:
Torben Lenz
Tel.030-275 93 95 15
E-Mail: torben.lenz@zqp.de
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Datum: 23.10.2018 - 10:30 Uhr
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